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Fasching

Skandal um das Ei am Friedhof

Die Faschingsgesellschaft, die Band „Hoaß“ und die Bürgermeisterin rockten das Chamer Narrenvolk zu Begeisterungsstürmen.
Von Johannes Schiedermeier

Nach etlichen Schnapserln hatte die Bürgermeisterin den renitenten Stadtrat Hofreiter abgeschoben, indem sie ihn überzeugte, dass er dringend in Berlin den Flughafenbau retten muss, statt sich um die Auswirkungen eines Hühnereis auf die Pietät auf dem Friedhof zu sorgen. Foto: Schiedermeier
Nach etlichen Schnapserln hatte die Bürgermeisterin den renitenten Stadtrat Hofreiter abgeschoben, indem sie ihn überzeugte, dass er dringend in Berlin den Flughafenbau retten muss, statt sich um die Auswirkungen eines Hühnereis auf die Pietät auf dem Friedhof zu sorgen. Foto: Schiedermeier

Cham.Sich selbst auf die Schippe zu nehmen, war schon immer ein gutes Mittel der Wahl, um andere zu begeistern. Am Faschingsdienstag hat es die Chamer Bürgermeisterin auf dem Marktplatz bis zur Perfektion vorgemacht und das Narrenvolk zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Höhepunkt war der Auftritt des ortsbekannten Stadtrates Hans Hofecker, der die Bürgermeisterin mit einem Ei nervte, das er auf dem Friedhof gefunden hatte. Rückschluss: Ein Huhn hatte durch seine Anwesenheit die Pietät des Ortes geschändet und durch seine Hinterlassenschaft eine extreme Gefährdung für „alte Muatterl“ geworden.

Dreigestirne marsch!

Aber der Reihe nach: Schon fast traditionell rockt zunächst die Band „Hoaß“ die rund 500 vergnügten Gäste trotz des ziemlich eisigen Wetters.

Hoaß rockt Foto: Schiedermeier
Hoaß rockt Foto: Schiedermeier

Dann kommt die Chamer Faschingsgesellschaft und zieht mit dreifachem Chamer Juchee auf der Bühne eine tolle Show ab mit Kindergarde, Jugendgarde und Showtanzgruppe. Die Begrüßung übernimmt Präsidentin Heidi Engl, weil der männliche Engl im Dreigestirn als Bauer neben Franz Schindler (Prinz) und Klaus Frank (Jungfrau) mit einem Dreschflegel auf der Schulter brillierte. Das hatten sich die Chamer in Köln abgeschaut und gleich in die Jugend mit reinkopiert. Dort marschierten im Dreigestirn Elias Heigl (Prinz), Raphael Rosenhammer (Jungfrau) und Bastian Gruber (Bauer). Die Tänze der verschiedenen Garden wurden von den Gästen begeistert beklatscht. Allerdings wies Präsidentin Heidi Engl bei dieser Gelegenheit darauf in, dass dringend Nachwuchstänzer gesucht werden.

Auftritt Faschingsgesellschaft Foto: Schiedermeier
Auftritt Faschingsgesellschaft Foto: Schiedermeier

Dann folgt der Auftritt der Bürgermeisterin als Karin Bucher. Das Ding war derart live, dass auch die anschließenden Auswirkungen einer Flasche Schnaps ziemlich echt wirkten. Und das kam so. Die devote Vorzimmerdame Singerl (gespielt von der tatsächlichen Vorzimmerdame Rebecca Vögerl) musste sich zunächst über die Wichtigkeit von Wahlkampfgeschenken belehren lassen. „Des kann nie früh genug sein. Schließlich kannt i ja für den Landtag kandidiern“, erklärte Bucher, nachdem sie aus einer riesigen Handtasche ganze Schokoriegel unter die Narren geworfen hatte, die vorsichtshalber Deckung suchten. Auch für das Problem der Straßenausbau-Beiträge hatte sie eine Lösung: „Da muaßt flexibl bleim. Bin in halt dafür.“ Und sie zitierte Adenauer: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern!“

Wahlgeschenke der Bürgermeisterin prasselten auf das Volk nieder. Foto: Schiedermeier
Wahlgeschenke der Bürgermeisterin prasselten auf das Volk nieder. Foto: Schiedermeier

Wohlweislich lässt sich die Bürgermeisterin für ihren nächsten Auftritt die volle Absolution erteilen: „Satire darf alles!“ Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen sei absoluter Zufall. Und schon tobt der renitente Stadtrat Hans Hofecker (Agnes Mühlbauer) durch das Vorzimmer: „Des is koa Verwaltung! Do is koa Zug dahinter!“

„Der Gipfel der Pietätlosigkeit“

Vorzimmerdame Singerl schleicht rein. Foto: Schiedermeier
Vorzimmerdame Singerl schleicht rein. Foto: Schiedermeier

Nach den ersten zwei Schnaps präsentiert er aufgebracht ein Ei – gefunden auf dem Friedhof: „Der Gipfel der Pietätlosigkeit!“ Schließlich müsse da vorher ein Huhn über den Friedhof gelaufen sein. Und auf dem Ei, da könnte ein altes Muatterl ausrutschen: „Und die Verwaltung tut nix!“ Auch nach zwei weiteren Schnaps tritt keine Beruhigung ein: „Da muaß i mi aufregn. I geh zum Landrat, wenn da nix passiert. Des is mei Freind!“

Die Chamer Garde schwang ein flottes Bein. Foto: Schiedermeier
Die Chamer Garde schwang ein flottes Bein. Foto: Schiedermeier

Zwei weitere Schnaps später – Themawechsel: „Was is mit deiner Stadthalle? Wird de fertig?“ Bucher hat keine Ahnung. Hofecker wird deutlich: „Weilst nix im Griff hast. I hob für sowas an Terminplan!“ Bucher holt eine Zauberkugel aus der Aktentasche. Hofreiter sieht darin leicht bekleidete Mädels mit einem Schild vor der Brust: 1. Juni 2018. Bucher beschließt, den lästigen Stadtrat nach zwei weiteren Schnaps abzuschieben: „Dich brauchen sie in Berlin. Da wird der Flughafen net fertig.“ Hofreiter braucht noch einen Schnaps und geht dann begeistert neuen Aufgaben entgegen.

Schöne Masken gab es auf dem Marktplatz.  Foto: Schiedermeier
Schöne Masken gab es auf dem Marktplatz. Foto: Schiedermeier

Der nächste Fall (Buchers Lebensgefährte Helmut Baumgartner) ist ein echtes Problem und wird sofort vorgelassen: Er hat auf dem Steinmarkt einen Strafzettel gekriegt und vermutet, dass die Bürgermeisterin davon goldene Wasserhähne in die Stadthalle bauen lassen will, bis er sieht, dass darauf gar nicht seine Autonummer ist. Nach einem halben Dutzend Schnäpsen ist auch dieser Beschwerdeführer überzeugt: „Ich park jetzt falsch auf dem Steinmarkt und spendier einen goldenen Wasserhahn. Das ist es wert.“

Das Wahlvolk ist hellauf begeistert und der Berichterstatter schwört, dass auch Stadträte der Chamlandfraktion lauthals mitgelacht haben.

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