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Hopp: Die Wahl von Trump ist kein Unfall

Der Chamer hat die Wahl in den USA beobachtet. Er macht sich Sorgen um die Entfremdung von Politik und Gesellschaft.
Von Martin Hladik

Dr. Gerhard Hopp konnte den US-Wahlkampf in Denver live miterleben. Hier beobachtete er die Wahlparty der Republikaner.
Dr. Gerhard Hopp konnte den US-Wahlkampf in Denver live miterleben. Hier beobachtete er die Wahlparty der Republikaner. Foto: Dr. Gerhard Hopp

Cham.Die letzten fünf Tage der US-Wahl hat der der Chamer Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp live miterlebt. Dank einer Austauschorganisation der Parlamente war er in dieser Zeit in Denver/Colorado. Für den gelernten Politikwissenschaftler und Amerikanisten ein besonders Erlebnis. Welche Gedanken er sich über den US-Wahlkampf und die Entscheidung der US-Wähler für Donald Trump gemacht hat, versuchen wir in einem Interview zu klären.

Herr Hopp, Sie haben ja schon ein paar Wahlkämpfe miterlebt. Ist der US-Wahlkampf tatsächlich etwas ganz anderes?

Der Wahlkampf dort ist deutlich größer und zerteilter, es wird mehr Geld eingesetzt, es ist alles professioneller organisiert. Der Wahlkampf wird zielgerichteter, polarisierter und aggressiver geführt.

Mal ganz simpel gefragt, wenn Sie Hillary Clinton und Donald Trump ins deutsche politische Spektrum einordnen müssten, wo stünden die dann?

Also das ist jetzt schon sehr holzschnittartig, aber Clinton hat sozialliberalere Positionen. Trump ist zwar Kandidat der Republikaner und damit ein Konservativer, aber er ist als Populist schwer einzuordnen. Überhaupt wird im US-Wahlkampf um Themen gestritten, die bei uns keine sind, wie ob es eine Krankenversicherung geben soll oder Waffenbesitz. Im Prinzip geht es immer um den Konflikt zwischen dem Eingreifen des Staates und der Freiheit des Einzelnen.

„Im Prinzip geht es immer um den Konflikt zwischen dem Eingreifen des Staates und der Freiheit des Einzelnen.“

Dr. Gerhard Hopp

Alle haben Clinton als Sieger gesehen, gewonnen hat aber Trump. Ist das die Bankrott-Erklärung der Demoskopen und Politikwissenschaftler?

Zumindest wissen wir jetzt, dass Umfragen nicht belastbar sind. Obwohl sie bundesweit ja recht hatten. Da lag Clinton vorne. Nur in den wichtigen Staaten war das eben nicht so. Das Wahlsystem spielt also schon eine Rolle. Davon abgesehen, wenn man sich mit den Wahlhelfern und Bürgern unterhalten hat, dann hat es da ganz andere Stimmen gegeben.

Trump ist nicht nur von „enttäuschten weißen Männern“ gewählt worden, sondern von Frauen, Familien, der ganz normalen Mittelschicht. Es war eine Wahl gegen politische Eliten. Clinton ist ein Teil dieser Elite und sie wurde abgelehnt. Die Leute haben gesagt, sie wüssten, dass Trump keine Lösung sei, aber sie hätten die Hoffnung, das er „den Laden in Washington aufräumt“.

„Es war eine Wahl gegen politische Eliten. Clinton ist ein Teil dieser Elite und sie wurde abgelehnt.“

Dr. Gerhard Hopp

Warum wurde Trump gewählt?

Händchenhalten mit der Papp-Hillary: Dr. Gerhard Hopp (CSU) und Dr. Volkmar Halbleib (SPD)
Händchenhalten mit der Papp-Hillary: Dr. Gerhard Hopp (CSU) und Dr. Volkmar Halbleib (SPD) Foto: Dr. Gerhard Hopp

Ich habe im Bus einen jungen Mann gefragt, wie er das sehe. Er hat mir erklärt, dass er beide Kandidaten nicht mag, aber Clinton sei die, „die uns in den letzten Jahren vergessen hat“! Trump stehe für den „Change“, den Wechsel. Genau mit diesem Schlagwort hatte auch Obama seinen Wahlkampf geführt. Trump hat ja nicht nur gegen die Demokraten gekämpft, sondern auch gegen seine eigenen Republikaner, eben gegen das politische Establishment. Zudem hat Trump sehr einfache Lösungen angeboten wie: „Ich werde gute Jobs schaffen!“ Wie er das erreichen will, hat er aber nicht erklärt.

