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Konzert

Zauberhafte Stimmung

Kaori Higashida-Tokoyoda (Flöte) und Terhi Dostal (Klavier) nahmen die Zuhörer mit auf eine intime Reise in die Romantik.
Von Johann Reitmeier

Die beiden Künstlerinnen nach ihrem berührenden Konzert Foto: Reitmeier
Die beiden Künstlerinnen nach ihrem berührenden Konzert Foto: Reitmeier

Walderbach.Konzerten mit der Querflöte haftet bei manchen Interpreten gelegentlich etwas Süßliches an. Am Samstagabend unter der Überschrift „Flötenklassiker“ war das erfreulicherweise nicht so, im Barocksaal des Klosters Walderbach. Und dennoch verströmte der Ton der japanischen Flötistin Kaori Higashida-Tokoyoda einen ganz eigenen intimen Zauber.

Begleitet von der exzellenten Pianistin Terhi Dostal bot sie eine Tour d‘ Horizon durch die einschlägige romantische Literatur, die eigentlich ein ausverkauftes Haus verdient gehabt hätte. Aber leider blieben doch einige Sitzreihen leer – warum auch immer. Eines fiel der relativ kleinen, aber durchaus begeisterungsfähigen und sachverständigen Zuhörerschar beinahe von den ersten Momenten an besonders auf: Die wunderbar ausdrucksstarke Tongebung beinahe ohne jedes falsche Sentiment, dafür aber von einer bezaubernden Weiblichkeit, ja sogar von warmherziger Seelentiefe, die das Spiel der japanischen Virtuosin bestimmte. Oft steht bei einer solchen Duopaarung mehr oder weniger gewollt das Soloinstrument über dem (Begleit-) Piano. Nicht jedoch bei diesem Programm mit Flötenklassikern. Hier spielt das Klavier einen souveränen Part auf Augenhöhe, was die Stücke letztendlich köstlich und ausgewogen anzuhören macht, und durch das Können Dostal’s zur Schönheit ganz wesentlich beiträgt.

Ein ehrlicher Ton

Die Kunst der Flötistin, bei den Drei Romanzen Op. 94 von Robert Schumann, die innewohnende berührende Sanglichkeit so eindringlich heraus zu arbeiten, ist wohl ihrem kompromisslos ehrlichen Ton und ihrem hoch entwickeltem technischen Vermögen zu verdanken. Die einzelnen Stücke, die im Original für die noch beweglichere Oboe gedacht sind, erhalten durch das Spiel mit vergleichsweise zurückgenommenen Vibrato eine faszinierende Klarheit, die sich durch alle drei Charakterstücke zieht. Selbst in den dramatischen Passagen überzeugt das Duo mit Glaubhaftigkeit und Integrität. Der Reiz des Wechsels von Dur auf Moll im Dritten betont die Rolle der Harmonien des Klaviers, die der Partnerin die reizvolle Ausgestaltung weitgehend überlässt.

Das zweite Werk, die Flötensonate „Undine“ von Carl Reinecke ist ein für den enorm fleißigen Komponisten mit beachtlichem Werksverzeichnis sehr typisches Genrestück nach einem dramatischen Volksmärchen von der Seejungfrau und dem Ritter Gulbrand. Ein echter Glücksfall für die Damen Higashida Tokoyoda und Terhi Dostal, eine musikalische Erzählung, die so ziemlich alles an Gefühlsregungen bereithält, die sich instrumental ausdrücken lassen. Bilder entstehen zum Spiel von Flöte und Klavier, die die Fantasie des Publikums befeuern – Bilder von Liebe, Treue und tragischer Entwicklung mit Tod und Verwandlung treten klar hervor. Ein kreatives aufeinander Eingehen, das in seiner Prägnanz so innig dargestellt ist. Die beiden Frauen verstehen sich offenbar blind, meistens ohne Blickkontakt – verwundert zu beobachten, aber wahr!

Nach der Pause war die große Virtuosität, ja Artistik angesagt. Die „Fantaisie für Flöte und Klavier Op. 79“ von Gabriel Fauré eröffnet beiden Künstlerinnen, aber vor allem der Flötistin die Möglichkeit, alle nur denkbaren Effekte durchzuspielen. Läufe in berückender Beweglichkeit im Stakkato und Legato, quer durch die Lagen, von urwüchsigen Tiefen bis hin zum strahlenden Diskant – ein farben- und formensprühendes Exempel französischer Salonmusik, brillant dargeboten.

Schnörkellos gespielt

Das vorerst letzte Werk des Abends war die „Sonate für Flöte und Klavier Op. 94“. Terhi Dostal stellte eine Anmerkung voran: Nicht, wie oft behauptet, sei diese für die Violine konzipiert, sondern sei eine Originalkomposition für Flöte als Melodieinstrument. Die vier Sätze, abgewandelte Vokalisen, sind in gemäßigt moderner Tonsprache gehalten, sie sind also in idealer Weise geeignet für die kompromisslos schnörkellose Spielweise von Frau Higashida-Tokoyoda. Nicht etwa, dass es an „harschen“ Verzierungen mangelte. Sie ist darüber hinaus in jeder Phase in der Lage, ihren Ton beliebig und großartig zu modulieren – von seelenvoll tragend bis zu gestoßenen Läufen mit perfekten Spitzen – ein wilder Ritt durch die Kadenzen.

Dostal trägt sie mit nicht minder erregendem Pianopart und großartigem Einfühlungsvermögen. Ein, mit Verlaub, „sauschweres Stück“, das aufgeregte Szenen und melodiös-elegische aneinanderreiht. Um am Schluss mit der Rückkehr zum Thema fulminant zu enden. So aufgeheizt, konnte sich – nach heftigem Applaus, das Publikum auf eine sanfte Zugabe freuen – Gabriel Faurés „Wiegenlied“ spiegelte nach Phasen der Erregtheit, die immer wieder das Konzertgeschehen ausmachten, diese anrührende, feminine, ja mütterliche Stimmung wider.

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