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Tradition

300 Jahre Miltacher Martiniritt

Der Jubiläumsritt ist an diesem Samstag. Die Gemeinde feiert diesen Anlass. Wir blicken auf die Geschichte zurück.
Von Erwin Vogl

  • Die Miltacher Gruppe beim Einritt für den Martiniritt Foto: Erwin Vogl
  • Kötztinger Pferdeköpfe in den Stadtfarben Grün-Weiß Foto: Erwin Vogl
  • Fanfarenbläser bereichern den festlichen Ablauf. Foto: Erwin Vogl

Miltach.Der Martiniritt in der Pfarrgemeinde Miltach hat heuer ein besonderes Jubiläum: Es ist die 300. Durchführung. Der Artikel „Vom Martiniritt in Miltach“ , erschienen in der Zeitschrift „Der Heimgarten“, kann womöglich als erster Literaturhinweis auf das örtliche Fest gesehen werden. Mit einem Abstand von mehr als einem Jahrhundert ist es amüsant nachzulesen und zu vergleichen, wie sich der Ritt verändert hat. Vom Verfasser des Textes sind nur die Initialen R. S. bekannt. Im Folgenden wird eine etwas gekürzte Form des Berichtes wiedergegeben.

„In Miltach, wo man alljährlich am 11. November das Kirchenpatrozinium festlich begeht, bleibt es nicht wie anderswo beim üblichen Ortskirchweihprogramm, sondern es ist hier mit einer besonderen, dem heiligen Rittersmann Martinus zugedachten Ehrung, dem sogenannten Martiniritt, verbunden. Es ist eine gemischte, aus Fußgängern und zum kleineren Teil aus Reitern bestehende Prozession. Zum Heiligen betet man, dem Ritter zu Ehren tut man einen Ritt auf festlich geschmücktem Rosse. Mag auch der Heilige erwarten, dass alle Teilnehmer beten; der Ritter wird wohl dafür Verständnis haben, dass sein berittenes Gefolge sich im Reiten Genüge tut und das Beten dem armseligen Fußvolke überlässt.

Ablauf ist festgeschrieben

Unmittelbar an den festtäglichen Hauptgottesdienst schließt sich etwa um 10 Uhr der festliche Auszug an. Der Weg, den die Prozession nimmt, beschreibt außerhalb des Dorfes einen nicht zu großen Ring. Er führt zwischen dem Dorf und der an der Straße nach Kötzting stehenden Mariahilf-Kapelle, und schließt nur wenige Felder ein. Am östlich gelegenen Wegzuge steht für jeden Teilnehmer sichtbar, auf freiem Felde ein einfacher, weißgedeckter Tisch, der als Feldaltar dient. Sobald ihn der Priester mit dem Sanktissimum erreicht hat, hält der ganze Zug an, um das Johannes-Evangelium anzuhören und den Segen mit der Monstranz zu empfangen.

Es mag nicht leicht sein für den amtierenden Geistlichen sowie für den Chor, mit Ausdauer zu singen, während einem der herbstliche Ostwind um die Ohren pfeift und die Töne vom Munde reißt. Nur die Blechmusik, die nach dem Segen das „Großer Gott, wir loben dich“ spielt, behauptet sich im Sturme. Der Zug setzt sich zurück zur Kirche in Bewegung. Das Vorrecht der Zugführung lag früher bei Schimmel und Knecht des Pfarrers zu Chamerau. Seit dieser beide abgeschafft hat, ist ein anderer berittener Kreuzträger dafür eingesprungen, der das schöne altgeschnitzte Kruzifix führt.

Ihm folgen zu zweien etwa 60 weitere Reiter, deren erstes Paar die auf hohen Stangen flatternden, roten Prozessionsfahnen trägt. Meist sind es junge Leute, auch ein paar Buben, die Hüte mit dem Rosmarinzweige auf dem Kopfe, die Reitgerte aus frisch geschnittenem Wacholder, dessen grünbenadelten Zweige am Griffe stehengeblieben sind, in der Hand oder im Stiefelschaft. Die meisten Pferde tragen in eingeflochtene Papierrosetten, rosa und blau; allerhand ungewöhnliches Sattel- und Zaumzeug taucht auf, sogar eine scharlachrote Generalsschabracke mit gestickten Königskronen und handbreiten Silberrändern.

