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Volksverhetzung

Zwei Männer im Suff zeigen Hitlergruß

Außerdem schrien sie vor der Woid Disco in Lam Nazi-Parolen. Nun mussten sie sich vor Gericht verantworten.

Im Prozessverlauf entwickelte sich ein reges Gefecht zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Foto: Uli Deck/dpa
Im Prozessverlauf entwickelte sich ein reges Gefecht zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Foto: Uli Deck/dpa

Lam.Volksverhetzung – So lautete der Vorwurf gegen zwei Männer aus dem östlichen Landkreis, die am Dienstag vor dem Chamer Amtsgericht standen. Am 6. August gegen 4 Uhr morgens sollen die beiden vor der Halle der Woid Disco in Lam den Hitlergruß gezeigt und Nazi-Parolen geschrien haben. Gegen den zweiten Angeklagten, einen 30-Jährigen, war noch ein weiteres Verfahren wegen des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen anhängig. Rund zehn Zeugen waren geladen, hinzu kamen die Bewährungshelferin sowie ein psychiatrischer Gutachter.

Der erste Angeklagte, ein 29-Jähriger, sagte, es sei an dem Abend wild zugegangen, man habe gegrillt, getrunken und Gaudi gemacht. Dann sei er gemeinsam mit einer kleinen Gruppe zur Woid Disco aufgebrochen. Bier und Whiskey seien auch dort nach der Ankunft gegen 1 Uhr in rauen Mengen geflossen. Er wisse ansonsten nicht mehr viel vom Verlauf, sei aber mit seiner Gruppe längere Zeit umhergestanden. Gemeinsam seien Fußballlieder gegrölt worden. Vom Zeigen des „Hitlergrußes“ wisse er nichts. Er habe früher der rechten Szene angehört, sei aber mittlerweile ausgetreten. Es habe immer nur Schwierigkeiten gegeben, und allgemein sei es die falsche Einstellung. Gegen Juden habe er nichts.

Erinnerungslücken

Auch der zweite Angeklagte sagte aus, dass er sich an kaum etwas erinnern könne. Im Gegensatz zu seinem Kollegen, sei er schon gegen 21 Uhr in der Woid Disco angekommen und habe sofort mit dem Alkoholkonsum begonnen. Jeweils sieben bis acht Bier und Schnaps sollen es gewesen sein. Er habe seit Ewigkeiten nicht mehr soviel getrunken, das Ausmaß sei privaten Problemen kurz vor der Veranstaltung geschuldet gewesen. Er wisse nur noch, dass er daheim wach geworden sei. Auch er sei Mitglied der Gruppierung „Der dritte Weg“ gewesen, sein Austritt sei im November 2017 erfolgt. Er wolle nichts mehr wissen und seine Ruhe von dem Ganzen haben.

Tätowierungen auf der Haut des Kötztingers waren Anlass für den zweiten Anklagepunkt. Er soll mit drei Gesinnungsgenossen am 15. September zu einer politischen Kundgebung nach Straubing gefahren sein. Dort sei die Polizei auf ein verfassungswidriges Symbol auf seinem linken Oberarm aufmerksam geworden. Der Angeklagte sagte aus, dass er nur kurz aus dem Auto gestiegen sei, um etwas aus dem Kofferraum zu holen. Höchstens wenige Minuten habe man das Symbol sehen können, er habe seine Weste zum Überziehen bereits im Arm gehabt. An diesem Spätsommertag sei es sehr heiß gewesen.

Ein Polizist hat’s gesehen

Ein Polizist aus Bad Kötzting hatte die Anzeige des Sicherheitsmitarbeiters der Woid Disco entgegengenommen und sagte als Zeuge aus, er habe ganz eindeutig gesehen, dass die beiden Angeklagten den Hitlergruß zeigten. Er beschrieb die Geste als dauerhaft und sei sich ganz sicher. Erst nach mehrmaligem Auffordern seinerseits hätten die Männer von der Geste abgelassen. Zudem sei mehrfach der Ausruf „Judenschweine“ zu hören gewesen. Im Vorverlauf des Abends sei es bereits zu Pöbeleien, auch durch die weiblichen Begleitungen gekommen.

Im weiteren Prozessverlauf entwickelte sich ein reges Gefecht zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Besonders brisant wurde es nach der Verlesung des Gutachtens. Nach Einschätzung der Verteidigung soll es nicht ordnungsgemäß gewesen sein. Erbittert kämpfte die Verteidigung insbesondere um die Freiheit des vorbestraften und unter Bewährung stehenden Angeklagten. (cya)

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