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Wohnung diente als TV-Studio

Wegen Corona gab es die Kinderkirche per Videos. Martin Kowalski erzählt vom Entstehen, das ganz schön abenteuerlich war ...

Marianne Kowalski schrieb das Drehbuch für die Kinderkirche. Foto: Kowalski
Marianne Kowalski schrieb das Drehbuch für die Kinderkirche. Foto: Kowalski Foto: M. Kowalski

Waldmünchen.Die Corona-Pandemie hat auch die Kinderkirche in der Pfarreiengemeinschaft Waldmünchen-Ast verhindert. Sie findet normalerweise alle zwei Monate im Chorraum des Gaubaldhauses statt. Auch ohne die Treffen sollten die höchsten kirchlichen Feste, Ostern und Pfingsten, für die Kinder aber nicht ausfallen. Das Kinderkirchenteam hat sich deshalb etwas überlegt: „Wenn die Kinder nicht zur Kirche kommen können, dann muss die Kirche eben zu den Kindern kommen“, war der Gedanke.

Susanne Heiner hatte die Idee für das Projekt „Digitale Kinderkirche“. Auch Marianne Kowalski war gleich begeistert, denn so hatte sie die Möglichkeit, auch ihren Kindergartenkindern zu Hause eine Beschäftigung zu bieten. Weil aber wegen der damals noch sehr strengen Auflagen nicht einmal das Team zusammenkommen konnte, wurde aus der Idee ein Familienprojekt im Hause Kowalski.

Die Inhalte wurden mit viel Liebe zum Detail aufbereitet.  Foto: Kowalski
Die Inhalte wurden mit viel Liebe zum Detail aufbereitet. Foto: Kowalski Foto: M. Kowalski/M. Kowalski

Die Rollen waren schnell verteilt: Marianne Kowalski, die ein Talent dafür hat, schwierige religiöse Inhalte in eine kindgemäße Sprache zu übersetzen, schrieb das Drehbuch und wurde zur Regisseurin ernannt. Sohn Josef als Fachlehrer für Musik und Kommunikationstechnik war Kameramann und verantwortlich für die musikalische Gestaltung sowie den Schnitt.

Grab Jesu war in der Küche

Pastoralreferent Martin Kowalski wurde kurzerhand zum Licht-Techniker und sorgte für die richtige Beleuchtung. „Mein wichtigstes Arbeitsgerät war eine alte Nachttischlampe ohne Lampenschirm. So leuchtete sie schön hell. Außerdem war ich theologischer Berater und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Martin Kowalski. Mit den wichtigsten Job hatten Sohn Lorenz mit Freundin Verena: Sie kümmerten sich kulinarisch um das Filmteam – nicht, dass es während der tage- und nächtelangen Drehphasen noch verhungerte oder verdurstete.

Josef Kowalski übernahm die musikalische Umrahmung. Foto: Kowalski
Josef Kowalski übernahm die musikalische Umrahmung. Foto: Kowalski Foto: M. Kowalski/M. Kowalski

Inhaltlich ging die Filmcrew chronologisch vor. Zunächst nahm sie den „Palmsonntag“ auf – in der Wohndiele. Alle Schränkchen und unnötigen Möbelstücke wurden ausgeräumt. Nur das Klavier durfte bleiben, das brauchte Josef Kowalski für die musikalische Untermalung. Auf dem Teppich legte Marianne Symbole aus für das, was die Kinder bisher aus dem Leben Jesu erfahren hatten, bis hin zum Einzug in Jerusalem. Mit Hilfe des Erzähltheaters und entsprechenden Bildern war der erste Film bald im Kasten.

Das machte Mut: „Geht ja schnell!“, dachte das Team – allerdings nicht lange: Als Nächstes stand das Geschehen von Gründonnerstag bis Ostern auf dem Programm. Wegen der umfangreichen Vorbereitungen kamen die Kowalskis erst einmal gar nicht dazu, überhaupt anzufangen. Ein ausgedienter Kelch aus der Sakristei musste her und eine nicht mehr benutzte Hostienschale als Behältnisse für „Brot und Wein des letzten Abendmahles“. Blumen für den Ostergarten waren zu pflücken. Noch dazu brauchte es kleine, bunte Edelsteinblüten zum Kreuzschmücken, passende Steine für das Felsengrab, es waren unzählige Strahlen für die Ostersonne auszuschneiden und mehr.