Was können wir von Trump lernen?

Wichtig ist zu verstehen, dass das kein Unfall war und zu akzeptieren, dass Trump demokratisch gewählt wurde. Es darf bei uns nie soweit kommen, dass sich Politik und Gesellschaft so weit voneinander entfernen. Trump ist ja gewählt worden, weil er gegen das System aufgetreten ist. Wir müssen Politik noch mehr im direkten Gespräch mit den Menschen erklären, miteinander diskutieren und den Austausch von Meinungen suchen. Bei den US-Wahlen ging es jeweils nur darum, die eigenen Wähler zu mobilisieren. Sie sollen an die Urnen gehen. So werden immer nur die eigenen Meinungen bestärkt.

„Es darf bei uns nie soweit kommen, dass sich Politik und Gesellschaft so weit voneinander entfernen.“

Dr. Gerhard Hopp

Populismus gehört doch zur Politik?

Populismus an sich ist nichts Schlechtes, wenn er bedeutet, die Themen zu erkennen, die die Menschen bewegen. Aber dafür muss man dann auch echte Lösungen anbieten. Wer mit solchen Themen nur Ängste und Vorurteile schürt wie es die AfD tut, der nutzt Populismus negativ.

Interessante Beobachtungen

  • Austausch

    Die Parlamente der Bundesstaaten in den USA und die Länderparlamente in Deutschland haben eine Austauschorganisation. 2017, so Hopp, sollen US-Abgeordnete die Bundestagswahl beobachten.

  • Auszählung

    Anders als bei uns gilt bei der Stimmenauszählung in den USA ein Vier-Augen-Prinzip. Ein Demokrat und ein Republikaner müssen gemeinsam die Stimmen auszählen, damit sie gewertet werden können.

  • Wahlkampf

    Die Wahlkampf-Büros wissen sehr viel über die Bürger. Nicht nur die Anschrift, sondern auch Hobbys und andere Dinge. So wird vorab schon geklärt, welche Partei einer wahrscheinlich wählt.

  • Hausbesuche

    Wähler werden in den USA von Mitgliedern der Wahlkampfteams besucht. Die Teams versuchen die Wähler ihrer Partei zur Wahl zu bewegen. Sympathisanten der andern Partei werden gemieden. (ik)

Sind sich Trump und die AfD ähnlich?

Beide haben die gefährliche Art, mit Vereinfachungen Politik zu machen. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: Trump wollte an die Macht, die AfD dagegen will Protestpartei sein.

Was können wir vom US-Wahlkampf lernen?

Clinton hat viel mehr Geld eingesetzt und den professionelleren Wahlkampf gemacht, aber sie hatte keinen Erfolg. Trump dagegen setzte auf Emotionen. Ein wichtiger Schluss für mich ist, Wahlkampf ist nicht auf dem Reißbrett zu planen, sondern es geht darum, politisches Vertrauen zu erarbeiten.

Was sind denn ihre persönlichen Konsequenzen aus dem US-Wahlkampf?

Dass Professionalisierung Grenzen hat. Ich halte es für wichtiger, ins Gespräch mit dem Bürger zu kommen und Probleme und deren Meinungen zu diskutieren. Ich meine damit Aktion wie das „Jetzt red’s ihr“ der CSU: Da kann man Themen diskutieren und auf kontroverse Meinungen eingehen. Oder auch die offene Bürgersprechstunde vor Ort. Würde man dagegen hauptsächlich auf Medienkampagnen setzen, wie in den USA, wird mit Schlagworten gearbeitet. Die Folge ist: Am Schluss ist es im Wahlkampf Clinton und Trump fast nur darum gegangen, wer krimineller ist.

„Am Schluss ist es im Wahlkampf Clinton und Trump fast nur darum gegangen, wer krimineller ist.“

Dr. Gerhard Hopp

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