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Bergwoche

Das Matterhorn war ein Lebenstraum

Der Lamer Johannes Schmid stand nach einem gescheiterten Versuch 2015 im Herbst auf dem wohl prominentesten Gipfel der Alpen.
Von Evi Paleczek

Emotional und intensiv sind die Momente am Gipfel gewesen, erzählte Johannes Schmid. Zwei/ drei Tränen kamen da schon – und die Erkenntnis, dass er erst zur Hälfte am Ziel seiner Träume angekommen ist. Weil er auch wieder heil hinunter kommen wollte vom Berg. Foto: Johannes Schmid
Emotional und intensiv sind die Momente am Gipfel gewesen, erzählte Johannes Schmid. Zwei/ drei Tränen kamen da schon – und die Erkenntnis, dass er erst zur Hälfte am Ziel seiner Träume angekommen ist. Weil er auch wieder heil hinunter kommen wollte vom Berg. Foto: Johannes Schmid

Furth im Wald.Mit großen Augen und weit offenem Mund hat er vor mehr als zehn Jahren bei einem Urlaub in Zermatt zum ersten Mal Richtung Matterhorn geschaut. Am 28. September vergangenen Jahres stand der Lamer Johannes Schmid auf dem Gipfel. Weil machen wie wollen ist, nur besser, sagte der 36-Jährige bei seinem Tourenbuch-Vortrag im Rahmen der Bergwoche am Donnerstagabend im vollen Kolpinghaus-Saal. Weil sich Träume schon erfüllen, wenn man geduldig bleibt und hart mit sich ist. Oft ist der Weg zum Ziel lang und beschwerlich. Aber wenn man etwas wirklich will, funktioniert alles, meinte Schmid.

Bis dahin ist es wichtig, mit Rückschlägen und Scheitern umgehen zu können. 2015 ist er gescheitert bei seinem ersten Matterhorn-Gipfel-Versuch, erzählte der Bergsteiger. Er musste die Tour abbrechen – und war im Herbst „super-happy“, wieder die realistische Chance vor Augen zu haben, auf den Gipfel zu kommen.

Auf den Bergen das Leben spüren

Entsprechend ausgelassen war die Stimmung bei der Anreise mit dem Wohnwagen und seinen zwei Freunden Chris und Seppi, sagte Schmid. Nach einer harten Arbeitswoche kamen die drei am 27. September am Ausgangspunkt Cervinia an und brachen nach einer aufgrund der Aufregung fast schlaflosen Nacht um 2 Uhr morgens auf Richtung Matterhorn.

„Es gibt wenige Momente, wo man das Leben so wahrnimmt.“

Johannes Schmid

Ziel war die Überschreitung in einem Stück – ohne Übernachtung und damit ohne viel Gepäck. Das bedeutete 33 Kilometer Fußmarsch und 3350 Höhenmeter in etwa 25 Stunden. Mit der Frage, ob sie das wirklich im Kreuz hatten, ging es los. Da waren nur noch Chris, Seppi und das Matterhorn, erzählte der 36-Jährige. Alles sonst hat er zur Seite geschoben. Maximale Fokussierung. Dass das funktionierte, zeigte sich darin, dass die Freunde nicht viel geredet haben auf ihrem Weg. Alles war selbstverständlich, jeder Handgriff. Eine eingespielte Truppe, keine Verzögerung. Ein Zeichen, dass Pfeffer in der Sache ist, erklärte Schmid. Dann kommt man in den Flow.

Zur Besteigung

  • Aufbruch:

    In der Nacht zum 28. September ist Johannes Schmid zusammen mit seinen Freunden Chris und Seppi aufgebrochen Richtung Matterhorn-Gipfel.

  • Tour:

    33 Kilometer Fußmarsch und 3350 Höhenmeter im Aufstieg lagen vor ihnen. 22 Stunden lang waren Johannes und Chris unterwegs, Seppi entschied nach ein paar Stunden, dass er in keiner guten Verfassung war und umkehren sollte.

