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Engagement

Die Waldmünchener Kultur-Hüter

Am Beispiel Opera Classica erklärt Hans Ruhland, was der Kulturkreis leistet – mit Blick auf die Mitgliederzahl eine Menge.
Von Petra Schoplocher

Die vielen helfenden Hände des Kulturkreises im Hintergrund machen das Kulturprogramm in seinem Umfang in Waldmünchen erst möglich. Die Aufführung der Opera Classica war „Großkampftag“ für den rührigen Kreis. Fotos: Schoplocher
Die vielen helfenden Hände des Kulturkreises im Hintergrund machen das Kulturprogramm in seinem Umfang in Waldmünchen erst möglich. Die Aufführung der Opera Classica war „Großkampftag“ für den rührigen Kreis. Fotos: Schoplocher

Waldmünchen.Zufrieden war Hans Ruhland bereits am Samstag, „nach einem tollen Abend“. Nun, da er auch die Zahlen zur Opera Classica zusammengetragen hat, sogar noch ein bisschen mehr, immerhin kratzte die größte Veranstaltung im Kulturprogramm der Stadt knapp an der schwarzen Null. „ Aber wenn du Kultur am finanziellen Maßstab misst, kannst du sowieso gleich aufhören“, unterstreicht er dick. Eine Veranstaltung wie am Samstag müsse es wert sein, dass „man sie trotzdem macht“.

Dass sich das Defizit in erträglichem Rahmen hält, liegt nicht zuletzt an den Helfern des Kulturkreises. Sie putzen nicht nur die Bühne, sondern kümmern sich auch um Einlasskontrollen, Sektverkauf oder das leibliche Wohl der doch hunderten Besucher. Was am Samstag wenigstens nicht in der Winterjacke und Gummistiefeln vonstatten ging. „Hatten wir aber alles schon“, sagt die Frau, die gerade Tabletts mit Gläsern von A nach B trägt, mit einem Lächeln.

Nur 13 Aktive

Alles im Blick: Gewissermaßen hat sich der Kulturkreis um Hans Ruhland herum gegründet. „Das sind meine Unterstützer“, sagt der städtische Kulturreferent und verweist auf die viele Arbeit im Hintergrund. Seit 2002, als Ruhland ein städtisches Kulturprogramm auf die Beine stellen sollte, gibt es den Kreis, der kein Verein sein wollte.
Alles im Blick: Gewissermaßen hat sich der Kulturkreis um Hans Ruhland herum gegründet. „Das sind meine Unterstützer“, sagt der städtische Kulturreferent und verweist auf die viele Arbeit im Hintergrund. Seit 2002, als Ruhland ein städtisches Kulturprogramm auf die Beine stellen sollte, gibt es den Kreis, der kein Verein sein wollte.

Der Kulturkreis – das sind aktuell gerade einmal zwölf Frauen und Männer plus eben Hans Ruhland. Organisiert ist er als loser Zusammenschluss, bei der „Gründung“ seinerzeit, als die Idee, in der Stadt durch die Stadt Kultur anzubieten, geboren wurde, sprachen sich die „Mitglieder“ gegen einen Verein aus. Was in Ruhlands Augen Vorteile hat. So gebe es durch Satzungen und rechtliche Vorgaben keine Reibungsverluste, für die finanzielle Ausstattung sorge ohnehin die Stadt und Hierarchien entstünden erst gar nicht. „Vielleicht ist genau das der Vorteil des Kreises, das Demokratische“, überlegt er.

Profis: Alles eigenhändig belegt. Dass dem Verkauf der Snacks stundenlange Vorarbeit samt entsprechender Planung vorausgeht, dürfte den wenigsten Besuchern bewusst sein. Neben der Verpflegung war der Kulturkreis am Samstag auch für die Einlasskontrollen, die Platzzuweisung und natürlich als „Mädchen für alles“ zuständig.
Profis: Alles eigenhändig belegt. Dass dem Verkauf der Snacks stundenlange Vorarbeit samt entsprechender Planung vorausgeht, dürfte den wenigsten Besuchern bewusst sein. Neben der Verpflegung war der Kulturkreis am Samstag auch für die Einlasskontrollen, die Platzzuweisung und natürlich als „Mädchen für alles“ zuständig.

