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Am Hohenbogen wird die Puste knapp

Ohne Stromhilfe ist der Berg eine Herausforderung. Hohenbogen-Winkel bietet attraktive Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung.
Von Alois Dachs

Der Wallfahrerbrunnen vor dem Wallfahrtsmuseum mit Tourist-Information in Neukirchen b. Hl. Blut. Fotos: Dachs
Der Wallfahrerbrunnen vor dem Wallfahrtsmuseum mit Tourist-Information in Neukirchen b. Hl. Blut. Fotos: Dachs

Cham.„Hinter dem Hohenbogen ist die Welt zu Ende“, glaubten viele in der Zeit des „Eisernen Vorhangs“, als die Landesgrenze zur damaligen Tschechoslowakei undurchdringlich war. Dabei zeigte sich nicht erst in den mittlerweile 27 Jahren seit der „samtenen Revolution“, dass der Hohenbogen-Winkel landschaftlich und kulturell viel zu bieten hat.

Auf meiner Tour von Bad Kötzting über den Lamer-Winkel-Radweg biege ich vor der Hohenwarther Mühle nach links ab und folge der wenig befahrenen Straße über Hundzell nach Ansdorf. Eine kurze Rast bei der Leonhardikapelle, zu der die Rosserer seit Jahren eine Wallfahrt mit Pferden, Truhenwagen und Kutschen veranstalten, gewährt nicht nur einen schönen Ausblick auf den zweigipfligen Osser, sondern auch auf den „Houwarther Bugl“, wie er in einem bei den Hohenwarthern wenig beliebten Lied besungen wird.

Für Fuhrwerke war es „die Hölle“

Über Ansdorf gelange ich zur Passstraße bei Ponholz, die zur Höllhöhe führt. Der Name dürfte aus einer Zeit stammen, als sich Pferdefuhrwerke hier hochquälten. Mit Elektromotor-Unterstützung komme ich problemlos bis zum Scheitelpunkt, um nach kurzer, rasender Abfahrt, nach rechts in Richtung Waldschlössl abzubiegen. Die weitläufige Hotel- und Sportanlage links liegenlassend, geht es steil talwärts, wo nach einer extremen Linkskurve die aus Hohenbogensteinen errichtete „Grenzland- und Schulkirche“ grüßt, die von 1954 bis 1956 von Karl Schmid gebaut und aus Mitteln der amerikanischen Hilfsaktion „The Wooden Church Crusade“ mit finanziert wurde.

Die Totenbrettergruppe bei der Leonhardikapelle zwischen Ansdorf und Hundzell erinnert an verstorbene Rosserer aus der Gegend. Von hier bietet sich ein guter Ausblick auf Hohenwarth. Foto: kad
Die Totenbrettergruppe bei der Leonhardikapelle zwischen Ansdorf und Hundzell erinnert an verstorbene Rosserer aus der Gegend. Von hier bietet sich ein guter Ausblick auf Hohenwarth. Foto: kad

Nur kurz wird hier die Staatsstraße von Neukirchen zum Tanneneck berührt, dann geht es auf einem relativ neuen Radweg von Mais in flotter Fahrt nach Neukirchen b. Hl. Blut. Durch den mehrfach vom Hochwasser geschädigten Ortsteil Walching rollt das Rad zur „Fleischbank“, dem Anstieg in Richtung Marktplatz. Der Wallfahrerbrunnen und das Wallfahrtsmuseum bieten hier viel Interessantes und als Pedelec-Fahrer muss ich Bürgermeister Markus Müller und seinen Markträten ein Sonderlob spenden für die wirklich vorbildliche Ladestation mit vier Steckdosen direkt neben dem Rathaus.

Naturbad und Baustilbeispiele

Vom Marktplatz aus überquere ich die Straße und erreiche nach wenigen Hundert Metern am Freybach den Radweg in Richtung Eschlkam. Kurz vor der Deschermühle sind im Neukirchener Naturbad an diesem schönen Spätsommertag viele Sonnengenießer anzutreffen. Ich passiere ein interessantes Kleinkraftwerk mit „liegender“ Turbine und biege schließlich bei der Deschermühle links ab in die Untere Au.