  • Extreme:

    Zehn Stunden lang hatten die Bergsteiger nach einer – aufgrund der Aufregung – fast schlaflosen Nacht Steigeisen an den Füßen, immer wieder waren sie in einer Höhe über 4000 Meter unterwegs. Der große Rucksack am Rücken war eine Belastung, zehn Stunden lang kletterten Johannes und Chris ohne oder mit langem Seil, um schneller voranzukommen. Da ständig zu wissen, dass ein Absturz das Leben kosten kann, machte den Kopf mürbe.

Und leider bald zum ersten kritischen Punkt der Tour. Schon nach drei Stunden und auf einer Höhe von 3800 Metern entschied Seppi, es ist nicht sein Tag, er muss umkehren. Natürlich ging es um die Frage, ob dann alle abbrechen, berichtete der Lamer. Aber Seppi entschied, er steigt alleine ab. Man kennt sich gut, sagte Schmid. Er und Chris wussten, sie brauchten kein schlechtes Gewissen haben und gingen weiter. Es wurde hell und wärmer, das Wetter war perfekt, „ein geiler Tag“. Trotzdem war beim Blick zurück Richtung weit entfernter Parkplatz immer der Gedanke da, dass die beiden dahin auch wieder zurückmussten.

Hier finden Sie das komplette Programm der Bergwoche:

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Nach dem Eröffnungsvotrag von Marlies Czerny und Andreas Lattner folgen unter anderem die beliebten Tourenbücher.

Die größte Herausforderung war, über eine so lange Zeit hinweg zu funktionieren und den physischen Druck aufrechtzuerhalten. In jedem Moment total präsent zu sein, in einem Zustand maximaler Anspannung, weil jeder falsche Tritt den Sturz in den Tod bedeuten könnte. Auf der anderen Seite war es aber auch totale geistige Entspannung, beschrieb Schmid. In diesen Stunden gibt es keine weltlichen Probleme. Bergsteigen ist keine Flucht, meinte er, aber da ist jeder ganz nah bei sich. „Es gibt wenige Momente, wo man das Leben so wahrnimmt.“

Wenn die 4000er Spalier stehen

Als am Berg die Sonne aufging, und die 4000er Spalier standen, war er einfach nur dankbar, das erleben zu dürfen, sagte Schmid. Aber natürlich zehrte es. Zehn Stunden lang seilfreies Klettern in gefährlichem Gelände ist anstrengend für den Körper, macht aber vor allem den Kopf mürbe. Und so war der Gefühlszustand am Gipfel absolut emotional und intensiv, erzählte der Lamer. Der Freudenmoment oben war nur kurz. Er fühlte sich extrem beschissen, furchtbar müde und angespannt, die Tränen liefen. Viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Vor allem der, dass er nur zur Hälfte am Ziel seiner Träume ist – weil er wieder lebend ins Tal kommen wollte.

Blick auf das Matterhorn-Gipfelkreuz – und damit das Ziel vor Augen Foto: Johannes Schmid
Blick auf das Matterhorn-Gipfelkreuz – und damit das Ziel vor Augen Foto: Johannes Schmid

Und der nächste kritische Punkt folgte. 250 Meter lang steile Stufen nach unten. Eigentlich kein Problem mit Steigeisen, sagte der Lamer, aber er konnte einfach nicht mehr – und ließ sich von Chris abseilen. Natürlich fühlte er sich beschissen als bremsendes Element, erzählte er, aber es ging bei der Tour immer darum, wieder gesund unten anzukommen. Und als er nach 22 Stunden auf den Beinen am 29. September, seinem Geburtstag, wieder am Parkplatz ankam, war das absolute Glücksgefühl da. Der Dank für unbezahlbare Erfahrungen fürs ganze Leben – die er nur für sich und für keinen anderen gemacht hat.

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