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Der Luchs steht einen Tag im Mittelpunkt

In Bayern galt der Luchs schon als ausgerottet. In Arnschwang widmeten Experten der Wildkatze Vorträge und eine Ausstellung.
Von Hans Schmelber

Sybille und Manfred Wölfl mit der Wildkatze Foto: Hans Schmelber
Sybille und Manfred Wölfl mit der Wildkatze Foto: Hans Schmelber

Arnschwang.„Die Kinderstube füllt sich langsam.“ Mit dieser positiven Bemerkung endete der Vortrag von Barbara Geiger, bekannt aus „Fräulein Brehms Tierleben“, im Saal des LBV in Nößwartling.

Die Begrüßung an diesem Tag übernahm die stellvertretende Kreis-Vorsitzende Dr. Gisela Merkel-Wallner. Die Einführung übernahm Manfred Wölfl vom Landesamt für Umwelt in Hof und seine Frau Sybille Wölfl war die Hauptreferentin des Vormittages. „Der Luchs ist die größte Katzenart in Europa“, sagte Wölfl.

85 Luchse in freier Wildbahn

Der Luchs war auch auf den Fotos zu sehen. Foto: Hans Schmelber
Der Luchs war auch auf den Fotos zu sehen. Foto: Hans Schmelber

Wie eine etwas überdimensionierte Schmusekatze mutet der Luchs nun wirklich nicht an, trotz des runden Kopfes mit den lustigen Pinselohren. Die Sprache ist vom Luchs, von dem es derzeit hierzulande gerade einmal 85 erwachsene Exemplare in freier Wildbahn gibt. „Die Tierart ist in Deutschland weiterhin vom Aussterben bedroht.“ Das erklärt die Naturschutzorganisation WWF anlässlich des Internationalen Tag des Luchses am 11. Juni. Zu den Hauptgefährdungsursachen der streng geschützten Katzen gehören laut WWF die Zerschneidung der Lebensräume durch Straßen oder illegale Tötungen aufgrund mangelnder Akzeptanz. Zudem seien ein grenzenloser Schutz und damit eine länderübergreifende Luchsstrategie notwendig, um den sich erst langsam erholenden Bestand in Europa dauerhaft zu stabilisieren.

Barbara Geiger alias Fräulein Brehms Tierleben erklärte vieles zum Luchs. Foto: Hans Schmelber
Barbara Geiger alias Fräulein Brehms Tierleben erklärte vieles zum Luchs. Foto: Hans Schmelber

Einige Menschen haben dies erkannt und eine Initiative ins Leben gerufen, die seitdem für Toleranz und Akzeptanz gegenüber dieser Tierart kämpft und es sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, durch sachlich und fachlich fundierte Aufklärung ein langfristiges, für alle Beteiligten zufriedenstellendes Miteinander von Mensch und Tier zu erreichen. Dies ist vor allem in Mitteleuropa und somit im Bereich Bayerns und der angrenzenden Gebiete und Länder wie der Tschechei und Österreich eine besondere Aufgabe.

Sybille Wölfl, die Leiterin des Luchsprojektes Bayern und Hauptreferentin, hielt einen Bildervortrag, als deren Basis sie eine umfangreiche Datensammlung und Datenauswertung zugrunde legte. In Bayern galt der Luchs ab Mitte des 19. Jahrhunderts als ausgerottet.

Sybille Wölfl bei ihrem Vortrag Foto: Hans Schmelber
Sybille Wölfl bei ihrem Vortrag Foto: Hans Schmelber

Sybille Wölfl berichtete über ihre Arbeit und besonders, was Lebensweise und Jagdverhalten des scheuen Waldbewohners anbelangt. Anhand von Karten zeigte sie die einzelnen Territorien der weiblichen Luchse und sprach auch darüber, dass ein Kuder, so nennt man den männlichen Luchs, zwei bis drei Weibchen betreut. In einem der Gebiete gibt es aber nie zwei weibliche oder zwei männliche Tiere. Ein männlicher Luchs beansprucht hierbei ein Revier von im Schnitt bis zu 400 Quadratkilometern, wobei er in diesem Aktionsraum jährlich 50 Rehe erbeutet.

„Der Luchs ist die größte Katzenart in Europa.“

Sybille Wölfl, Leiterin des Luchsprojekts Bayern

Bei dem Fotofallen-Monitoring 2017 ergeben sich 20 adulte territoriale Luchse, von denen acht männlich und zwölf weiblich waren. Dazu zehn reproduzierende Weibchen mit 22 Jungtieren und 25 dispersierende Luchse. Insgesamt 45 unabhängige und 22 abhängige Luchse, von denen 67 Prozent grenzüberschreitenden unterwegs sind. Das ganze Monitoring erstreckt sich mittlerweile über 13 000 Quadratkilometer und das grenzüberschreitend. Ohne die zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre die zuverlässige Durchführung dieser Maßnahme schlicht unmöglich.

Wissen mit Humor vermittelt

Markus Schmidberger auf einer Bastelstation Foto: Hans Schmelber
Markus Schmidberger auf einer Bastelstation Foto: Hans Schmelber

Die Ausführungen über den Luchs ergänzte anschließend Barbara Geiger, die 2011 die Stiftung Fräulein Brehms Tierleben mit Stephan Lux gegründet hat. Die Erfinderin und Gründerin von Fräulein Brehms Tierleben erklärt die in Deutschland vorkommenden oder möglicherweise irgendwann wieder vorkommenden Beutegreifer Wolf, Bär und Wildkatze. Am Dienstagvormittag aber war ihr Thema der Luchs, den sie mit Enthusiasmus humorvoll präsentierte. Sie zeigte dazu in einer Präsentation Bilder und überraschte die Besucher auch mit Tonaufnahmen. Sie hatte aber auch den Mut, den Bayerischen Wald als das Bermuda-Dreieck für Luchse zu bezeichnen. Manfred Wölfl erklärte dazu, dass dies Vergangenheit sei. Barbara Geiger klang aber auch überzeugt, als sie versicherte, dass mittlerweile die Kinderstube der Luchse sich langsam aber sicher füllt, und sieht dies als positives Zeichen – obwohl die Sterberate bei Jungtieren bei 80 Prozent liegt.

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