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Cham
Samstag, 24. Februar 2018 2

Wasserkraft

Further Drachensee als Energiespender

Im vergangenen Jahr produzierte die Turbine im Kombinationsbauwerk rund 600 000 Kilowattstunden Strom.
Von Wolfgang Baumgartner

Abteilungsleiter Dr. Klaus Amberger (li.) und Betriebsleiter Rudolf Hofstetter im Herzen des Wasserkraftwerks am Drachensee. Bei Normalstau steuert das Rechenzentrum die Wasserzufuhr zur Turbine.Foto: wb

Furth im Wald. Die primäre Aufgabe des Drachensees ist es, die Stadt vor Hochwasser zu schützen! Und das hat bisher auch bestens funktioniert, wenn es gilt, die Stadt vor den Wassermassen des Chamb-Flusses zu bewahren. Daneben birgt das bereits 1990 errichtete Kombinationsbauwerk aber auch einen kleinen „Schatz!“ Quasi auf Höhe des Seegrundes am Wehr, rund sechs Meter unter dem Wasserspiegel des Sees, beschert eine querliegende Durchströmturbine der Firma Ossberger der Bayerischen Landeskraftwerke GmbH jährlich ein hübsches Sümmchen an Einnahmen. Das Ergebnis aus Wasserkraft und angewandter Physik ist Strom. Und diesen produziert das Kraftwerk am Drachensee absolut umweltfreundlich und ohne Schadstoffe.

600 000 Kilowattstunden

„Im vergangenen Jahr wurden hier am Drachensee in Furth im Wald rund 600 000 Kilowattstunden Strom erzeugt“, erzählt Dr. Klaus Amberger, Leiter der Abteilung Cham im Wasserwirtschaftsamt Regensburg, im Gespräch mit unserem Medienhaus. Das bedeutet einen Erlös aus dem Stromverkauf von rund 60 000 Euro. Davon müssen unter anderem die Unterhaltskosten, die Abschreibung und die Speicherpacht bezahlt werden. Abzüglich Steuern und Abgaben ergibt sich eine jährliche Netto-Rendite von rund 6000 Euro. Zusammen mit dem Further Betriebsleiter Rudolf Hofstetter erlaubte Dr. Amberger unserem Medienhaus, einen Blick in das Herzstück der Kraftwerksanlage in der Seuchau zu werfen. Beim Öffnen der schweren Stahltür im Kombinationsbauwerk ist das leise Summen der Ossberger-Durchströmturbine bereits zu hören.

Die Ossberger Durchströmturbine hat eine Leistung von 115 kW. Der Durchfluss beträgt im Normalfall 2,1 Kubikmeter pro Sekunde. Foto: wb

Während des „Abstiegs“ ins Zentrum des Wehrs erleichtern Anschlagtafeln an den Betonwänden die Orientierung. „Jetzt sind wir rund vier Meter unter dem Wasserspiegel des Sees“, deutet Rudolf Hofstetter auf eine der Markierungen. Mit zunehmender „Tiefe“ wird der Geräuschpegel der Turbine deutlich höher. An der letzten Treppe ist der Blick frei auf das Übergangsstück, von dem das Wasser aus dem See zum Leitapparat und dann auf das Laufrad gelangt. An der Schaltwand blinken kleine Lichter und ein Monitor liefert exakte Angaben über Pegelstände und Turbinen-Durchfluss.

Rund 600 000 Kilowattstunden absolut umweltfreundlicher Strom wurden im vergangenen Jahr von dem Generator erzeugt. Foto: wb

Beim Dauerstauziel liefert die Turbine eine Leistung von 115 kW. Rund zwei Kubikmeter Wasser fließen dann über das Laufrad. „Das Hochwasserentlastungsvermögen beträgt 200 Kubikmeter in der Sekunde, bei Normalstau ist die Grundablassleistung 35 Kubikmeter pro Sekunde“, erzählt Dr. Klaus Amberger. Für ihn und seinen Betriebsleiter Rudolf Hofstetter hat das Kraftwerk nicht nur wegen der Stromgewinnung eine große Bedeutung. „Durch die Anlage kann der Wasserstand im See sehr exakt gesteuert und geregelt werden“, fügt der Betriebsleiter hinzu und zeigt auf den Monitor, der über den aktuellen Durchfluss informiert.

Im Normalfall ist die gesamte Kraftwerksanlage vom Computer gesteuert. Bei Hochwasser ist menschliche Erfahrung wichtig! Foto: wb

Die Anlage ist für den vollautomatischen Betrieb ausgerichtet. Das bedeutet, die im Rechenzentrum des Betriebsgebäudes erfassten Daten der Pegelstände sowie der reale Wasserstand im Stausee werden hochgerechnet. Diesen Angaben entsprechend erfolgt die Steuerung des Turbinendurchflusses. Völlig überfordert ist das Rechenzentrum aber bei Hochwasser. „Dann ist die jahrelange Erfahrung des Betriebsleiters gefordert“, so Dr. Amberger. Großes Problem beim Drachensee sind die geringen Daten des Vorlaufes. „Wir haben keine verlässlichen Informationen, wie viel Wasser nach heftigen Niederschlägen wann wirklich im See ankommt“, runzelt er die Stirn.

Wenig verlässliche Daten

Rechtlich vorgeschrieben ist, dass 35 Kubikmeter pro Sekunde Wasser vom See in den Chamb geleitet werden müssen. Diese Berechnung orientiert sich am 100-jährlichen Hochwasser und sei so ausgelegt, dass damit die Stadt vom Hochwasser verschont bleibt. „Wäre da nicht die Pastritz“, betont Dr. Amberger. Ihr Wasseraufkommen könne vom Drachensee nicht gesteuert werden. „Wenn Furth vom Hochwasser heimgesucht wird, dann kommt das von der Pastritz!“ Sie bringt beim 100-jährlichen Hochwasser rund 17 Kubikmeter pro Sekunde. Nun könnte zwar die Grundablassleistung im See deutlich reduziert werden, was durchaus eine Entlastung im Stadtbereich zur Folge hätte. Im Chamb wäre mehr Platz für das Wasser der Pastritz. „Doch dann laufen wir Gefahr, dass bei anhaltendem Wasserzufluss die Staukapazität im See nicht ausreicht“, erklärt Dr. Amberger die Problematik. Und hier verweist er wieder auf das Fehlen von verlässlichen Daten über die zu erwartenden Wassermengen. „Wir können uns hier nur an den Wettervorhersagen und Prognosen orientieren!“ Nur wenn der Betriebsleiter ziemlich sicher davon ausgehen kann, dass keine Flutwelle vom Chamb zum See kommt, wagt er die Reduzierung des Grundablasses. „Wir dürfen allerdings auf keinen Fall unsere Speicherkapazität in Gefahr bringen“, fügt Dr. Amberger hinzu. Letztere beträgt bei Hochstau rund 6,31 Mio. Kubikmeter.

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