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Das Paradies der alten Kaffeekannen

Heidi Liebl hat über 1000 Teile zusammengetragen. Ihre Sammlung im Lohberger Cafe „Sahneberg“ erzählt Kaffee-Geschichte(n).
Von Maria Frisch

Kaffeegeschirr in allen Formen und Farben sammelt Heidi Liebl. Ihre Schätze sind mindestens 50 Jahre alt.
Kaffeegeschirr in allen Formen und Farben sammelt Heidi Liebl. Ihre Schätze sind mindestens 50 Jahre alt. Foto: Tschannerl

Arrach.Heidi Liebl stammt aus dem Ortsteil Thürnstein in der Gemeinde Lohberg und wohnt mittlerweile über ein Jahrzehnt in Ottenzell. Mit ihrem Geburtsort verbindet sie die Verwandtschaft mit der Besitzerfamilie des Cafe „Sahneberg“. Als Tante von Marion Reif, die die renommierte Lokalität zusammen mit Ehemann Willi betreibt, hat sie diese Räumlichkeiten mit alten Accessoires „rund um Kaffee und Kuchen“ – Mindestalter 60 Jahre – bestückt, die Gegenstand ihrer Sammelleidenschaft sind. Mit durchschlagendem Erfolg, wie aus dem vielfachen Lob von begeisterten Gästen zu hören ist.

Heidi Liebl hatte von Kind auf schon etwas für alte Sachen übrig. „Ich weiß nicht, wer mir das vererbt hat. Es ist einfach da.“ So kann sie sich noch gut erinnern, dass sie beim „Schwammerlsuchen“ stets eine Tasche für Fundsachen dabei hatte. Zu damaliger Zeit war es nämlich gang und gäbe, dass Leute Ausrangiertes im Wald deponierten. „Was diese Sachen wohl erzählen würden, wenn sie reden könnten“, ertappte sie sich häufig beim Grübeln.

Tipps für die Flohmarkt-Suche

Heidi Liebl, die Kaffeekannen-Sammlerin aus Ottenz

Heidi Liebl wohnte vier Jahre mit ihrem Mann Robert in der Landeshauptstadt. Als sie dort den ersten Flohmarkt aufsuchte, war diese Plattform von Angebot und Nachfrage noch äußerst selten. Trotz der Ausmaße entdeckte die junge Frau damals sofort ein Schnäppchen, über das sie ganz glücklich war.

Wieder in der Heimat wohnhaft, etablierten sich die Flohmärkte erst so nach und nach. „Seit gut einem Jahrzehnt gehe ich schier jedes Wochenende im Umkreis von 40 Kilometern auf die Standorte“, erzählt die Bedienung im Cafe Sahneberg.

Neben Kaffee-Geschirr sammelt Heidi Liebl auch Kaffeemühlen.
Neben Kaffee-Geschirr sammelt Heidi Liebl auch Kaffeemühlen. Foto: Simon Tschannerl

Auf einer Reihe von Ständen versuchen Hausfrauen, Geerbtes oder Bestände von Wohnungsauflösungen von den Großeltern oder sonstigen Verwandten zu verramschen. „Das sind die interessanten Verkäufer, weil sie häufig wirkliche Schätze horten, die sie einfach nur loshaben wollen. Ich habe damals sofort die Leidenschaft in mir gespürt“, erinnert sie sich.

Heidi Liebl würde sich selbst jedoch „nicht als normalen Sammlertyp“ bezeichnen, der gezielt nach noch Fehlendem Ausschau hält. Die Bedienung geht meistens ohne genaue Vorstellung auf einen Flohmarkt, hat dann eben diesen untrüglichen Blick und ergattert jedes Mal eine Rarität. „Mir fällt es eigentlich irgendwie in den Schoß. Ich bin nicht der Sucher, sondern der Finder“.

Heidi Liebl hortet auch im privaten Bereich viel altes Geschirr, Lampen und Möbel, die durchaus sehr gut mit dem sich Neubau in Ottenzell harmonieren – eigentlich erst den Charme ins Haus bringen.

„Es muss auch nicht alles zusammenpassen. Es muss mir nur gefallen“, lautet die Maxime von Heidi Liebl. Wenn sie etwas entdeckt, ist ihr nur wichtig, dass sie auf Anhieb weiß, wo sie es zuhause hinstellt. „Diese Entscheidung steht auch bei den Kaffeesachen schon beim Kauf fest“, erzählt sie.

Heidi Liebl und ihre Sammlung

  • Zur Person

    Heidi Liebl ist eine gebürtige Thürnsteinerin, die mit ihrem Mann Robert in Ottenzell wohnt. Die Hausfrau und Mutter von zwei Töchtern war schon immer in der Gastronomie tätig. Ihr Mann teilt zwar ihre Leidenschaft nicht, allerdings gefällt ihm ihr Fundus eigentlich immer. „Es gab bestimmt deswegen noch keine Ehekrise“, lacht Heidi.

  • Cafe Sahneberg

    Das Geschick v on Heidi zum Dekorieren fiel auch ihrer Nichte Marion Reif und deren Mann Willi auf, die Besitzer des Cafes Sahneberg in Berghäusl sind. Im Zuge der Betriebserweiterung hat Heidi Liebl die Räumlichkeiten mit Altertümern zum Thema Kaffee und Kuchen ausgestattet.

  • Die Sammlung

    Heidi Liebl hortet auch im privaten Bereich viel altes Geschirr, Lampen und Möbel. Merkmale, die ihr Aufschluss über das Alter geben, sind hauptsächlich die Form und das Muster.

  • Das älteste Stück

    Ihr vermeintlich ältestes Unikat ist gleichzeitig jenes, an dem ihr Herz am meisten hängt. „Es ist eine Kanne, Zuckerdose und ein Milchkännchen von der Oma meines Mannes. Der Dreiteiler stammt aus dem vorletzten Jahrhundert um 1890“, gibt die Sammlerin preis.

  • Der Wert

    Trotz eines geringen materiellen Wertes, ist der ideelle Wert umso höher anzusetzen. Es sind in der Hauptsache Einzelteile oder dreiteilige Sets.

  • Fundquellen

    Ihre Stammflohmärkte klappert Heidi Liebl noch regelmäßig ab. Wenn es ihre Zeit zulässt, ist auch mal Straubing oder Regensburg die Anlaufstelle. Sie entwickelte dazu ihr eigenes Konzept. „Ich fange immer am selben Eck an. Dann gehe ich konzentriert die Reihen durch“, erzielte die Sammlerin. Am liebsten schaut sie in die Schachteln unterm Stand, weil sich die meisten Leute nicht bücken wollen.

  • Hintergrundgeschichten

    Die Schnäppchenjägerin hat auch einige Familienstücke integriert – die sind jedoch in der Minderheit. Ihre Absicht ist es auch, zu zeigen, was die Leute in kargen Kriegs- und Nachkriegsjahren aus der Not „zusammengeschustert“ haben. „Hier ist ein Teigroller, den offensichtlich jemand selber geschnitzt hat, oder eine Kaffeemaschine, die aus einer Blechdose fabriziert wurde.“

  • Die Zukunft

    Erfreulich ist die Tatsache, dass die Altertümer im Cafe eine Zukunft haben, weil die Sammlung aller Voraussicht nach Fortbestand hat. Nach der jährlichen Generalreinigung dekoriert Heidi Liebl wieder neu – circa 200 Kannen und weit über 1000 Einzelteile.

Zu der Ausstellung von Kaffeekannen und Co. im Cafe „Sahneberg“ kam die gebürtige Thürnsteinerin eigentlich aus einem zweckmäßigen Gedanken heraus. „Ich arbeite dort im Service, und die Lokalität brauchte nach einigen Erweiterungen eine ansprechende Dekoration“, berichtet sie von der Geburtsstunde der Präsentation von Kaffeekannen und Co.

Alles rund ums Thema Kaffee

„Dafür war immer schon die Heidi zuständig“, gab ihr Nichte Marion Reif völlige Handlungsfreiheit. Der zweifachen Mutter kam dies sehr entgegen, weil sie auf den Flohmärkten Unikate mitnehmen konnte, wofür sie längst zuhause keinen Platz mehr gehabt hätte, also eine klassische „Win-Win-Situation.“

Kaffeekannen-Sammlerin Heidi Liebl aus Ottenzell

Nach den Kannen folgten die Kaffeemühlen. „Eine ganze Reihe davon habe ich sogar in Berlin aufgegabelt. Schließlich sollte das Ganze nicht wie ein Porzellanhaufen wirken“, erinnert sich Heidi Liebl, die die Sammlung im Laufe der Zeit noch auf alles Drum und Dran um das Thema Kaffee und Kuchen ausweitete. „Hängende, stehende und lehnende Tortenplatten, Kaffeekannenwärmer, Nudelhölzer, Waffeleisen, Back- und Ausstechformen, Sahneschläger, Teigroller, Kaffeeröster, Nuss- und Mohnmühlen…“

Ein Kaffee-Automat am Bahnhof

Der historische Kaffeeautomat.
Der historische Kaffeeautomat. Foto: Simon Tschannerl

Sämtliche Einzelteile wurden 1950 oder früher hergestellt. Ein Highlight ist ein Automat aus einem deutschen Bahnhofsgebäude, vermutlich aus der Kriegszeit, in den man zehn Pfennige warf und im Gegenzug Kaffee für eine Tasse des edlen Gebräus erhielt. Das heiße Wasser gab es vom Schaffner oder am Fahrbahnschalter. „Ein ganzes Pfund Kaffee war damals unerschwinglich.“

Daneben steht eine Maschine aus einem legendären Kaffeehaus, gleichfalls mit besagtem Baujahr und natürlich eine Bereicherung für das Cafe. „Die Gäste trinken bei uns nicht nur Kaffee und essen Kuchen, sondern schauen sich fasziniert um“, freuen sich sowohl Marion Reif, als auch Heidi Liebl, über die vielen Komplimente, weil sie besagte Einzelstücke für die Nachwelt bewahren.

Mehr Fotos und alle Teile der Sammlerserie finden Sie unter hier!

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