MyMz
Anzeige

Gesundheit

Zecken: Nur Vorsorge schützt

Schönes Wetter gefällt auch den Zecken. Experten geben Tipps gegen Borreliose und FSME. Heuer gibt es schon viele Fälle.
von Anna Heidenreich

In den warmen Monaten sitzen Zecken fast überall, wo es grün ist. Foto: Patrick Pleul
In den warmen Monaten sitzen Zecken fast überall, wo es grün ist. Foto: Patrick Pleul

Cham.Bei den aktuellen Temperaturen macht es Spaß, sich draußen zu bewegen. Leider warten genau dort aber kleine Biester, die einem die Freude ganz schön vermasseln können. Zecken sind im Vergleich zu Mücken nicht nur lästig. Bekanntermaßen übertragen sie auch Krankheiten. Die zwei bis zwölf Millimeter großen Spinnentiere können Auslöser von Hirn- und Gelenkentzündungen sein. Aktuell macht gar eine tropische Riesen-Zecke Schlagzeilen, die nach Deutschland eingeschleppt worden ist. Chamer Experten geben Entwarnung: Sie verraten Tipps, wie ein Stich leicht zu vermeiden und was im Fall der Fälle zu tun ist.

26 Borreliose-Fälle gab es in diesem Jahr schon im Landkreis Cham. Fünf Personen erhielten die Diagnose Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Das sagt der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Albert Eisenreich. Dabei sei die „Zeckensaison“ noch lange nicht vorbei: „Es gibt keine Zeit, außer bei Frost, wo eine Zecke nichts von Ihnen wollen würde“, sagt Eisenreich. „Zecken gibt es auch im Winter, wenn es mal länger wärmer ist, so um Weihnachten rum.“ Allerdings seien die Blutsauger aktiver, je wärmer es sei.

FSME-Impfung ist harmlos

Trotzdem bestehe kein Grund zur Panik, sagt Eisenreich. Die FSME-Fälle, die bei ihm gelistet sind, seien etwa nur die wirklich schweren. „Bei FSME gibt es viele unerkannte Fälle, weil die Gott sei Dank so verlaufen, dass man gar nicht merkt, dass es FSME gewesen wäre.“ Betroffene würden sich dann höchstens eine kurze Zeit unpässlich fühlen oder Kopfschmerzen bekommen. Dann sei es „wieder durch“.

Impfen: Eine Impfung hilft zwar nicht gegen den Stich per se, allerdings gegen FSME-Viren, die Zecken übertragen und eine Lähmung hervorrufen können. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Foto: Tobias Hase
Impfen: Eine Impfung hilft zwar nicht gegen den Stich per se, allerdings gegen FSME-Viren, die Zecken übertragen und eine Lähmung hervorrufen können. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Foto: Tobias Hase

Dennoch empfiehlt Eisenreich eine Impfung gegen die Viren. „Cham gilt, wie fast ganz Bayern, als Risikogebiet.“ Besonders Jäger, Gärtner und Personen, die viel im Wald sind, sollten sich impfen lassen. „Ich bin nicht übermäßig viel im Wald unterwegs und trotzdem geimpft“, sagt der Gesundheitsexperte. Denn die Nebenwirkungen seien gering: „Wer bei anderen Impfungen weiß, wie er sie verträgt, weiß auch, ob er die FSME-Impfung verträgt.“

Gegen die viel häufiger vorkommende Borreliose-Infektion gibt es keine Schutzimpfung. Aber auch die sogenannte Lyme-Krankheit ist nicht zu unterschätzen, teilt Prof. Dr. Frank Weber mit, der Facharzt für Neurologie und Neurologische Intensivmedizin der Sana Kliniken des Landkreises Cham. „Die Beschwerden bei Borreliose sind vielfältig und können mehrere Organe betreffen.“ Symptom könne die sogenannte Wanderröte sein – ein schmerzloser Fleck auf der Haut rund um den Einstich oder an anderen Stellen des Körpers. Die muss aber nicht auftreten. Hinweise auf Borreliose können auch Fieber, eine Bindehautentzündung, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen oder Lymphknotenschwellungen sein. Ohne Behandlung kann die Krankheit Lähmungen und sogar Hauttumore oder Gehirnentzündungen verursachen.