Dieses neue Waldlerhaus mit vorgebauter Kapelle, die eine fast lebensgroße Muttergottes mit Kind beherbergt, steht im Neukirchener Ortsteil Obere Au, der viele Waldlerhäuser beherbergt. Foto: kad
Dieses neue Waldlerhaus mit vorgebauter Kapelle, die eine fast lebensgroße Muttergottes mit Kind beherbergt, steht im Neukirchener Ortsteil Obere Au, der viele Waldlerhäuser beherbergt. Foto: kad

Wer Zeit hat, kann hier rechts den Berg hochfahren und den interessanten „Klangweg“ besuchen, der interessante Tonerlebnisse bietet. Nach rund 500 Meter geht es rechts bergauf in die obere Au, einen Ortsteil, der ein interessantes Sammelsurium an unterschiedlichen Baustilen bietet.

Hier finden Sie alle E-Bike-Touren von Alois Dachs

Vom alten Waldlerhaus über eine „Toskana-Villa“ bis zu einem Kubus-Bau ist hier alles zu finden. Ich umrunde den großen Multererhof und vorbei an stattlichen Bauernanwesen in Oberfaustern geht es dann wieder bergab ins Tal des Freybachs. Die Seligenthaler Bauern sind hier zu Hause und ihre bestens gepflegten Höfe zeigen, dass sie aus dem einstigen Klostergrund viel Nutzen zogen. Nach dem Weiler Unterfaustern biege ich links ab nach Schwarzenberg und der lange Anstieg bietet einen herrlichen Blick auf weite Felder und Wiesen am Hohenbogen.

Dieses „Toskanahaus“ steht in unmittelbarer Nachbarschaft zu mehreren alten und neuen Waldlerhäusern in der Au. Auch die dahinter liegende Werkstatt zeigt diesen italienisch anmutenden Stil. Foto: kad
Dieses „Toskanahaus“ steht in unmittelbarer Nachbarschaft zu mehreren alten und neuen Waldlerhäusern in der Au. Auch die dahinter liegende Werkstatt zeigt diesen italienisch anmutenden Stil. Foto: kad

Die ehemalige Schule und das alte Dorfwirtshaus in Schwarzenberg warten auf eine „Neubelebung“. Hier biege ich links ab in Richtung Oberdörfl und dank Kraft aus dem Akku bereitet danach auch die „gache“ Schwarzenberger Höhe keine Probleme.

Die Nachmittagssonne steht schon tief, als das Rad in flotter Fahrt Oberdörfl passiert und über das früher gefährliche, nun durch einen Ausbau entschärfte „Katzenloch“ geht es nach Madersdorf, dann gleich scharf rechts nach Thenried. Nach der Durchquerung der Ortschaft folge ich der zweiten Straße nach rechts, in Richtung Niesassen, wo sich ein weiter Blick auf das Chambtal und den Cerchov öffnet. Über Liebenstein, Ramsried und Bachmeierholz geht es nach Bachhäuser und dort – links abbiegend – nach einem letzten Anstieg zur Hauser Mühle und zurück nach Bad Kötzting.

Die Grenzlandkirche in Mais wurde von 1954 bis 1956 von Karl Schmid mit Hohenbogensteinen gebaut. Ihr Inneres schmückt ein Hinterglas-Kreuzweg des Regensburgers Otto Baumann. Foto: kad
Die Grenzlandkirche in Mais wurde von 1954 bis 1956 von Karl Schmid mit Hohenbogensteinen gebaut. Ihr Inneres schmückt ein Hinterglas-Kreuzweg des Regensburgers Otto Baumann. Foto: kad

Die Strecke: 45 Kilometer, nur zu empfehlen für Pedelec, E-Bike und Mountain-Bike – lange Steigungen

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