Am Abend des Karsamstags war es dann soweit. Diesmal war die Küche der Drehort. Es wurde eine lange Nacht ohne Schlaf – eine richtige Osternacht. Denn als am Morgen der Dreh auf den Höhepunkt, die Auferstehung Jesu, zusteuerte, ging just in diesem Moment draußen die Sonne auf und strahlte hell auf das mit den Blumen geschmückte leere Grab.

Die Kinderkirche zum Nachschauen

  • Filme:

    Die religiösen Angebote „Mit Jesus von Ostern bis Himmelfahrt“ und die „Pfingsterzählung“ stehen online noch über die Ferien hinaus bis 28. Juni zur Verfügung.

  • Link:

    Die insgesamt sechs Videos der Kinderkirche sind auf der Pfarreihomepage Ast unter https://pfarrei-ast.jimdofree.com/aktuelles/kinderkirche zu finden.

Nie zuvor hatte Familie Kowalski das Osterlied „Jesus lebt, ich freue mich. Halleluja!“ so voller Inbrunst gesungen wie an diesem Sonntagmorgen nach der letzten Aufnahme, sagt Martin Kowalski. Vollkommen sei die Osterstimmung durch das liebevoll bereitete Frühstück des familieneigenen Catering-Teams geworden, nachdem dieses sich mühevoll den Weg durch die Filmbauten hindurch zu Kühlschrank, Herd und Küchentisch gebahnt hatte.

Eine echte Prüfung für die Filmfamilie bedeutete dann das letzte Projekt: „Mit Jesus von Ostern bis Himmelfahrt und Pfingsten war ein wahres Himmelfahrtskommando“, sagt Martin Kowalski. „Als ich das umfassende Drehbuch meiner Frau las, das sie zuvor wieder in vielen mitunter nächtlichen Stunden verfasst hatte, ahnte ich schon, dass die Umsetzung erneut ein Kraftakt werden würde.“ Als Veröffentlichungstermin hätten sie sich den Pfingstmontag gesetzt – und den auch schon in allen Zeitungen und sozialen Medien angekündigt ...

Projekt stand auf der Kippe

Am Pfingstwochenende sollte gedreht werden. Diesmal räumten die Kowalskis das Wohnzimmer aus, um genügend Platz zu haben. Nur die Schrankwand blieb stehen und der Fernseher, um zwischendurch mal die Tagesschau sehen zu können. Instrumente, Tücher und Legematerial wurden angeschleppt, Feuerzungen gebastelt, das Evangelienbuch aus der Kirche geholt und die Ministrantenglocken, die aber zwischen den Drehs immer wieder zu den Gottesdiensten in die Kirche zurück mussten. „Der Heilige Geist half uns mehrmals, zum Beispiel, indem er gerade noch rechtzeitig mittels eines Hermes-(Götter)boten die im Internet bestellten bunten Holzfische für die Szene vom reichen Fischfang lieferte und der Weihrauch zum idealen Zeitpunkt beeindruckend qualmte“, sagt Martin Kowalski.

Allerdings war die Kinderkirche nicht das einzige Projekt des Sohnes an diesem Wochenende. Während der nun nötig gewordenen Nachtschichten musste die Crew den übermüdeten Filmtechniker immer wieder aufwecken, weil er zwischen den Aufnahmen einschlief. „Einmal sogar im Stehen mit dem Aufnahme-Tablet in der Hand“, sagt Martin Kowalski. Nach mehreren Versuchen war morgens um halb fünf Uhr schließlich auch die letzte Szene abgedreht.

Am Pfingstsonntag machte sich Filmtechniker Josef dann an den Schnitt und wollte das Werk dem Homepage-Beauftragten der Pfarrei, Hans Erhard, zum Hochladen übermitteln. Doch die Übermittlung der großen Datenmengen klappte nicht wie erhofft. Erst am frühen Pfingstmontagmorgen meldete Erhard, dass die Kinderkirchen online sind – gerade noch rechtzeitig ...

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