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Dienstag, 17. Juli 2018 27° 3

Ereignis

Ein Heimatfest voller Gefühle

Festumzug und Bieranstich in Waldmünchen waren ein Bilderbuch-Auftakt. Ein junger Mann denkt dabei intensiv an seinen Vater.
Von Petra Schoplocher

Willi Schneider ist ein durch und durch positiver Mensch. Deswegen freut er sich trotz der traurigen Erinnerung an den Unfalltod seines Vaters vor fast genau einem Jahr auf schöne Festtage. „Wenn Kinder und Erwachsene strahlen, gibt einem das viel zurück“, sagt der 34-Jährige. Foto: Schoplocher
Willi Schneider ist ein durch und durch positiver Mensch. Deswegen freut er sich trotz der traurigen Erinnerung an den Unfalltod seines Vaters vor fast genau einem Jahr auf schöne Festtage. „Wenn Kinder und Erwachsene strahlen, gibt einem das viel zurück“, sagt der 34-Jährige. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Standkonzert, Festeinzug, Bieranstich und Gaudi: Für viele Besucher, die sich gestern den Heimatfestauftakt nicht entgehen lassen wollten, war es ein gelungener offizieller Start wie schon so viele zuvor. Nicht aber für Willi Schneider, den Chef der Schausteller. Waldmünchen ist untrennbar mit dem Tod seines Vaters verbunden, der fast auf den Tag genau vor einem Jahr mit seinem BMW auf dem Weg in die Trenckstadt tödlich verunglückt war.

Dass der 34-Jährige dennoch mit Auto-Scooter, Süßigkeitenstand und Plüschtiergreifer auf dem Festplatz steht, hat nicht nur damit zu tun, dass er ein durch und durch positiver Mensch ist. „Unsere Familie kommt schon so lange hierher“. Jahrelang war für Onkel, Tante, Vater und auch ihn als Kind Waldmünchen mit dem Frühlingsfest quasi der Saisonauftakt. Die Verbundenheit mit der Stadt und ihren Menschen ist noch enger, seit er im vergangenen Jahr erfahren durfte, wie groß die Anteilnahme am Tod seines Vaters war.

Denkwürdiges Datum

Dass dieser wiederum auf den Tag genau 25 Jahre nach dem Tod des Großvaters verunglückt sei, mache es nicht leichter. Hinzu komme: „Mein Opa ist auf einem Fest, mein Vater auf dem Weg zum Fest gestorben“, da dürfe man schon einmal das Wort Zufall hinterfragen, meint Willi Schneider junior.

Sein Papa habe nach dem Tod des Großvaters immer gesagt, „dass es weiter gehen muss“. Dies hat sich auch Willi Schneider junior zu Herzen genommen, wenngleich er zugibt, schon das eine oder andere Mal überlegt zu haben, ob er Waldmünchen nicht absagt. „Das war schon hart beim Herfahren.“

Spätestens, als die ersten Gäste eintrudelten, gewinnt die positive Stimmung endgültig die Oberhand. Dafür hat Schneider aber auch jeden Grund: Schon beim Aufbau hatten sich neugierige Kinder umgeschaut, was in den vergangenen Jahren kaum mehr der Fall war. Dies, die insgesamt gute Stimmung in anderen Branchen, und die Wetterprognose lassen Schneider auf ein gutes Heimatfest hoffen. Und für’s Vergnügen sei schließlich immer Geld da. Umkehrschluss: „Wenn unsere Branche nicht mehr geht, geht auch alles andere nicht mehr“. Seine Mutter Gerlinde, die natürlich auch an den Geschehnissen zu „knabbern“ habe, und drei Angestellte unterstützen den jungen Chef.

Danny Schubert mit Tochter Mongia und einer seiner Schiffsschaukel. Sein Familienbetrieb ist erstmals auf dem Heimatfest vertreten. Waldmünchen war den Nürnbergern aber ein Begriff, weil sie in der Stadt schon mit ihrem Puppentheater zu Gast waren. Foto: ps
Danny Schubert mit Tochter Mongia und einer seiner Schiffsschaukel. Sein Familienbetrieb ist erstmals auf dem Heimatfest vertreten. Waldmünchen war den Nürnbergern aber ein Begriff, weil sie in der Stadt schon mit ihrem Puppentheater zu Gast waren. Foto: ps

