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Ausbildung

Aus dem Irak nach Falkenstein

Ein Beispiel für gelebte Integration: Hiba Al-Mozani kam 2016 ins Land. Jetzt ist sie ausgebildete Altenpflegerin.
Von Thomas Mühlbauer

Die gebürtige Irakerin Hiba Al-Mozani macht eine Ausbildung zur Altenpflegerin in Falkenstein. Foto: Mühlbauer
Die gebürtige Irakerin Hiba Al-Mozani macht eine Ausbildung zur Altenpflegerin in Falkenstein. Foto: Mühlbauer

Falkenstein.Viele Auszubildende sind Anfang September ins Berufsleben gestartet – auch beim Pflegedienst Röger in Falkenstein. Doch den Neuzugang, den Christian Röger einstellen konnte, hat Seltenheitswert. Die 25-jährige Hiba Al-Mozani aus dem Irak hat ihre Ausbildung als Altenpflegerin begonnen. Im Januar 2016 kam sie nach Deutschland. Zunächst lebte sie in Regensburg, ehe im April 2016 Falkenstein ihre neue Heimat wurde.

Hiba Al-Mozani ist verheiratet und hat einen Sohn (fünf Jahre) und eine kleine Tochter (ein Jahr). Aufgewachsen ist sie im Süden des Irak, wo sie die Kriegswirren am eigenen Leib zu spüren bekam. Über den Helferkreis Falkenstein und das Ehepaar Sabine Rasch und Gregor Will kam der Kontakt zum Pflegedienst Röger im Januar diesen Jahres zustande.

Die gebürtige Irakerin ist sehr lernwillig. Für sie stand es deshalb außer Frage, schnell Deutsch zu lernen, was sie durch den Besuch von Deutsch-Kursen forcierte. „Ich mag gerne fremde Sprachen, aber ich muss sagen, Deutsch, vor allem mit der Grammatik, ist schon sehr schwer“, so Hiba Al-Mozani. Der Beruf der Altenpflegerin reizt die junge Mutter, denn Zeit ihres Lebens kümmert sie sich um ältere wie auch jüngere Menschen: „Ich mag die Arbeit mit den Menschen. Schon im Irak hatte sie ihre Oma liebevoll versorgt.

Glücksfall für das Unternehmen

Die 25-Jährige begann die Ausbildung nicht blauäugig, wie sie im Gespräch wissen lässt. Denn zunächst absolvierte sie ein Praktikum in Kindergarten und danach eines bei ihrem jetzigen Arbeitgeber, um zu sehen, welcher der beiden Berufe ihr mehr Spaß bereitet. Schließlich entschied sie sich für den Beruf der Altenpflegerin.

„Bislang ist sie für uns ein reiner Glücksfall, sie ist lernwillig und total engagiert“, freut sich Chef Christian Röger über den bisherigen Eindruck. Zur Ausbildung zählt auch der Besuch der Berufsschule, um den Hiba Al-Mozani nicht herumkommt. Sie hat Blockunterricht in Regensburg. Einen Führerschein hat sie jedoch nicht – den Weg in die Domstadt legt sie von Falkenstein aus mit dem Bus zurück. Doch sie sagt: „Demnächst habe ich mir vorgenommen, den Führerschein zu machen.“

Angelernt wird sie derweil auf den Touren von erfahrenen Mitarbeitern des Pflegedienstes. Damit sie lernt, wie die Arbeit abläuft, muss sie am Anfang viel zuschauen. „Ich bin froh, so gut aufgenommen worden zu sein. Alle sind sehr hilfsbereit und nehmen sich viel Zeit für mich“, freut sich Al-Mozani über die netten Kollegen.

Dabei steht die angehende Altenpflegerin bei den Patienten oftmals vor nicht gedachten Hürden: „Wenn ich etwas zu den Leuten sage, die verstehen mich gut – bei den Antworten hapert es aber manchmal noch.“ Kommt die Antwort auf bayerisch zurück, gibt Al-Mozani unumwunden zu: „Da rattert es manchmal ganz schön im Kopf, wenn ich mich frage, was das jetzt heißen soll.“ Doch auch diese kleine Barriere wird die 25-Jährige bald überwunden haben – denn die Sprache wird immer besser.

„Die Herkunft hat für uns überhaupt keine Rolle gespielt.“

Christian Röger, Geschäftsführer

Ihre Zukunft nach der dreijährigen Ausbildung sieht sie klar im Markt Falkenstein, denn der Ort sei besonders, zumal das Leben auf dem Land deutlich anders strukturiert sei wie in einer großen Stadt. Doch die Gedanken nach Hause sind jeden Tag vorhanden: Im Irak leben nämlich noch ihre beiden Brüder, zwei Schwestern und ihre Mutter. „Seitdem ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich sie nicht mehr gesehen. Ich würde mir schon wünschen, sie wieder zu sehen“, sagt sie.

Christian Röger ist froh, so eine engagierte Auszubildende gefunden zu haben. „Die Herkunft hat für uns überhaupt keine Rolle gespielt. Uns war wichtig, dass sie zu unserer Philosophie passt“, betont er. So ist die 25-jährige nicht verschleiert, sondern trägt lediglich ihre Kopfbedeckung.

Das Team steht hinter hier

  • Unternehmen:

    Der Pflegedienst Röger beschäftigt 90 Mitarbeiter.
    Jutta Semmelmann (2.v.r) und Ingrid Fuchs (3.v.l) lernen Hiba Al Mozani an. Mit auf dem Bild sind Juniorchefin Franziska Röger (r.), Pflegedienstleitung Maria Eder (l.), Regina Pohner (hinten 2.v.l) und Lisa Höcherl (hinten).

Sportlehrerin in der Heimat

Und für die Zukunft hofft Röger, dass Hiba Al-Mozani dem Unternehmen erhalten bleibt, denn einfach sei die Personalie nicht: „Man muss wissen, dass sie in Deutschland nur geduldet ist.“ Während der dreijährigen Ausbildung und zwei Jahren danach, gibt es keine Probleme – und bis dann hofft Röger, dass man Einsicht walten lässt: „Die Familie ist dann mittlerweile fest in Falkenstein verwurzelt mit schulpflichtigen Kindern und festem Arbeitsplatz.“

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Es sei schon schwer genug gewesen, bis die bürokratischen Hürden für die Ausbildung gemeistert waren. So mussten eine Bestätigung des Schulabschlusses im Irak organisiert und ein Deutsch-Test bestanden werden. Dabei wurde klar, dass die 25-jährige in ihrem Heimatland Sportlehrerin war.

Der Geschäftsführer ist mit der bisherigen Entwicklung zufrieden: „Ich würde mir so ein Engagement öfter wünschen. Wenn sie zu den Senioren kommt, geht bei denen die Sonne auf. Sie ist ein absoluter Glücksgriff für uns.“ Und Röger schiebt hinterher: Das ist ein Paradebeispiel für gelebte Integration!“

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