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Natur

Die erste Försterin im Nationalpark

Eine Oberpfälzerin übernimmt die Leitung in Bayerisch Eisenstein. Sie hörte einen Hirsch brunften und war sofort hin und weg.

Verkehrssicherung mit schwerer Maschine: Silvia Pflug hat sich im Nationalpark als Försterin bereits gut eingearbeitet.  Foto: Elke Ohland/Nationalpark Bayerischer Wald)
Verkehrssicherung mit schwerer Maschine: Silvia Pflug hat sich im Nationalpark als Försterin bereits gut eingearbeitet. Foto: Elke Ohland/Nationalpark Bayerischer Wald)

Bayerisch Eisenstein.Es ist ein frostiger Morgen. In der Nacht zuvor hat es geschneit und gestürmt. Silvia Pflug ist von Zwieslerwaldhaus aus unterwegs Richtung Schwellhäusl. Eine schwere Maschine ist hier zur Verkehrssicherung im Einsatz, um Totholz am Rande des beliebten Wanderwegs zu entfernen. „Verkehrssicherung ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit hier im Nationalpark“, sagt die 41-Jährige. Bei ihrer vorherigen Tätigkeit spielte das kaum eine Rolle. Sie war im Kreisforstamt in Freudenstadt in Baden-Württemberg in der Privatwaldbetreuung eingesetzt. Dort gelten die Gesetze eines Wirtschaftswaldes. „Großflächige Totholzbestände gibt es dort nicht. Es zählt in erster Linie der finanzielle Wert eines Baumes.“

Neueste Erkenntnisse bei der Forschung oder moderne Methoden in der Umweltbildung – der Nationalpark Bayerischer Wald war als ältester Deutschlands schon in vielen Dingen Vorreiter. Eines hat jedoch fast 50 Jahre gedauert. Und zwar, dass eine Frau die Leitung einer Nationalparkdienststelle übernimmt. Nun ist auch das geschafft: Seit 15. Oktober arbeitet Pflug als erste Försterin im Nationalpark Bayerischer Wald und leitet das Revier Bayerisch Eisenstein.

Ihr Herz schlägt schon immer für die Natur. „Im Studium an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Freising spielte das Thema Waldnaturschutz eine große Rolle, was auch der Hauptgrund für mich war, den Studiengang zu wählen.“ Leider habe sie aber im Arbeitsalltag schnell gemerkt, dass der Naturschutzgedanke insbesondere im Privatwald immer hinten anstehen muss. „Der bestimmende Faktor in der Forstwirtschaft sind ökonomische Überlegungen.“ Im Nationalpark ist dies anders. „Natürlich müssen wir auch hier in den Randzonen den Borkenkäfer bekämpfen. Aber dennoch ist die Sichtweise eine andere.“ Mit der Philosophie „Natur Natur sein lassen“ stimmt Silvia Pflug vollkommen überein. „Es ist toll, zu sehen, welche natürlichen Waldbilder sich hier in 50 Jahren entwickelt haben.“ Auch Dr. Franz Leibl, Leiter der Nationalparkverwaltung, freut sich, dass die offene Dienststelle in Bayerisch Eisenstein kompetent besetzt werden konnte. „Umso erfreulicher ist es, dass wir unter unseren insgesamt sechs Dienststellenleitern nun eine Frau haben.“

Zwischenzeitlich sind die Arbeiten des Greifers gut vorangegangen. Silvia Pflug spricht noch kurz mit dem Fahrer, gibt letzte Erläuterungen. Dann sitzt sie auch schon wieder im Auto und fährt zum nächsten Termin. „Die Abläufe funktionieren schon recht gut“, sagt sie, blickt aus dem Fenster auf den Wald um sie herum und überlegt kurz. „Ich fühle mich hier so richtig wohl.“ Aber eigentlich weiß sie das schon seit der ersten Nacht, die sie in ihrer neuen Heimat Buchenau verbracht hat. „Da habe ich einen Hirsch bei der Brunft gehört und dachte mir, das ist jetzt die volle Dosis Naturnähe.“

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