Jetzt setzt sich die ganze Kavalkade in Trab, um rasch auf den Friedhof zu gelangen, innerhalb dessen engerer Ummauerung die Kirche langsam umritten wird. Denn da in dem einzigen für Pferde passierbaren Zugang, dem Rest des Torturmes der mittelalterlichen Friedhofsbefestigung, sich Ein- und Ausreitende begegnen, dauert der Umritt geraume Zeit und man muss fertig sein, bis die Schulbuben nachkommen. Von diesen tragen die ersten vier das Namenstagskind, den heiligen Martin auf einem Schimmel reitend, wie er mit dem Schwerte seinen Mantel zugunsten eines Bettlers teilt.

Gipsfiguren und ähnlicher Kitsch, wie er heutzutage bei derartigen Gelegenheiten sich oft genug breitmacht, wagt sich nirgends an die Öffentlichkeit. In lobenswerter Beschränkung zeigt die Prozession vielmehr ein weiteres figürliches Werk, eine von Mädchen getragene spätgotische Madonna.

Es folgen dann die Vereine mit lebhaft flatternden Fahnen, die Feuerwehr mit blitzenden Helmen, der Kirchenchor, Laternenträger, dann der Himmel, und darunter der von auswärts beigezogene Aushilfspriester mit dem Sanktissimum, umgeben von Ministranten mit Rauchfass und Zubehör, die misera plebs der vereinslosen Männer und endlich Frauen, und ganz zum Schluss zu Pferde der Ortsgeistliche in weißem Chorrock, begleitet von drei Jubiläumsreitern, die mehr als fünfundzwanzig Mal teilnahmen.

Man zieht in die Kirche ein, wo der amtierende Geistliche den letzten Segen erteilt und das Te Deum anstimmt. Heute schließt sich hieran noch ein allerletzter Schlussakt, dem zuliebe der Ortsgeistliche sich überhaupt beritten gemacht hat, während er in gewöhnlichen Jahrgängen mit der Monstranz unterm Himmel schreitet, ohne einen Aushilfspriester heranzuziehen. Jetzt schwingt er sich auf dem kleinen Platze vor dem Friedhofstore nochmals in den Sattel und überreicht nach kurzer Ansprache dem Kreuzträger das ihm für langjährige Teilnahme verliehene Ehrenfähnchen. Das war der Übergang zur nüchternen Alltäglichkeit. Alles geht nach Hause, die Dorfstraße sieht wieder aus wie sonst auch. Denn auf Häuserschmuck, auf Flaggen und Triumphbogen ist man hier noch nicht verfallen, die Straße schmückt sich selbst, auf der Sankt Martin einher zieht mit seinem Gefolge zu Fuß und zu Ross.“ Soweit der etwas gekürzte Text von R. S..

1999 erstmals in Farbe

Der historische Bericht des unbekannten Autors ist ein volkskundliches Zeugnis von großem Wert. Wenn heute mit wenigen Mausklicks ein Bild übermittelt wird, ist dies die einfachste Sache der Welt. Vor 20 Jahren war alles noch mit viel Aufwand verbunden. Der schwarz-weiß Film wurde in der heimischen Dunkelkammer chemisch entwickelt und das dabei entstandene Negativ mittels Kurier nach Bad Kötzting gebracht. Vor genau 20 Jahren druckte die „Kötztinger Umschau“ erstmals die Fotos vom Martiniritt in Farbe. Was heute ganz normal ist, war damals für den Lokalteil eine enorme Neuerung.

Denn dies bedeutete, dass schon vorher mit einem Fotolabor in Kötzting Kontakt aufzunehmen war, damit es an diesem Samstag zuverlässig die notwendigen Fotos anfertigt. Wegen der Straßensperrungen in Miltach und wegen des bevorstehenden Arbeitsschlusses des Foto-Geschäftes stellte man den PKW in der Nähe der Kapelle ab um danach möglichst schnell nach Kötzting zu gelangen. Die Verarbeitung geschah dann relativ rasch und so konnte nach einer knappen Stunde der Berichterstatter mit seinen Farbbildern zurückfahren und am Sonntag zusammen mit dem auf der Schreibmaschine getippten Text an die Redaktion weitergeben.

Das Festprogramm

  • Ablauf:

    Um 8.30 Uhr beginnt am Samstag der Pontifikalgottesdienst mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. Anschließend ist die Reiterprozession und eucharistische Prozession. Dann werden die Pferde auf dem Kirchplatz gesegnet.

  • Rahmenprogramm:

    Die weltliche Kirchweihfeier beginnt um 11 Uhr in der Mehrzweckhalle. Um 17 Uhr Auftritt der Kinder- und Jugendgruppen des Trachtenvereins.

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