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Weiberfastnacht

Waldmünchens Bürgermeister entmachtet

Die Perlhütter Hexen stürmten ins Amtszimmer von Bürgermeister Markus Ackermann. Dann wurde in der Stadt gefeiert.
Von Ingrid Milutinovic

Die Krawatte des Bürgermeisters musste natürlich dran glauben - auch, wenn die Hexenschere zunächst streikte. Foto: Milutinovic
Die Krawatte des Bürgermeisters musste natürlich dran glauben - auch, wenn die Hexenschere zunächst streikte. Foto: Milutinovic

Waldmünchen.Weiberfasnacht – das heißt, für einen Tag haben die Frauen die Macht. Bereits seit dem Mittelalter gibt es diesen Brauch. Traditionell verkleiden sich die Frauen an diesem Tag als alte hässliche Frauen, überlassen den Männern Haushalt und Kinder und feiern. In der Zeit, als die Männer noch über die Frauen die „Geschlechtsvormundschaft“ hatten, galt es als verkehrte Welt, wenn den Frauen die Macht überlassen wurde. Nur an diesem einen Tag konnten sie sich durchsetzen.

Auch in Waldmünchen hat dieser Brauch inzwischen Fuß gefasst. Die närrische Hochburg Waldmünchens – gemeint ist natürlich Perlhütte – hatte ihre Hexen ausgesandt, um im Rathaus vorstellig zu werden, um dort den Schlüssel einzufordern und die Macht zu übernehmen.

Mit Proviant ins Amtszimmer

Bestechungs-Versuch? Noch ist Bürgermeister Markus Ackermann in seinem Amtszimmer relaxt: Eine Kiste mit „Hexenschmu“ kann zwar die Stadtkasse nicht füllen, zeugt aber zumindest davon, dass die Hexen nichts Böses im Schilde führen.  Foto: Milutinovic
Bestechungs-Versuch? Noch ist Bürgermeister Markus Ackermann in seinem Amtszimmer relaxt: Eine Kiste mit „Hexenschmu“ kann zwar die Stadtkasse nicht füllen, zeugt aber zumindest davon, dass die Hexen nichts Böses im Schilde führen. Foto: Milutinovic

Auf dem Marktplatz trafen sie sich gut gelaunt mit Besen und Proviantwagen – dann ging es hoch ins Bürgermeisterzimmer. Das Konfetti war dieses Jahr zuhause geblieben, bunte Luftschlangen wirbelten durch das Treppenhaus. Zum zweiten Mal seien sie schon da – und noch schlauer und noch frecher, drohten und verrieten sie sofort. In perfektem Reim sagten sie dann auch gleich, was sie erwarten: „Den Rathausschlüssel gibst Du her ganz schnell, zurückerhalten wirst Du ihn, wenn du handelst in unserm Sinn: Eine Belohnung, richtig fett muss sie sein, wehtun muss sie, richtig teuer sein“. Auf die Antwort wollten sie nicht lange warten und machten dann auch noch einmal richtig Druck: Die Antwort bitte los Hexhex – sonst bleibst auf ewig Du der Ex“.

Bürgermeister Markus Ackermann ließ sich ob des Drucks auch nicht lange bitten– hatte er doch schon geahnt, was da auf ihn zukommt und entsprechend vorgesorgt. Eine Platte bunt gemischter Krapfen wartete schon und ein Schnaps – ein guter selbstverständlich, wie gefordert – war auch schnell herbeigeholt.

Einmal im Jahr heißt es in der guten Stube Waldmünchen: Frauen an die Macht. Auf dem Marktplatz trafen sich die gut ausstaffierten Hexen auch gestern, um der Tradition folgend die Rathausschlüssel zu übernehmen. Foto: Milutinovic
Einmal im Jahr heißt es in der guten Stube Waldmünchen: Frauen an die Macht. Auf dem Marktplatz trafen sich die gut ausstaffierten Hexen auch gestern, um der Tradition folgend die Rathausschlüssel zu übernehmen. Foto: Milutinovic

Das allerdings reichte immer noch nicht ganz. So revanchierte er sich für die Kiste mit „Hexenschmu“ mit einer Aufbesserung der Hexenkasse und überreichte sodann artig wie gefordert den Rathausschlüssel. Die Krawatte musste freilich auch noch dran glauben – mit der bürgermeistereigenen Schere, da die Hexenschere der Aufgabe nicht gewachsen war. Solchermaßen der Pflicht genüge getan, konnte sich die Hexenschar erst einmal stärken, bevor sie weiter ihrer Wege zog. Als nächstes winkte ein ausgiebiges Frühstück in der Jugendbildungsstätte, dann mussten nicht nur die Waldmünchener Geschäfte den Hexenzauber über sich ergehen lassen, auch zufällig daherkommende Passanten blieben nicht verschont.

Hexentrank und Hexenstaub

In der ganzen Stadt und den Geschäften wurden die Hexen gut gelaunt empfangen. Der Hexenstaub musste nicht zum Einsatz kommen – Hexentrank – mitunter auch grün gefärbt – gab es dafür im Überfluss.  Foto: Milutinovic
In der ganzen Stadt und den Geschäften wurden die Hexen gut gelaunt empfangen. Der Hexenstaub musste nicht zum Einsatz kommen – Hexentrank – mitunter auch grün gefärbt – gab es dafür im Überfluss. Foto: Milutinovic

Auch wenn die Hexen mit ihrem Versorgungswagen für alle Eventualitäten vorgesorgt hatten, wurde natürlich trotzdem immer wieder unter Androhung des Verstreuens von Hexenstaub ein Hexentrank eingefordert. Und ganz egal, wohin die fröhliche Schar kam, kam man dieser Aufforderung nicht nur ach, sondern alle hatten bereits auch entsprechend vorgesorgt. Der Einsatz von Hexenstaub in Form von Konfettiregen kam deshalb auch eher selten zum Einsatz. Locker ging es zu. „Wohin gehen wir jetzt?“ Das war die Frage, wenn die Truppe wieder einmal auf der Straße war. Und irgendjemand hatte immer die passende Antwort.

Schwächelt da eine Hexe vielleicht schon? Nicht doch! Aber ein kurzes Ausruhen in einer geselligen Stube sei ihr gegönnt – und nach einem fröhlichen „Hexhex“ und „Humba täterä“ ging es gleich weiter durch die Straßen.  Foto: Milutinovic
Schwächelt da eine Hexe vielleicht schon? Nicht doch! Aber ein kurzes Ausruhen in einer geselligen Stube sei ihr gegönnt – und nach einem fröhlichen „Hexhex“ und „Humba täterä“ ging es gleich weiter durch die Straßen. Foto: Milutinovic

Entsprechend stieg auch mit jeder Station die Stimmung. Der mitgeführte CD-Player sorgte für den musikalischen Background und irgendwann wurde dann auch mehr oder weniger laut mitgesungen. „Die pure Lust am Leben...“ war es, nicht nur gesungen, sondern die aus allen Augen – soweit diese sichtbar waren – blitzte. Auch Kunden, die zufällig Zeugen des Hexenauftrittes wurden, waren begeistert: „Das ist herrlich, dass es das noch oder besser wieder gibt“ sagte eine – und ließ sich kurzerhand hexenmäßig umarmen.

Ein Schwatz auf der Straße, auch das gab es immer wieder und war sichtliches Zeichen für den Spaß, den Hexen und Passanten miteinander hatten. Aber auch die stärksten Hexen schwächeln irgendwann einmal. Da mussten dann die Masken gelüftet und tief Luft geholt werden, bevor es weiter ging – der Narretei entgegen.

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