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Tourismus

Reisen mit Strom bleibt spannend

Hat der Bayerische Wald den Radl-Trend verschlafen? Touristiker fordern Nachbesserung im Service für Pedelecs und E-Bikes.
Von Alois Dachs

Pech gehabt an der großen Elektro-Ladestation beim AQACUR: Ohne Spezialadapter gibt es keinen Strom für ein Pedelec. Foto: Rabl-Dachs
Pech gehabt an der großen Elektro-Ladestation beim AQACUR: Ohne Spezialadapter gibt es keinen Strom für ein Pedelec. Foto: Rabl-Dachs

Bad Kötzting.Sie sind allgegenwärtig auf Radwegen, an bekannten Raststationen und in Biergärten – Pedelec- und E-Bike-Fahrer machen mittlerweile rund 50 Prozent der Gäste aus, die sich auf zwei Rädern im Bayerischen Wald gesund fortbewegen. In den Überlegungen mancher Gastronomen spielt dieses Klientel trotzdem keine Rolle.

Erst wenn die konkrete Anfrage kommt: „Kann ich meinen Akku bei Ihnen aufladen?“ werden manche Wirte und Servicekräfte hellhörig. Nicht selten wird die Frage mit einem entschiedenen „Nein“ beantwortet, wie diverse Beschwerden bei den Tourist-Informationen belegen.

Die Kosten sind „überschaubar“

Ist die Stromversorgung für Pedelec- und E-Bike-Fahrer ein unkalkulierbares Kostenrisiko? Keineswegs, rechnen Fachleute vor. In einem Kostenrahmen von drei bis 15 Cent liegt eine Akkubefüllung. Die Radler müssen bis zu 3,5 Stunden warten, bis ihr Energiespeicher wieder ganz voll ist. Was sie in dieser Zeit im Biergarten, oder in der Gaststube verzehren, macht den Aufwand für die „Stromlieferung“ sicher wett. Und „Elektroradler“ geben gerne ein Trinkgeld dazu, wenn ihr Fahrzeug wieder fit ist.

Lesen Sie hier: Darum haben Pedelecs den Fahrradmarkt revolutioniert. Die moderne Technik birgt viele Chancen, aber auch Gefahren.

Bad Kötztings Kurdirektor Sepp Barth appelliert deshalb an die Wirte, auf keinen Fall das „Stromabzapfen“ zu verweigern. Wer es ganz genau wissen will, wieviel Strom die Gäste mitnehmen, kann sich mit einem Energiemessgerät behelfen, das für acht bis 20 Euro in jedem Baumarkt zu kaufen ist und zuverlässig den Stromverbrauch misst. Wünschenswert wären aus Sicht der Touristiker sichtbare E-Bike-Ladestationen, die mit einem geringen Aufwand herzustellen sind.

Komplizierte Elektromobilität

  • RFID-Karte

    Wer über E-Wald-Stationen Strom für ein Auto „tanken“ will, braucht eine RFID-Karte (radio-frequency identification), mit der er sich über elektromagnetische Wellen anmelden kann. Für Wohnmobilfahrer bietet die Stadt Bad Kötzting beim AQACUR die Möglichkeit, Frischwasser zu tanken, ihren Abwassertank zu leeren und Strom zu tanken, wobei mit Münzgeld oder Wertmarken bezahlt werden muss.

  • Umfang

    18 E-Bike-Ladestationen sind im Tourismusprospekt über Radeln im Bayerischen Wald offiziell ausgewiesen. Gerade an den Radwegen wären weitere Stationen notwendig.

  • Dauer und Preis

    Rund 3,5 Stunden dauert das Laden eines völlig „ausgepowerten“ Akkus für Pedelec oder E-Bike. Die Stromkosten dafür liegen – je nach individuellem Tarif des Stromkunden – zwischen drei und 15 Eurocent. (kad)

Mehrere Schuko-Steckdosen nebeneinander reichen auch in gut besuchten Biergärten – wie beim Lindner-Bräu in Bad Kötzting, oder in der Wasserwirtschaft in Cham – zur Versorgung der zahlreichen Radler jederzeit aus. Absolut irreführend sind im Zusammenhang mit Lademöglichkeiten für Elektroräder Hinweise auf E-Ladestationen, wie sie fast in jeder Kommune zu finden sind. In der Regel handelt es sich dabei um Stationen, in denen ausschließlich Elektroautos mit Energie versorgt werden können.

Hier finden Sie alle E-Bike-Touren von Alois Dachs

Wohnmobilfahrer ist informiert

An der E-Wald-Säule geht ohne RFID-Karte gar nichts und mit Karte können nur Autos über die Steckdose mit Strom versorgt werden.Foto: Dachs
An der E-Wald-Säule geht ohne RFID-Karte gar nichts und mit Karte können nur Autos über die Steckdose mit Strom versorgt werden.Foto: Dachs

Selbst in Bad Kötzting, das beim AQACUR Ladeplätze für Personenwagen und Stellplätze mit Strom- und Wasserversorgung für Wohnmobile bereithält, haben Radler keine Chance. Ein Wohnmobilist aus Prag, der bei unserem „Selbstversuch“ gerade Strom tankt, zeigt uns, dass ein Ladegerät alleine nicht genügt. Notwendig ist ein spezieller Adapter, der vom dreipoligen Stecker der Station den Strom in eine Schuko-Steckdose weiterleitet. Erst dann kann gegen Bezahlung mit einer Münze oder Wertmarke Strom „getankt“ werden. Aber wer hat außer dem Ladegerät auch noch den Adapter im Gepäck?

Viel zu kompliziert, meint Horst Silberbauer auf Grund seiner vielen Erfahrungen in Österreich und Südtirol. Dort seien Ladestationen für E-Bikes schon bei jeder Almhütte zu finden. Der VW- und Audi-Händler, der seit Mai auch hochwertige Maxx-E-Bikes verkauft und erst kürzlich eine Ladestation für Elektroautos eingerichtet hat, will bald eigene Lademöglichkeiten für Elektroradler folgen lassen.

Kommentar

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