MyMz
Anzeige

Humor

Wolfgang Krebs begeisterte Tiefenbach

Der Kabarettist Wolfgang Krebs liefert im Spaßettl eine über zweistündige, parodistische und unterhaltsame Hitzeschlacht ab.

Neu in Krebs‘ Repertoire: Schlagerstar Meggy Montana Fotos: wbf
Neu in Krebs‘ Repertoire: Schlagerstar Meggy Montana Fotos: wbf

Tiefenbach.Ob Söder, Seehofer oder Stoiber – einer kann sie alle. Und wie! - Wolfgang Krebs, parodistische Dreifaltigkeit und Meister der geschliffenen Pointe und genialen Perücke. Im „schönen Tiefendings an der Donau, oder was auch immer hier durchfließt“ wuselte sich der 51-Jährige am Freitagabend durch weißblaue Gefilde, machte Abstecher ins Showbusiness und lieferte eine mehr als gelungene Persiflage auf die Gewohnheiten unserer Politiker.

Vortrefflich vermischte Krebs bei seinem Auftritt im Spaßettl Kabarett mit Comedy, parlierte munter vor sich hin, schwadronierte und parodierte, was das Zeug hielt. Im Minutentakt wechselte er die Kostüme und sprach aus, was vielen „auf den Nieren, äh unter der Leber“ brennt. Über zwei Stunden stand der Kabarettist auf der Bühne und feuerte drauf los, als gelte es, einen Rekord im Schnellsprechen aufzustellen – angesichts der brütenden Hitze im Spaßettl allein schon eine physische Meisterleistung.

Geld für Klimanalage

Wolfgang Krebs als dynamischer Markus Söder Fotos: wbf
Wolfgang Krebs als dynamischer Markus Söder Fotos: wbf

Und Krebs kam bestens vorbereitet nach Tiefenbach, wusste über die Gemeinde Bescheid, sein Lob fürs Spaßettl („mein allerhöchster Respekt“) war ebenso ernst gemeint wie sein Wunsch, „dass das Geld bald für eine Klimaanlage reicht“. Auch hier zeigte sich: Die Pointen sitzen, aber schießen nicht übers Ziel hinaus. Die zum Teil in wahnwitzig schnellem Tempo vorgetragenen – gewollten – Versprecher und Wortwitzeleien waren für die Zuschauer keine schwere Kost, aber eine unterhaltsame.

Denn Krebs hatte nicht nur die Politprominenz im Visier, sondern kann auch ganz unpolitisch parodieren. Beispiel: Schlagerstar Meggy Montana oder Mister Ehrenamt Schorsch Scheberl. Buchstabendreher als Lachgarant machte sich der Kabarettist auch bei dem Klischee-Bayern und Vorsitzenden in allen 30 Dorfvereinen zunutze, als der über die „Schnitzelschnackselheizung“ der SUV-fahrenden Zugezogenen im Neubaugebiet wetterte, die erst Niedrigenergiehäuser bauen und dann jeden Tag 80 Kilometer in die Arbeit pendeln. Krebs war nicht ohne Grund nach Tiefenbach gekommen. Eine Art Oscar-Verleihung hatte ihn hierher geführt: die Watschnbaum-Gala.

Der goldene Watschnbaum ist ein Preis, den keiner haben will. Krebs verleiht ihn trotzdem, und zwar an den, der den größten Bock schießt, den aberwitzigsten Unsinn verzapft, das dümmste Zeug redet. Als Schirmherr Edmund Stoiber präsentierte Krebs verschiedene Kandidaten. Und nachdem diese hinreichend geschmäht worden waren, stimmte das Publikum ab und der Ministerpräsident des ehemaligen Bayern schritt zur Anti-Laudatio und Überreichung in (geistiger) Abwesenheit: US-Präsident Donald Trump hatte das Rennen gemacht.

Nur echt mit Raute und Blazer: Angela Merkel Fotos: wbf
Nur echt mit Raute und Blazer: Angela Merkel Fotos: wbf

Angesichts der aktuellen politischen Lage hatte Theatervereinsvorsitzender Ludwig Prögler das Publikum vorsichtshalber zu Beginn schon gewarnt, dass sich die Veranstaltung hinziehen könnte. „Aber spätestens morgen früh sind Sie zu Hause.“ Bedenkt man, wie viele Figuren Krebs im Programm hat: Möglich wär’s gewesen. Neben Stoiber, Seehofer und Söder kamen auch Angela Merkel (nur echt mit der Raute und uckermärkischem Akzent) und Innenminister Joachim Herrmann sowie bekannte und unbekannte, seriöse und unseriöse, reife und unreife Persönlichkeiten zu Wort.

Als Requisite genügte dem Kabarettisten ein Rednerpult. Ein kurzes Intro und schon stand Stoiber auf der Bühne. „Jeder Weg ist der richtige. Auch der Holzweg, wenn du eine Termite bist“, posaunte er – angereichert mit etlichen „ähs“ - hinaus. Die Zuschauer tobten, als Krebs sich Edmunds gestammelten Werken widmete und das „R“ besser rollte, als es ein Horst Seehofer im Original je könnte.

Chance für Heimatministerium

„Die Basis ist das Fundament aller Grundlagen“, sagte Krebs als Seehofer, dessen Motto lautet: „Entweder konsequent oder inkonsequent, aber nicht dieses dauernde Hin und Her“. Scheinbar mühelos wechselte der Kabarettist vom Oberbayerische ins Fränkische zu Markus Söder, der ganz genau wusste, was sich der Tiefenbacher Bürgermeister Ludwig Prögler wünscht: ein neues Gewerbegebiet. Damit konnte ihm Söder zwar nicht dienen, jedoch hatte Seehofer eine gute Nachricht für das Tiefenbacher Gemeindeoberhaupt. Hier will er das Bundesheimatministerium hinstellen. Die Lage sei ideal: Weit genug weg von Merkel und außerdem führt keine richtige Straße her.

Lokale Pointen

  • Übers Spaßettl:

    Hoffentlich reicht das Geld bald für eine Klimaanlage.

  • Über Tiefenbach:

    Ideal fürs Heimatministerium, weil keine richtige Straße hinführt und der Ort weit genug von Angela Merkel entfernt ist.

Eine gute Verbindung hatte der Kabarettist allerdings zum Ortsgeistlichen Albert Hölzl: „Hier verläuft die Achse des Guten“, sagte Krebs und zeigte von der Bühne zum Sitzplatz des Pfarrers. Viel zu lange sei die Trägheit im Freistaat umgegangen, aber Stoiber macht sie alle wieder katholisch: „Bayern muss wieder mehr nach Stoiber klingen!“ Denn: „Im Vergleich zu mir bin ich der beste Redner, die Lady Gaga der bayerischen Politik“, sagt’s und verabschiedete sich nach über zwei kurzweiligen Stunden und mit jeder Menge Applaus von der Spaßettl-Bühne, an die ihn der „Tiefenbacher Schmunzelstein“ – überreicht von Ludwig Prögler – noch lange erinnern soll. (wbf)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht