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MZ-Serie

Tod und Leben im Naturkreislauf

Reporterin Anna Weber macht da Praktikum, wo andere ihre Freizeit genießen. Heute hilft sie im LBV-Zentrum Nößwartling mit.
Von Anna Weber

Die Autorin Anna Weber beim Füttern der Schafe im LBV-Zentrum in Nößwartling
Die Autorin Anna Weber beim Füttern der Schafe im LBV-Zentrum in Nößwartling Foto: Anna Weber

Arnschwang.Wir wollen eine bessere Welt!“ So steht es auf der Homepage des Landesbundes für Vogelschutz, kurz LBV, geschrieben. Wer möchte das nicht? In Zeiten, in denen das Aussterben seltener Tierarten immer mehr auf dem Vormarsch ist, der Klimawandel gerade in Schwung kommt und das Monsanto-Spritzmittel Glyphosat noch drei Tage vor der Ernte auf das Getreide gespritzt wird, scheint der Gedanke an eine bessere Welt stark in den Hintergrund gerückt sein.

Doch einige gibt es trotzdem, die sich für den Schutz von Lebensräumen und den Erhalt seltener Tierarten einsetzen. Einer von ihnen ist Markus Schmidberger, der Leiter des LBV-Zentrums in Nößwartling bei Arnschwang.

Ausmisten der Ställe

Nach dem Ausmisten werden die Esel gefüttert.
Nach dem Ausmisten werden die Esel gefüttert. Foto: Anna Weber

Wie man die Natur ein kleines bisschen besser machen kann, das möchte ich heute bei ihm erfahren und auch ein wenig mithelfen. Zusammen mit der Griechin Lea Ventura, die gerade den Bundesfreiwilligen Dienst absolviert, werde ich zum Ausmisten der Ställe geschickt. Mit soetwas Einfachem kann man die Welt also besser machen?

Vermutlich nicht, aber die Esel, Ziegen, Schafe und Ponys gehören eben zum Streichelzoo des LBV-Zentrums. Die Arbeit ist schnell getan und weil wegen des Regens nur wenig Besucher kommen, bleibt uns nun Zeit, um die Eisvogelstation zu erkunden. Lea packt mich in eine Wathose und rein geht es in den Fluss. Aber nur für eine kurze Zeit, dann holt uns Schmidberger aus dem Wasser.

Tödlicher Stromschlag

Ein toter Storch lag im Gebüsch eines Strommastes. Lea Ventura, die beim LBV ein BFD-Jahr absolviert, sammelt den Kadaver ein.
Ein toter Storch lag im Gebüsch eines Strommastes. Lea Ventura, die beim LBV ein BFD-Jahr absolviert, sammelt den Kadaver ein. Foto: Anna Weber

Ein Anrufer habe mitgeteilt, dass unter einem Strommast ein toter Storch liege. „So etwas passiert öfters“, so Schmidberger. Die Mittelspannungsmasten werden nicht hinreichend gesichert. Größere Vögel, wie Störche oder Greifvögel, erhalten bei der Berührung einen Stromschlag und sind sofort tot.

Obwohl im Jahr 2012 ein Gesetz erlassen wurde, das den Stromkonzernen eine Umrüstung vorschreibt, haben sich diese einen Aufschub ausgehandelt. Schmidberger dokumentiert deshalb jeden Storch, den er findet. Aber zuerst kommt unser Part: Wir packen Einweg-Handschuhe und eine Plastikkiste ein und steigen in den klapprigen VW-Bus des LBVs. Weiße Federn leuchten uns am Unglücksort zwischen Sträuchern unter einem dieser besagten Mittelspannungsmasten entgegen.

Nicht zimperlich sein

Der Weißstorch stinkt fürchterlich. Lauter kleine Maden und Würmer krabbeln auf dem Kadaver. Da fällt Lea und mir siedend heiß ein, dass wir vergessen haben, eine Tüte mit einzupacken. Eine halbe Stunde Fahrzeit bei diesem Gestank, das wird eine wahre Folter. Einen Hoffnungsschimmer haben wir doch. Vielleicht liegt ja zufällig eine im Bus? Lea schaut nach und ich atme erleichtert auf, als sie mit einem blauen Müllsack zurückkommt. Jetzt heißt es nicht zimperlich sein! Handschuhe überstreifen, Nase zuhalten und (zum Glück macht das Lea) den Storch aus dem Gebüsch ziehen.

Mensch und Natur

  • LBV-Zentrum

    In idyllischer Lage am Chamb-Fluss bei Nößwartling liegt das LBV-Zentrum „Mensch und Natur“, eine vom Bayerischen Umweltministerium anerkannte Umweltstation. Rund 100 Hektar Eigentums- und Pachtflächen werden vom LBV bewirtschaftet.

  • Die Organisation

    Die Kreisgruppe wurde 1974 gegründet; sie engagiert sich in allen Bereichen des Natur- und Umweltschutzes. Ein Schwerpunkt ist der Betrieb des LBV-Zentrums „Mensch und Natur“ in Nößwartling bei Arnschwang, wo regelmäßig Informationsveranstaltungen stattfinden.

Schnell halte ich Lea den Müllsack auf, der Storch kommt rein und wird mit einem festen Knoten gut verpackt. Bei weit geöffneten Fenstern fahren wir zurück. Der Geruch ist noch immer präsent. Oder ist das die Einbildung? „Der Ring muss ab“, mit diesen Worten empfängt uns Schmidberger. An den Beinen tragen gekennzeichnete Vögel einen Fußring. Dieser informiert beispielsweise über die Herkunft des Storches. Lea holt eine Zange, hält sich noch mal fest die Nase zu und schüttet den Storch aus der Tüte. Schlagartig sind der fürchterliche Gestank und der Blick auf die vielen Maden, die aus dem Inneren des Tieres kommen, wieder da. „Die Natur tut ihren Dienst“, stellt Schmidberger fest.

Auf Fledermaussuche

Lea nimmt das Bein und zwickt es mit der Zange durch. Das Krachen geht dabei durch Haut und Knochen – im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem wir den Ring haben, darf Lea Mittagspause machen. Zum Glück muss ich jetzt nichts essen, der Hunger ist mir nämlich vergangen. Stattdessen nimmt mich Schmidberger mit in die Kirche. Nein, nicht zur Besinnung, sondern um den Dachboden des Gotteshauses auf Fledermäuse abzusuchen. Die kleine Kapelle ist nämlich vom Holzwurm befallen, weshalb sie begast werden muss. Zusammen mit Schmidberger steige ich also durch eine kleine Luke unter das Kapellendach.

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So nah war ich dem Herrgott noch nie. Trotzdem ist es hier staubig und finster. Mit unseren Stirnlampen leuchten wir alle Ecken und Winkel aus. Das Ergebnis lautet: Fledermausfrei. Schade, ich hätte so ein Tierchen gerne aus nächster Nähe gesehen. Noch ahne ich nicht, dass ich diese Gelegenheit in wenigen Stunden bekommen werde.

Für die Natur begeistern

Markus Schmidberger „untersucht“ die Fledermaus, die das kleine Mädchen und die junge Frau auf dem Zollner-Parkplatz gefunden haben.
Markus Schmidberger „untersucht“ die Fledermaus, die das kleine Mädchen und die junge Frau auf dem Zollner-Parkplatz gefunden haben. Foto: Anna Weber

In Schmidbergers Büro klopft es an der Tür. In den Händen halten die zwei Besucherinnen eine kleine Schachtel. Nur ein Rascheln verrät, dass sich darin etwas Lebendiges befindet. Am Zollner-Parkplatz haben sie die kleine Fledermaus gefunden, erzählt die junge Dame. Wegen des starken Regens konnte die Fledermaus nicht mehr weiterfliegen. Schmidberger öffnet die Schachtel und wir alle werfen einen Blick hinein – ganz klein und flauschig ist das geflügelte Tierchen.

Der LBV-Leiter freut sich über die Fürsorge der beiden Besucher. „Wenn man es versteht, die Menschen für die Natur zu begeistern, dann kann man für die Natur sehr viel dabei rausholen“, sagt Schmidberger. Denn: Der Mensch hat den Schlüssel in der Hand und entscheidet, wie es so läuft in der Welt.

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