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Zu Besuch bei „de alten Rittersleut“

Zellertal und Viechtareich einmal aus anderer Richtung erleben. Den Strom müssen sich Pedalritter auf der Tour gut einteilen.
Von Alois Dachs

1469 war die größte Burg des Bayerischen Waldes auf Befehl von Herzog Albrecht IV. geschleift worden, seit 1983 läuft die Sanierung. Fotos: Dachs
1469 war die größte Burg des Bayerischen Waldes auf Befehl von Herzog Albrecht IV. geschleift worden, seit 1983 läuft die Sanierung. Fotos: Dachs

Bad Kötzting.Eine der abwechslungsreichsten Radtouren in unserer Gegend führt mich diesmal durch das Zellertal nach Gumpenried und über Altnussberg und Viechtach schließlich auf dem Radweg zurück nach Bad Kötzting. Vor allem die bestens gepflegte Burgruine von Altnussberg, die auf der gegenüberliegenden Seite des Schwarzen Regens den mächtigen Wehrturm von Neunussberg grüßt, ist ein lohnendes Ziel für Mountainbiker und Pedelec-Fahrer, denn die Steigungen aus dem Regental unterhalb von Asbach bis zur hoch über der Ortschaft Altnussberg gelegenen Burganlage ist beachtlich.

Den Geschichtsbüchern ist zu entnehmen, dass es sich bei Altnussberg um die älteste und größte Burganlage des Bayerischen Waldes handelt, die bereits 882 als eine Schenkung von Karl dem Großen an das Kloster Metten urkundlich erwähnt ist und schließlich 1469 auf Befehl von Herzog Albrecht IV. geschleift wurde. 1983 begann ein Förderverein mit der Freilegung der Burgreste. Heute präsentiert sich Altnußberg als weitläufiges Areal, in dessen Mittelpunkt neben dem Turm die Burgschänke steht.

Wunderschöne Waldlerhäuser

Für schöne Waldlerhäuser ist das Zellertal bekannt. Neben liebevoll renovierten, alten Gebäuden zeugen auch viele Neubauten, wie dieses Haus in Rappendorf, vom Bauen „mit Gefühl“. Fotos: Dachs
Für schöne Waldlerhäuser ist das Zellertal bekannt. Neben liebevoll renovierten, alten Gebäuden zeugen auch viele Neubauten, wie dieses Haus in Rappendorf, vom Bauen „mit Gefühl“. Fotos: Dachs

Bevor es aber auf den Berg in der Gemeinde Geiersthal geht, saust das Pedelec von Bad Kötzting über Grub, Kaitersbach, Leckern, Wurz und Auhof nach Rappendorf. Das komplett denkmalgeschützte Leckern wartet an der Strecke ebenso mit guter Bausubstanz auf, wie Rappendorf, in dem auch neue Häuser mit viel Gefühl in das Dorf integriert wurden, begleitet von schönen Bauerngärten und gepflasterten Einfahrten. Nach kurzer Talfahrt in Richtung Sindorf biege ich rechts ab nach Baumgarten, das nach einem steilen Anstieg – Dank Motorhilfe – problemlos erreicht wird.

Lesen Sie hier: Der Hohenbogen ist elektrisierend gut – Mit Motorunterstützung wird der Aufstieg zum Kolmstein machbar. Für zwei Überquerungen reicht der Pedelec-Akkus locker.

Totenbrettergruppen finden sich einige am Weg von Bad Kötzting über Gumpenried, Altnussberg und Viechtach. Eine der schönsten Anlagen steht oberhalb des Dorfes Baumgarten.  Fotos: Dachs
Totenbrettergruppen finden sich einige am Weg von Bad Kötzting über Gumpenried, Altnussberg und Viechtach. Eine der schönsten Anlagen steht oberhalb des Dorfes Baumgarten. Fotos: Dachs

Hötzelsried ist nach Überquerung der Staatsstraße Arnbruck-Viechtach die nächste Station auf dieser Radtour und auch hier zeigt sich, warum das Zellertal für seinen pfleglichen Umgang mit der heimischen Baukultur zu Recht sehr bekannt ist. Nach dem Dorf geht es ein Stück durch den Wald in Richtung Schedlhof, den großen Einödhof erreiche ich aber diesmal nicht, weil wenige Hundert Meter davor wegen eines bissigen Hundes der Wanderweg „Arnbruck 4“ kurzerhand so verlegt wurde, dass er um die Grundstücke des Schedlhofes herum führt. Die seltsame Neuerung hat aber auch einen Vorteil, weil dadurch die steile Abfahrt auf Asphalt in Richtung Exenbach nicht mehr bewältigt werden muss. Stattdessen geht es auf einem landwirtschaftlichen Weg gemütlich bergab.

