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Wirtschaft

Zoo Greger: Nach 33 Jahren ist Schluss

Das Zoofachgeschäft in Chamerau ist eine Instanz. Nun gehen die Besitzer in Rente. Den Laden wird es aber weiterhin geben.
Von Fred Wutz

Hans und Anita Greger gehen am 1. Juli in den Ruhestand. Für ihr Zoofachgeschäft, dass seit Jahrzehnten eine Größe weit über den Landkreis hinaus ist, haben sie passende Nachfolger über Monate hinweg gesucht und schließlich gefunden. Fotos: Fred Wutz
Hans und Anita Greger gehen am 1. Juli in den Ruhestand. Für ihr Zoofachgeschäft, dass seit Jahrzehnten eine Größe weit über den Landkreis hinaus ist, haben sie passende Nachfolger über Monate hinweg gesucht und schließlich gefunden. Fotos: Fred Wutz

Chamerau.„Ob das so einfach wird, nach 33 Jahren ein neuer Lebensabschnitt, das weiß ich nicht. Bis das auf mich wirkt, dass ich die Verpflichtungen alle los bin, wird schon ein paar Tage dauern.“ – Hans Greger lacht allerdings über das ganze Gesicht, als er das sagt. Er geht nämlich am 1. Juli in den Ruhestand. Und damit verliert die Szene eine echte Größe in Sachen Zoofachgeschäft.

Doch verloren geht das in weitem Umkreis bekannte Geschäft im Chamerauer Gewerbegebiet allerdings nicht. Fast zwei Jahre lang haben Hans Greger und seine Frau Anita Ausschau nach einem geeigneten Nachfolger gehalten. „Einfach so übernehmen, irgendjemand, das geht nicht,“ sagt Greger. „Wir sind es unseren Kunden schuldig, dass die passenden Leute weitermachen.“

Komplette Belegschaft bleibt

Weitermachen wird im Zoofachgeschäft in Chamerau auch die gesamte Belegschaft Gregers, an der Spitze der Angestellten die Tochter Anita. „Wir haben Spitzenpersonal, fachlich bestens ausgebildet, mit allen notwendigen Prüfungen in Sachen Tierschutz. Der neue Betreiber, die Familie Breu, hat insofern beste Voraussetzungen.“

800 Quadratmeter Verkaufsfläche hat das Zoofachgeschäft Greger, die der Nachfolger übernimmt. 20 000 Artikel sind ständig auf Lager – eine Größenordnung, die wenige Geschäfte dieser Art erreichen. Fotos: Fred Wutz
800 Quadratmeter Verkaufsfläche hat das Zoofachgeschäft Greger, die der Nachfolger übernimmt. 20 000 Artikel sind ständig auf Lager – eine Größenordnung, die wenige Geschäfte dieser Art erreichen. Fotos: Fred Wutz

Für Hans und Anita Greger waren die Startbedingungen vor 33 Jahren allerdings nicht so gut. Sie übernahmen ein Zoofachgeschäft in Cham, das zuvor Konkurs gegangen war. „Ein wenig Einrichtung, etwas Ware –mehr war nicht mehr da,“ berichtet Hans Greger. Die dann beginnende Erfolgsgeschichte skizziert er mit knappen Worten: „Wir haben hart gearbeitet, die Kunden durch fachliche Beratung überzeugt. Nach ein paar Jahren konnten wir in Cham ein Haus kaufen, wir haben vergrößert. 2006 haben wir hier in Chamerau diese Halle gebaut, 2013 dann den Standort in Cham ganz aufgegeben.“ Dass Greger nach Chamerau ging, war nach seinen Worten „eine Folge dessen, dass unsere Kunden aus immer größerem Umkreis kamen, bis aus Regensburg, Schwandorf und dem Landkreis Regen“.

