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Glaube

Auf dem Kreuzweg zum Heilbrünnl

Die Stationen zur Wallfahrtskirche laden in Corona-Zeiten zum stillen Gebet ein. Sie sind vermutlich im Jahr 1798 entstanden.

Roding.Soweit Ausgänge in Zeiten von Corona erlaubt sind, bietet sich ein Gang zu stillen Orten geradezu an. Solch ein Ort ist der Kreuzweg beim Heilbrünnl. Auch ein stilles Gebet schadet niemanden. Die aktuelle Situation nahm unser Berichterstatter zum Anlass und beschäftigte sich mit der Entstehung des Kreuzwegs.

Ursprünglich gab es zum Heilbrünnl nur sieben Kreuzwegstationen. Dies ist auf der historischen Karte, entstanden in den Jahren 1808 bis 1864, zu sehen, die unter geoportal.bayern.de/bayernatlas abrufbar ist. Dies besagt, dass vor dem heutigen Kreuzweg, der vermutlich 1798 entstand, die Rodinger bereits zum Heilbrünnl Kreuzwegandachten hielten.

Aus Wikipedia: „Der Brauch des Kreuzweg-Gehens entstand im 14. Jahrhundert. Zunächst waren es im deutsch-katholischen Raum zumeist nur sieben Stationen, dann fügte die Volksfrömmigkeit sieben weitere, legendäre Stationen hinzu. Da es nicht für alle Christen möglich war, das Heilige Land zu besuchen, baute man in Europa Nachbildungen des Kreuzweges. Zuerst war es ein wirklicher Weg (meist auf einen Berg hinauf), der von den bildlichen Darstellungen der 14 Stationen gesäumt wurde. Später (etwa 1700) begann man, an den Wänden im Kircheninneren die Kreuzwegstationen darzustellen.“

Sieben: Zahl mit Symbolik

Die Zahl Sieben gehört zu den bedeutendsten Zahlen in der Bibel. In Bibelkommentare.de ist zu lesen: „Die Zahl Sieben ist die Summe aus drei und vier und die größte einstellige Primzahl. Sieben Tage in einer Woche, jeder siebte Tag war ein Tag der Ruhe, jedes siebte Jahr war ein Jahr der Ruhe für das Land, und jedes siebte Mal brachten sieben Jahre das Freudenfest. Die Schöpfung war am siebten Tag abgeschlossen. Gottes Ruhen ist die Folge. Es waren sieben Lampen am Goldenen Leuchter (4. Mo 8,2; vgl. Sach 4,2). Das Blut wurde siebenmal vor dem Herrn gesprengt (3. Mo 4,6.17; 8,11). Der Christ wird ermahnt, das Fest des Passahs (Anm. d. Red.: Gemeint ist die Wahrheit, von der dieses Fest einschließlich dem sieben Tage lang andauernden Fest der ungesäuerten Brote – vgl. 3. Mo 23,6 – spricht, also ein Leben ohne Sünde) als ein beständiges Fest zu feiern (1. Kor 5,8). Johannes spricht von sieben Gei-stern vor dem Thron Gottes (Off 1,4). Sieben Gräuel sind im Herzen des Menschen (Spr 26,25). Das erste Tier hat sieben Köpfe und zehn Hörner (Off 13,1). In der Offenbarung tritt „sieben“ häufig auf; die symbolische Zahl Sieben kann man an mehr als sieben Stellen finden. Vergebung soll ‚siebzig mal sieben geschehen‘.“

Die Tradition der Kreuzwege stammt aus Jerusalem und ist sehr alt. Kreuzwege, Kreuzwegstationen, auch bei uns entstanden stets aus dem Volk. Man schritt einen Weg ab und erinnerte an bestimmten Haltepunkten an den verschiedenen Abschnitten an die Leidensgeschichte Jesu.

In der Kreuzfahrerzeit brachte der Strom westlicher Pilger die Tradition des Kreuzwegs ins Abendland, wo sich diese Meditationsform auf vielfältigste Art ausbreitete. Im Mittelalter wurden die Kreuzwege auch die Sieben Fußfälle genannt, weil die Gläubigen bei jedem Bild niederknieten und beteten.“

Zwei kleine Kapellen

Am Fuß des Berges zum Heilbrünnl sollen früher zwei kleine Kapellen gestanden haben, wurde berichtet. Die Familie Haimerl aus Braunried soll 1796 dem Heilbrünnl einen Kreuzweg gestiftet haben. Bekannt ist nicht, ob die Kreuzwegstationen zum Heilbrünnl führten oder ob es sich um die Kreuzwegbilder an den Innenwänden der Kirche handelte, so Eduard Trinkerl in seinem Buch über Mitterdorf.

1948 soll der Besitzer der Riebeisenmühle, Johann Ettl, der sich um das Heilbrünnl besonders verdient gemacht hat, neue Aufsätze auf die Kreuzwegstationen erstellen haben lassen (aus Geschichte der Stadt Roding und ihres Pfarrgebietes von Karl Schwarzfischer). Die fein gehauenen Kreuzwegstationen sind aus Sandstein. Dieser Sandstein dürfte aus Oberkreith stammen, mit dem auch die Neubäuer Friedhofsmauer, die Neubäuer Kirche und der Further Bahnhof gebaut sind. (rjm)

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