Bevor ich die Staatsstraße von Arnbruck nach Drachselsried erreiche, geht es rechts über einen gut befestigten Feldweg in Richtung Drachselsried, dessen Gewerbegebiet mit Sportanlagen nicht zu den attraktivsten Ziel gehört, aber die kürzteste Verbindung in Richtung Grafenried ermöglicht. Vor der Zellertal-Kläranlage folge ich einer steil ansteigenden Betonstraße, die im Wald in einen Wirtschaftsweg übergeht und mich, vorbei am Ferienhaus Gröller, direkt nach Grafenried bringt.

Zwei Kraftwerke, Gumpenried und Asbach, sind direkt nacheinander am Schwarzen Regen gebaut.  In der Nähe der Kraftwerke ist auch eine Einstiegsstelle für Bootstouren auf dem Fluss. Fotos: Dachs
Zwei Kraftwerke, Gumpenried und Asbach, sind direkt nacheinander am Schwarzen Regen gebaut. In der Nähe der Kraftwerke ist auch eine Einstiegsstelle für Bootstouren auf dem Fluss. Fotos: Dachs

Nach einer langen Gefällstrecke in das Tal des Asbaches erreiche ich Gumpenried und treffe zufällig auf einen Triebwagen der Waldbahn, die auf der Strecke Viechtach-Teisnach wieder unterwegs ist. Nach Überquerung der Gleise biege ich rechts ab auf einen Forstwirtschaftsweg, der zunächst rund drei Kilometer dem Flussverlauf folgt, ehe der markierte Radweg nach links hoch in den Wald führt. Weil hier ein ganzes Netz von Forststraßen besteht, sind Radler gut beraten, stets den Markierungen zu folgen. Ich weiche einmal davon ab und verbrauche im steilen Gelände unnütz Strom, den ich später noch gut brauchen könnte. Auf gut befahrbarer Forststraße geht es mit „Elektrohilfe“ immer leicht bergauf und schließlich führt ein steiler Anstieg direkt zur Burgruine, wo nicht nur Informationen über diese einst größte Burganlage des Bayerischen Waldes zu finden sind, sondern auch ein freundlicher Wirt, der in seiner Burgschänke schöne Brotzeiten bereit hält.

Hier finden Sie alle E-Bike-Touren von Alois Dachs

Hoch über dem Regental

Das Dorf Grafenried ist durch die Gartengalerie und die Fischzuchtanlagen bekannt, die vom Asbach gespeist werden. Neben mehreren Baubetrieben und Höfen gibt es viel Tourismus. Fotos: Dachs
Das Dorf Grafenried ist durch die Gartengalerie und die Fischzuchtanlagen bekannt, die vom Asbach gespeist werden. Neben mehreren Baubetrieben und Höfen gibt es viel Tourismus. Fotos: Dachs

Die folgende Abfahrt in das Dorf Altnussberg erfordert volle Konzentration und nach der Ortschaft biege ich rechts ab und folge einem ausgebauten Radweg bis nach Seigersdorf. Pignet ist die nächste Station. Von hier führt eine Schotterstraße durch den Wald, die schließlich auf eine steil zur Schnitzmühle abfallende Asphaltstraße trifft. Am Campingplatz Schnitzmühle wäre die Möglichkeit zu einer Rast, ehe es wieder steil bergan in Richtung Viechtach geht, wo am Stadtplatz als Belohnung für meine Berg- und Tal-Tour eine Portion Eis lockt. Hinter dem früheren Hotel Schmaus, das seit Jahren von den neuen Besitzern umgebaut wird, führt mich ein steiler Weg hinunter zur Schmausmühle, wo ich wieder den Radweg erreiche.

Unser Autor Alois Dachs Foto: Rabl-Dachs
Unser Autor Alois Dachs Foto: Rabl-Dachs

Recht gemütlich geht es nun auf der früheren Bahnlinie in Richtung Tresdorf und Fichtenthal. Mein Akku leidet mittlerweile an akuter „Stromschwindsucht“. Beim Radlertreff in Fichtenthal ist zwar eine Ladestation, das Ladegerät hätte ich aber selbst mitbringen müssen. Ich folge deshalb nicht weiter dem Radweg, sondern der Straße und genau am Schnittpunkt mit dem Radweg bei Meidengrub verweigert der Akku völlig den Dienst. Das Problem erweist sich als lösbar, denn ab dem nur zwei Kilometer entfernten Krailing weist der Radweg bis Pulling immer ein leichtes Gefälle auf und so komme ich auch ohne Strom problemlos nach Bad Kötzting.

Die Streckenlänge: rund 52 Kilometer; Anforderungen: Mountainbike oder Pedelec mit dicken Reifen, für Tourenräder nur bedingt geeignet.

Darum haben Pedelecs den Fahrradmarkt revolutioniert. Die moderne Technik birgt viele Chancen, aber auch Gefahren.

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