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Kommunalwahl

300 Gäste wollten die Kandidaten hören

Bei der MZ-Podiumsdiskussion der Bewerber um das Bürgermeisteramt standen die Bürger im Gaubaldhaus bis auf den Gang hinaus.
Von Martin Hladik

MZ-Redakteurin Petra Schoplocher gestaltete die Diskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten Manfred Ruhland (links), Wolfgang Kürzinger (2. v. l.) und Markus Ackermann spannend und informativ. Foto: Simon Tschannerl
MZ-Redakteurin Petra Schoplocher gestaltete die Diskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten Manfred Ruhland (links), Wolfgang Kürzinger (2. v. l.) und Markus Ackermann spannend und informativ. Foto: Simon Tschannerl

Waldmünchen.Über mangelndes Interesse an der Kommunalpolitik darf man sich in Waldmünchen nicht beklagen. Die MZ-Podiumsdiskussion der drei Bürgermeisterkandidaten sorgte für ein „volles, ja sogar übervolles“ Haus, so der Redaktionsleiter des Bayerwald-Echos, Frank Betthausen, bei der Begrüßung.

Bereits eine halbe Stunde vor Beginn war der Saal des Gaubaldhauses gefüllt. Kurz vor 19.30 Uhr waren auch die Galerie und der Vorraum des Saales besetzt. Rund 300 Menschen wollten am Dienstagabend die Diskussion der Kandidaten Markus Ackermann (CSU), Wolfgang Kürzinger (FW) und Manfred Ruhland (SPD) verfolgen.

Unter der klaren Diskussionsleitung von MZ-Redakteurin Petra Schoplocher konnten die Zuhörer viel über die politischen Ansichten und persönlichen Herangehensweisen der drei Kandidaten erfahren. Dabei zeigte sich Ruhland als klassischer Sozialdemokrat, der sich für die weitere Aufwärtsentwicklung seines Heimatortes einsetzen will.

In einer Aufwärtsentwicklung

Kürzinger imponierte durch sein humorvolles und ideenreiches Auftreten und sieht sich durch seinen Beruf bei der Arbeitsagentur für das Amt des Bürgermeisters gerüstet. Ackermann zeigte sich betont sachlich und kenntnisreich, will die angefangenen „Projekte fortsetzen“ und für „die schöne Heimat“ einstehen.

Die Vorbereitung der Kandidaten

  • Mental:

    Markus Ackermann hat die wichtigsten Daten und Fakten noch einmal nachgelesen. Aber nicht zu viel, weil das sonst zu einem Vortrag würde, meinte er. Manfred Ruhland dagegen sagte: „Ich hab’ was G’scheit’s gegessen, die Themen hab’ ich im Kopf“. Und Wolfgang Kürzinger sagte das, was alle drei Kandidaten so festhielten: „Wir konnten uns nicht vorbereiten, die Fragen waren nicht bekannt.“

  • Glücksbringer:

    Die erste Reaktion aller Kandidaten lautete gleich: „Meine Frau! Meine Familie ist im Saal.“ Auf weitere Nachfrage sagte Kürzinger, er habe seine Lederaktentasche dabei, wie immer. Ruhland verwies auf seinen roten Schal, der sein Erkennungszeichen sei. Ackermann klopfte demonstrativ seine Jackentaschen ab und sagte: „Nein!“, einen Glücksbringer habe er nicht.

  • Kleidung:

    Alle drei Kandidaten trugen Jeans und Hemd. Die Herausforderer hatten ein graues Jackett an. Ackermann trug eine Trachtenjacke mit Weste. Am Revers ihres Jacketts hatten zwei Kandidaten einen Anstecker. Ruhland ein SPD-Parteiabzeichen, Ackermann das Stadtwappen - und Kürzinger hatte einen bunten Knopf am Reversknopfloch. Das sei aber Label des Jackett-Herstellers, erklärte er. (ik)

Die gesamte zweieinhalbstündige Diskussion verlief zwischen den drei Kandidaten ruhig und ohne persönliche Angriffe. Erstaunlich in einem Wahlkampf: Alle drei Kandidaten betonten, dass sich Waldmünchen in einer Aufwärtsentwicklung befinde, die fortgesetzt werden sollte.

Beim Wie beginnen die Unterschiede der Kandidaten. Sehr diszipliniert und angeregt hörte das Publikum über die gesamte Diskussionsdauer zu. Immer wieder wurden Aussagen der Kandidaten mit Applaus oder mit Lachen belohnt.