Kleidung: Beim Wandern, Spazieren oder bei der Gartenarbeit – „helle Kleidung hat den Vorteil, man wird Zecken krabbeln sehen“, sagt Gesundheitsexperte Dr. Albert Eisenreich. Foto: Daniela Blöchinger
Kleidung: Beim Wandern, Spazieren oder bei der Gartenarbeit – „helle Kleidung hat den Vorteil, man wird Zecken krabbeln sehen“, sagt Gesundheitsexperte Dr. Albert Eisenreich. Foto: Daniela Blöchinger

Um der Krankheit vorzubeugen, hilft am besten, einen Zeckenstich von vorneherein zu vermeiden, sagen die Experten. „Bei Spaziergängen ist es am besten, auf festen Wegen zu bleiben und das Unterholz genauso wie hohes Gras zu meiden. Sinnvoll ist das Tragen von festen Schuhen und heller Kleidung, auf der man Zecken leichter sehen kann. Nach dem Aufenthalt im Freien sollte man den Körper nach Zecken absuchen. Bevorzugte Saugstellen sind Kopf und Hals, die Achseln und die Kniekehlen“, so Weber. Wer dennoch eine Zecke entdeckt, muss sich aber ebenfalls noch nicht fürchten: Hier gilt, je früher die Zecke entfernt ist, desto besser. „In der Regel werden Borrelien erst nach 24 Stunden übertragen, wird die Zecke schnell entfernt, ist also das Übertragungsrisiko der Borreliose-Erreger gering.“

Lesen Sie auch: Claudia Sixt aus Pitzling war nach einem Zecken-Stich ein halbes Jahr gelähmt:

Gesundheit

Nach Zecken-Biss ein halbes Jahr gelähmt

Claudia Sixt aus Pitzling infizierte sich vor Jahren mit Borreliose. Noch heute leidet sie unter den Nachwirkungen.

„Riesen“- und „Spring“-Zecken

Dusche: Die Blutsauger krabbeln einige Stunden bis einen Tag lang herum, bevor sie sich festsaugen. Eine Dusche nach dem Gang ins Grüne stoppt Zecken schon, bevor sie zustechen können. Foto: Patrick Pleul
Dusche: Die Blutsauger krabbeln einige Stunden bis einen Tag lang herum, bevor sie sich festsaugen. Eine Dusche nach dem Gang ins Grüne stoppt Zecken schon, bevor sie zustechen können. Foto: Patrick Pleul

Um die Blutsauger loszuwerden, braucht es keinen Arzt, sagt Albert Eisenreich. Zeckenkarten, Zeckenentferner oder eine Pinzette sind das richtige Werkzeug. „Wenn das Mundwerkzeug drin bleibt, bleibt’s drin. Da steigt auch nicht das Infektionsrisiko, denn das ist nicht der Kopf, der stecken bleibt, sondern nur das Beißwerkzeug.“ Dieser Fremdkörper wachse dann von selbst heraus. „Was man nicht machen soll, ist Uhu nehmen“, sagt Eisenreich. Die Zecke zu ersticken oder zu vergiften, sorge dafür, dass das Tier seine Erreger in den Körper entleere.

Suche: Wer im Grünen war, sollte den Körper nach den stecknadelkopfgroßen Tieren absuchen. Beliebte Saugstellen sind auf Gürtelhöhe, zwischen den Beinen, an Kopf und Hals, die Achseln und die Kniekehlen. Foto: www.zecken.de/obs
Suche: Wer im Grünen war, sollte den Körper nach den stecknadelkopfgroßen Tieren absuchen. Beliebte Saugstellen sind auf Gürtelhöhe, zwischen den Beinen, an Kopf und Hals, die Achseln und die Kniekehlen. Foto: www.zecken.de/obs

Zum Schluss räumt Eisenreich mit Gerüchten auf: Zecken auf Bäumen etwa gibt es nicht. „Zecken mögen es feucht-warm. Waldränder sind so das Beliebteste. Sie sitzen aber maximal bis kniehoch auf Gräsern oder Büschen – weiter gehen sie nicht rauf. Sie springen auch nicht, sondern man streift sie ab.“ Die Riesen-Zecken, die derzeit Schlagzeilen machen, gebe es zwar. Sie wurden wohl von Zugvögeln eingeschleppt. Sie sollen bis zu zwei Zentimeter groß sein, Menschen wittern und über größere Distanz verfolgen können. Allerdings sind sie bisher nur sehr vereinzelt am Niederrhein und in Niedersachsen aufgetaucht. „Ich kann jetzt nur für den Landkreis Cham sprechen. Aber hier ist das noch kein Thema“, sagt Eisenreich.

Darum ist es wichtig, einen Zeckenbiss ernst zu nehmen:

Weitere Nachrichten aus der Region finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht