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Zeitzeugen vor der Kamera

Filmteam aus Prag wählte Neukirchen b. Hl. Blut für Dreharbeiten aus. Das Archiv im Rathaus birgt einige Schätze.
Von Helga Brandl

Bürgermeister Markus Müller informiert sich vor Ort über die Dreharbeiten mit den Zeitzeugen.  Foto: Helga Brandl
Bürgermeister Markus Müller informiert sich vor Ort über die Dreharbeiten mit den Zeitzeugen. Foto: Helga Brandl

Neukirchen b Hl Blut.Erinnerungen sind wertvolles Gedankengut, das das tschechische Zeitzeugen-Filmprojekt „Das vertriebene Gedächtnis des Böhmerwaldes“ bei einwöchigen Dreharbeiten in der Neuerner Heimatstube mit Archiv im Dachgeschoss des Rathauses von Neukirchen b. Hl. Blut aufgegriffen hat.

Laut Filmteam-Leiter Jan Blazek von Post Bellum aus Prag war das Ziel dieses vom Europäischen Fond für regionale Entwicklung finanzierten Projekts zu entnehmen, das die bayerisch-tschechische Zusammenarbeit erweitern und fördern möchte. Organisatorisch erfuhr das Vorhaben Unterstützung von der Heimatpflege der Sudetendeutschen Landsmannschaft mit Dr. Zuzana Finger und dem Museum des Heimatkreises Neuern/Markt Eisenstein in Neukirchen b. Hl. Blut, vertreten durch Max Utz sowie Waltraut Senninger.

Die Aufnahmen mit 15 Zeugnissen aus Orten im Böhmerwald werden als kurzer Film an öffentlichen Stellen und in Schulen im Böhmerwald gezeigt, um dadurch eine Debatte über diese Materie anzuregen. Daher legt das Team auch großen Wert auf mehrere Herkunftsorte der Interviewer, denn desto interessanter werden die Aufnahmen und desto größer wird die Wirkung in der tschechischen Gesellschaft sein.

Sichtweise der Zeitzeugen

Vorgesehen war jeweils eine halbe Stunde zum Kennenlernen und Sprechen über mitgebrachte Fotos oder Dokumente, ehe das eigentliche Interview über gut zwei Stunden ging. Es geht um einen Dokumentarfilm mit kurzen Ausschnitten aus der Sichtweise der Zeitzeugen, die ihre Geschichte aus dem Blickwinkel eines Kindes erzählen. Vorgabe war zudem, dass die befragten Personen im Jahr 1945 mindestens sieben Jahre alt gewesen sein mussten, also vor 1938 geboren, damit sie noch eigene Erinnerungen an die Heimat haben.

Das Projekt zielt auf die ganze Region des Böhmerwaldes ab, weshalb die Zeitzeugen nicht nur aus dem Kreis Neuern, sondern auch aus den Kreisen Krummau, Bergreichenstein, Prachatitz, Kaplitz und Budweis stammen. Dazu ist es hilfreich, Menschen aus den Dörfern und Städten zu befragen in denen sie geboren wurden, damit man die Tradition bewahren und Vergleiche zum heutigen Zustand beschreiben kann.

Bürgermeister Markus Müller ist stolz, dass Neukirchen b. Hl. Blut für die Filmarbeiten ausgewählt wurde, was auch die gute Zusammenarbeit über die Grenze hinweg unterstreiche. Insbesondere das Museum des Heimatkreises Neuern/Markt Eisenstein mit Archiv im Obergeschoss des Rathauses sei ein Kleinod mit außergewöhnlichen Exponaten. Betreuer Max Utz, der dieses Projekt unterstützt, erklärt sich jeden ersten Sonntag im Monat nach dem Hauptgottesdienst bereit, dieses Schatzkästchen für jeden zugänglich zu machen.

Der Heimatkreis wurde nach 1938 gegründet, er reicht vom Markt Eisenstein bis Vollmau und deckt ein breites Gebiet ab. Gerne werden noch weitere Ausstellungsstücke aus alter Zeit bei kurzfristiger Anmeldung angenommen, Tel. (0 99 47) 13 91.

Bedauern über Interesselosigkeit

Auch der Arbeitskreis Rothenbaum / Sankt Katharina stellt das grenzüberschreitende Thema im gegenüberliegenden Wallfahrtsmuseum hochprofessionell zur Schau. So nehmen Einheimische, Gäste und tschechische Bürger die Angebote der Ausstellungen gerne wahr. Bürgermeister Markus Müller bedauerte jedoch, dass die nächste Generation kein so intensives Interesse daran zeige.

Erstrangiges Interesse besteht an den Archivarien, die tage- und stundenfüllend sein können. Eine gute Bibliothek bietet im Gebiet des Heimatkreises enorm viel Literatur. Die Interviews der letzten Woche mit mehr als einem Dutzend Zeitzeugen werden auf dem Internetportal von Post Bellum hochgeladen und mit tschechischen Untertiteln versehen. Eine Kurzversion der Gespräche ist öffentlich zugänglich. Für die Langversion ist eine Registrierung als Forscher erforderlich. https://www.pametnaroda.cz/cs

Die Interviews

  • Zielgruppe:

    Die Nachfahren, die später Interesse am Leben ihrer Ahnen finden. (kbr)

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