In zwei, drei Sitzungen im Jahr legen die Mitglieder das Programm fest. Dieses hat sich seit Gründung 2002 verändert und weiterentwickelt, Herzstück war und ist aber der Kultursommer, den Ruhland „immer noch für eine geniale Idee“ hält. An die 20 Gruppen bestreiten die Abende, die die Idee dahinter immer noch bestens versinnbildlichen. „Zusammensetzen, a weng a Musi, genießen, ins Gespräch kommen“, lautet Ruhlands Zusammenfassung. Der persönliche Kontakt zu den Mitwirkenden habe vom ersten Tag an den Erfolg, sprich, attraktive Abende, gebracht. Ohnehin sei das Netzwerk in Waldmünchen, im und um den Kulturkreis ein entscheidender Punkt. Die fast ausschließlich heimischen Akteure des Kultursommers sind dank persönlicher Kontakte mit einer kleinen Aufwandsentschädigung zufrieden, auch manch großer Name war durch Vermittlung günstiger zu haben.

Alles unter Kontrolle: Mit dem Einscannen der Eintrittskarten gab es ebenso ein nettes Wort wie zum Sekt oder der Semmel. Die Freilichtaufführung auf der Trenckbühne – Oper und Musical im jährlichen Wechsel – ist seit Jahren das größte Projekt des Kulturkreises. Unter www.kulturkreis-waldmuenchen.de gibt es eine Übersicht.
Alles unter Kontrolle: Mit dem Einscannen der Eintrittskarten gab es ebenso ein nettes Wort wie zum Sekt oder der Semmel. Die Freilichtaufführung auf der Trenckbühne – Oper und Musical im jährlichen Wechsel – ist seit Jahren das größte Projekt des Kulturkreises. Unter www.kulturkreis-waldmuenchen.de gibt es eine Übersicht.

Der Anspruch des Kulturkreises ist es nach wie vor, möglichst alle Bereiche abzudecken. Dazu gehören Nischen – Ruhland denkt an die hochklassigen Theaterstücke von und mit Yvonne Brosch – ebenso wie an Auftritte namhafter Künstler von der Couplet AG bis zu Schmidbauer/Kälberer. „Viele sehen gar nicht, was wir hier vor der Haustür haben“, meint er zur Vielfalt von Klassik bis zu Ausstellungen und Kleinkunst. Seit jeher wichtig ist zudem der Austausch mit Tschechien, zusammengefasst in der Veranstaltung „Musik ohne Grenzen“.

Im Wandel der Zeit

Unterstützung: Bei der Opera Classica übernahm die Reitabteilung des Trenckvereins den Getränkeausschank. „Wie vieles geht auch das bei uns Hand in Hand“, sagt Hans Ruhland begeistert und schwärmt von dem Waldmünchener Netzwerk aus Vereinen, Verbänden, Organisationen..., in dem einer für den anderen einstehe.
Unterstützung: Bei der Opera Classica übernahm die Reitabteilung des Trenckvereins den Getränkeausschank. „Wie vieles geht auch das bei uns Hand in Hand“, sagt Hans Ruhland begeistert und schwärmt von dem Waldmünchener Netzwerk aus Vereinen, Verbänden, Organisationen..., in dem einer für den anderen einstehe.

„Die Zeiten ändern sich und mit ihnen das Kulturprogramm“, sagt Ruhland sowohl im Rück- als auch im Ausblick. In zwei Jahren geht der Kulturmanager der Stadt in Ruhestand. Gerade, weil das Netzwerk so stark ist und das Gerüst gut, ist sich der 61-Jährige sicher, macht er sich um den Fortbestand eines attraktiven Kulturprogramms keine Sorgen. Eher im Gegenteil: Der Wechsel biete eine Chance: Für etwas Anderes, neue Impulse und Ideen, einen anderen Zeitgeist. Ähnlich wie die Klassikkonzerte zurückgefahren und das Mundartfestival aufgegeben wurde, könnte die Jugend ja ein Rockkonzert wollen. „Das ist ja gerade das Schöne an Kultur, das sie allen etwas bietet“.

Ihm selbst hat die Zeit als Kulturreferent – vorher waren Zahlen sein Metier – eine größere Offenheit für alle Richtungen gebracht. „Die Vielfältigkeit ist etwas wunderbares“, sagt er – verbunden mit der Hoffnung, dass sie erhalten werden kann. Die Opera Classica konkret hat die Sparkasse im Landkreis gesponsert. „Ganz ehrlich, ohne dieses Geld würde das Gastspiel in Frage stehen“, erklärt er. Wie überhaupt so manches unsicher wäre, würde man die Tätigkeiten „seiner“ Ehrenamtlichen bezahlen müssen, anerkennt er und freut sich, dass sich so der (Kultur)Kreis schließt.

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