Greger ist vor allem im Zusammenhang mit Aquaristik in der gesamten Region ein Begriff. Die Kundschaft hat unter Hunderten von Süßwasser-Zierfischen in den Becken des Fachgeschäftes die Wahl. Fotos: Fred Wutz
Greger ist vor allem im Zusammenhang mit Aquaristik in der gesamten Region ein Begriff. Die Kundschaft hat unter Hunderten von Süßwasser-Zierfischen in den Becken des Fachgeschäftes die Wahl. Fotos: Fred Wutz

Das neue Zoofachgeschäft der Familie Greger wurde dann auch ein respektables Unternehmen: 800 Quadratmeter Verkaufsfläche entstanden, auch ein Bereich im Freien zum großen Thema Gartenteich. In der Halle gab (und gibt) es alles, was in Sachen Zoohandlung verlangt wird. „Wir haben 20 000 verschiedene Artikel auf Lager,“ stellt Hans Greger fest, „das ist schon eine Nummer.“ Was ihm bei allem Geschäftssinn aber wichtig war, stellt er besonders heraus: „Etwas verkaufen ist nur eine Seite. Aber qualifizierte Beratung zu leisten, das honoriert der Kunde, das war immer unser Anspruch.“

Fische waren und sind Gregers Domäne. Es lag also nahe, dass er im Neubau in Chamerau ein eigenes Freigelände in Sachen Gartenteich konzipierte. Zahlreiche Becken enthalten Tiere und Pflanzen. Fotos: Fred Wutz
Fische waren und sind Gregers Domäne. Es lag also nahe, dass er im Neubau in Chamerau ein eigenes Freigelände in Sachen Gartenteich konzipierte. Zahlreiche Becken enthalten Tiere und Pflanzen. Fotos: Fred Wutz

So wollten die Gregers immer wissen, wo die Tiere herkommen, die sie einkauften und an die Kunden weiter veräußerten. „Eine Zeit lang sind viele Leute nach Tschechien gefahren und haben dort scheinbar billig eingekauft. Beratung gab es da keine, und wenn es dann Probleme mit Tieren oder Waren gab, sind sie damit hängen geblieben. Bei uns gab es das nie.“ Dieses preisliche Gefälle hat sich zwischenzeitlich normalisiert, wie Hans Greger betont. „Heute gibt es sehr viele Anbieter in unserer Branche, und die Preise sind auch in Ordnung.“ Wenngleich das Zoofachgeschäft Greger alle Segmente abdeckte – Vögel, Nager, Exoten, Fische, Reptilien usw. – hatte das Unternehmen schon bald einen ausgeprägt guten Ruf in Sachen Süßwasser-Zierfische. „Ja, da kennen wir uns absolut aus,“ schmunzelt der Inhaber, „und das wird ja in diesem Betrieb auch so bleiben, weil das Personal zum neuen Betreiber mitgeht.“

Verpflichtung für den Betrieb

Mit der Übernahme der Beschäftigten ist auch garantiert, dass alles wie gewohnt weiterläuft. „Unser Gewerbe ist Kontrollen von Amts wegen unterworfen, durch die Veterinäre des Landratsamtes, wobei wir nie Probleme hatten,“ berichtet Greger. „Die strengsten Kontrolleure sind aber sozusagen unsere Kunden. Wenn da etwas nicht in Ordnung wäre, dann hätten wir das schnell gespürt.“

Den Graupapagei Coco nimmt Hans Greger mit in den Ruhestand. Seit 1999 hat er das Tier, pflegt zu ihm besonderen Kontakt und sagt: „Nein, den gebe ich keinesfalls her!“ Fotos: Fred Wutz
Den Graupapagei Coco nimmt Hans Greger mit in den Ruhestand. Seit 1999 hat er das Tier, pflegt zu ihm besonderen Kontakt und sagt: „Nein, den gebe ich keinesfalls her!“ Fotos: Fred Wutz

Dass Hans und Anita Greger nun den Schritt in die Rente gehen, hat mehrere Gründe. Einerseits war es die Gesundheit, die dem Zoofachhändler die Entscheidung abnötigte: „So ein Betrieb ist schon eine Verpflichtung, da kommt man gedanklich eigentlich nie davon weg.“ Urlaub habe es in den 33 Jahren ganz wenig gegeben. „Einmal eine Woche nach Österreich – das war schon das Höchste!“, erzählt Greger. „Man macht sich halt Sorgen um die Beschäftigten- Fünf sind es, dazu drei aus der Familie, früher waren es sogar einmal zehn.“ Einer aus dem „Stammpersonal“ wird übrigens mit Hans und Anita Greger das Zoofachgeschäft verlassen. Der Graupapagei Coco ist ihnen so ans Herz gewachsen, dass sie ihn mitnehmen werden. Seit 1999 haben sie ihn, wollten ihn zwar zunächst verkaufen, haben ihn aber dann doch behalten. Und so geht auch Coco in Rente, weil Hans Greger sagt: „Nein, den gebe ich nicht her!“

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