Ein junger Chef ist auch Danny Schubert, den Willi Schneider erstmals für Waldmünchen mit ins Boot geholt hat. Die Schuberts aus Nürnberg, die mit Schiffschaukel, Crêpes-Stand und Schießbude angereist sind, sind ebenso ein Familienbetrieb – das Puppentheater, das sie auch betreiben, gibt es in der sechsten Generation. Ein anderes Leben könnten sich Danny Schubert und seine Frau Heidi nicht vorstellen, sagen beide, wenngleich es schon viel Arbeit ist. So wird Alles gründlich gereinigt, ehe ein Fest losgeht. „Aber wenn Besucher da sind und was los ist, freuen wir uns immer noch“, sagt Danny Schubert. In dieser Hinsicht war der Donnerstag vielversprechend, denn während die Großen in die Halle strömten, eroberten die Kinder den Vergnügungspark.

700 Teilnehmer am Festzug

Sind wir auch gut getroffen? Nicht nur die Rhaner Bierkönigin und eine „ihrer“ Prinzessinen wollten ein schönes Bild abgeben. Links und rechts des Festzugs standen Besucher mit Handys, um die farbenfrohen und fröhlichen Bilder festzuhalten. Foto: ps
Sind wir auch gut getroffen? Nicht nur die Rhaner Bierkönigin und eine „ihrer“ Prinzessinen wollten ein schönes Bild abgeben. Links und rechts des Festzugs standen Besucher mit Handys, um die farbenfrohen und fröhlichen Bilder festzuhalten. Foto: ps

Ein buntes Bild herrschte kurz nach 18 Uhr rund um den Marktplatz. Rund 700 Mitmarschierende aus Vereinen, Verbänden und Organisationen machten dem Heimatfest ihre Aufwartung. Angeführt wurde der Zug traditionell von der TV-Musikkapelle, die zuvor schon ein Standkonzert gegeben hatte. Ehe sich die gut gelaunten Gruppen aus dem Kernort und den umliegenden Ortsteilen in Bewegung setzen, blieb genug Zeit für ein Schwätzchen und das ein oder andere (Handy)Foto.

Die TV-Musikkapelle hatte bereits am Marktplatz eingestimmt, ehe es ihr vorbehalten war, die rund 700 Teilnehmer zum Festplatz zu führen. Hinter den Musikern zogen vier Kaltblüter den Bierwagen mit den Rhaner Fässern – Jahr für Jahr ein imposanter Anblick. Foto: ps
Die TV-Musikkapelle hatte bereits am Marktplatz eingestimmt, ehe es ihr vorbehalten war, die rund 700 Teilnehmer zum Festplatz zu führen. Hinter den Musikern zogen vier Kaltblüter den Bierwagen mit den Rhaner Fässern – Jahr für Jahr ein imposanter Anblick. Foto: ps

700 Teilnehmer plus eine Menge Zuschauer – das machte sich auch in der Festhalle und dem Biergarten bemerkbar, wo es kaum ein freies Plätzchen zu ergattern gab. Entsprechend zufrieden war auch Festwirt Thomas Meier, dem schon auf dem Marktplatz die Vorfreude ins Gesicht geschrieben stand. „Schuld“ daran ist nicht zuletzt der Wetterbericht, der den Waldmünchenern und ihren Gästen ein wunderbares 69. Heimatfest in Aussicht stellt.

Diesen Applaus hatte sich Bürgermeister Markus Ackermann wahrlich verdient. Kaum stand er auf der Bühne, schon war das erste Fass angezapft, wenig später erklang das erste „Prosit der Gemütlichkeit“ in der voll besetzten Festhalle. 6,80 Euro kostet die Mass dieses Jahr. Foto: ps
Diesen Applaus hatte sich Bürgermeister Markus Ackermann wahrlich verdient. Kaum stand er auf der Bühne, schon war das erste Fass angezapft, wenig später erklang das erste „Prosit der Gemütlichkeit“ in der voll besetzten Festhalle. 6,80 Euro kostet die Mass dieses Jahr. Foto: ps

Um 19.23 Uhr dann war dieses dann auch offiziell eröffnet – Die dafür nötigen Schläge bekamen allerdings die Wenigsten mit. Kaum hatte Rhanerbrauerei-Chef Dr. Alois Plößl verkündet, dass „wir jetzt dann anzapfen“, schritt Bürgermeister Markus Ackermann zur Tat. So schnell schaute mancher nicht, war der Hahn im Fass und das Bier im ersten Krug.

Beim ersten „Prosit“ war die Stimmung bereits bestens: die guten Gefühle eines Heimatfestes eben.

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