Die Kandidaten bei und nach der Diskussion sehen Sie in unserem Video:

In Waldmünchen standen die Bürgermeister-Kandidaten bei der Podiumsdiskussion des Bayerwald-Echos auf der Bühne.

Die Diskussion selbst verlief in drei Etappen: Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurden Fragen der Waldmünchner Echo-Büroleiterin Petra Schoplocher beantwortet. Ohne spürbaren Übergang folgten die vorab zugesendeten Fragen von MZ-Lesern. Den Schluss bildeten Fragen aus dem Publikum, die sich meist direkt an den amtierenden Bürgermeister Ackermann richteten.

Ein vom Anfang bis zu Ende immer wieder auftauchendes Thema der Diskussion war ein eher atmosphärisches: die Transparenz und die Umgangsformen bei der Stadtratsarbeit. Gleich bei seiner Vorstellung hatte Kürzinger dieses Thema angesprochen.

Kürzinger und Ruhland beklagten beide eine mangelnde Transparenz der Stadtratsarbeit nach außen. Am schärfsten war die Kritik Ruhlands. „Wir müssen die Leute mehr einbeziehen“, sagte er. Deswegen forderte er, dass die Sitzungsprotokolle ins Netz gestellt werden und die Sitzungen per Livestream übertragen werden.

Ein Blick in den vollen Saal zeigt, dass die zweieinhalbstündige Diskussion mit großem Interesse verfolgt wurde.Foto: Simon Tschannerl
Ein Blick in den vollen Saal zeigt, dass die zweieinhalbstündige Diskussion mit großem Interesse verfolgt wurde.Foto: Simon Tschannerl

Kürzinger dagegen wünscht sich, dass mehr Beratungspunkte öffentlich werden und nicht in der nicht öffentlichen Sitzung behandelt werden. So könnte die Diskussion im Stadtrat in seinen Augen auch lebendiger werden. Von einem Livestream hält Kürzinger dagegen nichts. Damit würde der Druck, bestimmte Themen in die nicht öffentliche Sitzung zu verlegen, nur noch größer.

Jeder könne die Stadtratssitzung besuchen, sagte Ackermann. Damit sei Transparenz gegeben. Auch könne jeder die Protokolle einsehen. Das sei weltfremd, entgegnete Ruhland. Kaum ein Bürger würde seiner Einschätzung nach ins Rathaus gehen, um die Protokolle nachzulesen. Protokolle künftig im Netz lesen zu können, sei einfach eine Folge der Online-Gesellschaft, sagte Kürzinger.

Diskussion um 2. Bürgermeister

Zur Diskussionskultur im Stadtrat erklärte Ackermann, dass es Aufgabe eines Bürgermeisters sei, mit einem Beschlussvorschlag in eine Sitzung zu kommen: „Ich bin nicht der Typ, der mit der Einstellung ‚Schauen wir, was rauskommen wird‘ in eine Sitzung geht.“ Über die Beschlussvorschläge werde in Fraktionssitzungen auch vorab diskutiert. „Ein Beschlussvorschlag ist nicht in Beton gegossen“ und könne geändert werden. Kürzinger sah damit die Diskussion eingeschränkt. Der Stadtrat habe im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Den Beschluss zu ändern oder „wir stimmen ab“.

Auch die Frage, wie der 2. Bürgermeister bestimmt wird, beschäftigte sich mit der Atmosphäre im Stadtrat. Bei der letzten Kommunalwahl hatte es hier Diskussionen gegeben, weil Wünsche aufgetaucht waren, der Kandidat mit dem zweitbesten Stimmergebnis sollte Bürgermeister werden, berichtete Petra Schoplocher. Aus dieser Diskussion wollte sich Ruhland als Vertreter einer kleinen Partei heraushalten. „Ich warte ab, wie das Wahlergebnis ausgeht!“

Ackermann machte deutlich, dass die Art, wie der zweite Bürgermeister gewählt wird, gesetzlich geregelt sei. „Der 2. Bürgermeister wird vom Stadtrat gewählt!“ Nicht vorgesehen sei, dass der mit dem zweitbesten Stimmergebnis auch Bürgermeister werden muss. Auch für Kürzinger war klar, dass bei der Bürgermeisterwahl die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat entscheiden: „Auch wenn es schmerzt.“ Dennoch plädierte er im Sinne des Bürgerwillens dafür, nach der Wahl die drei Bürgermeisterposten auch mit den drei vertretenen Gruppierungen zu besetzen.

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