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Natur

Streit um das Arracher Moor

Edeltraud und Paul Winterstetter fordern Maßnahmen zur Stabilisierung, Bürgermeister Sepp Schmid weist die Kritik zurück.

Zwei Sichtweisen gibt es zur Situation im Arracher Moor.
Zwei Sichtweisen gibt es zur Situation im Arracher Moor. Foto: wu

Arrach.Das Arracher Moor zählt nach Expertenmeinung zu den letzten existierenden Hochmooren Nordbayerns. Seit 1995 ist es als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Einige Zeit später wurde der Bereich zu einem einzeln stehenden FFH-Schutzgebiet erklärt, das keine Verbindung zu anderen Schutzflächen hat. Die gesamte Schutzfläche umfasst 19 Hektar. Moore bestehen aus Torf. Bei Wasserüberschuss im Boden siedeln sich Torfmoose an. Diese wachsen stetig nach oben, während die unteren Teile absterben und als „Torf” konserviert werden. Im Arracher Moor wurden Torfmächtigkeiten von 5,6 Metern festgestellt. Da das Torfwachstum im Schnitt nur einen Millimeter pro Jahr beträgt, ist das Moor dort also mindestens 5600 Jahre alt.

„Das Arracher Moor braucht dringend einen höheren Wasserstand, sonst trocknet es noch vollkommen aus.“ – Edeltraud und Paul Winterstetter, zwei Aktivisten aus den Reihen des Bundes Naturschutz (BUND), sehen eines ihrer Lieblingsprojekte in Gefahr. Und darum haben sie auch schon öffentliche Kritik geäußert.

Mehrere Besonderheiten

„Beim Arracher Moor liegen mehrere Besonderheiten vor“, erzählt Edeltraud Winterstetter. Nach ihren Worten ist es eines der wenigen Hochmoore in einer Tallage, zudem ein Moorkomplex aus mehreren Moortypen, wie etwa dem Hochmoor und dem Niedermoor. „Dazu kommt noch, dass das Arracher Moor ein so genanntes Durchströmungsmoor ist, das durch fünf Quellen gespeist wird.“ Trotz der Trockenheit und Hitze waren nach ihrer Ansicht die Quellschüttungen ausreichend. „Das meiste Wasser läuft allerdings ungehindert ab.“ Und das fehlt demnach nun dem Moor.

Vor einigen Wochen wurde eine Wasserstandserhöhung um etwa 26 Zentimeter im Gemeinderat beraten. Dafür müsste ein Damm am nordwestlichen Ende des Arracher Moores gebaut werden. „Das wäre die Mindesthöhe gewesen, aber es hätte dem Moor einiges gebracht“, meint Edeltraud Winterstetter. „Aber der Antrag fand keine Mehrheit.“

Das Geländer verbuscht

Schon der Anblick des Moores, so Edeltraud Winterstetter, belegt die Problematik: Nach ihrer Feststellung wachsen kaum noch typische Moorpflanzen wie das Wollgras oder das Torfmoos. Auch der Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, ist so gut wie verschwunden. Dafür wachsen jetzt überall Bäume und Büsche in die Höhe. Bulten und Schlenken – kleine Kuppen und Senken, sind laut Edeltraud Winterstetter moortypisch – aber „hier seit den Pflegemaßnahmen verschwunden“. Ihr Mann Paul ergänzt: „Das Gelände verbuscht derzeit völlig. Das ist Gift für ein Moor.“

Edeltraud und Paul Winterstetter, zwei Naturschützer aus den Reihen des Bundes Naturschutz, sorgen sich um das Arracher Moor.
Edeltraud und Paul Winterstetter, zwei Naturschützer aus den Reihen des Bundes Naturschutz, sorgen sich um das Arracher Moor. Foto: sn

Die Naturschützer haben immer wieder Eingaben an übergeordneten Einrichtungen wie die Obere Naturschutzbehörde eingereicht. „Bislang ohne Erfolg. „Wenn nicht bald der Wasserstand im Arracher Moor erhöht wird und vor allen Dingen auch die viel zu vielen jungen Bäume, Büsche und standortfremde Pflanzen, wie das Indische Springkraut entfernt werden, dann stirbt das wunderschöne Naturerbe Arracher Moor endgültig“, befürchtet das Ehepaar. „Denn durch das Laub der Platanen bekommt das Moor viel zu viel Nährstoffe.“ Sie vermissen zudem die großen Informationstafeln, die bis vor kurzem an den Eingängen zum Moor angebracht waren.

Im Bemühen alleingelassen

Edeltraud und Paul Winterstetter fühlen sich alleingelassen in ihrem Bemühen. Sie erinnern sich an ihren erfolgreichen Kampf um das Moor: 1992 habe die Gemeinde die Fläche zwischen der Staatsstraße nach Lohberg und der Bahnlinie als Gewerbegebiet ausgewiesen. 1993 habe sich der Bund Naturschutz eingeschaltet und weitere zwei Jahre später, 1995, wurde der Traum der Winterstetters und ihrer Mitkämpfer wahr: Das Arracher Moor wurde als Naturschutzgebiet ausgewiesen und einige Zeit später in die FFH-Liste mit aufgenommen.

„Sollte das alles umsonst gewesen sein?“, fragen die Winterstetters, „soll das Arracher Moor durch das Verweigern von mehr Wasser endgültig austrocknen?“

Wasser-Zulauf ging stark zurück

Die Kritik, das Arracher Moor trockne zu sehr aus und gehe kaputt, ist bei der Gemeinde Arrach bekannt. Bürgermeister Sepp Schmid weist sie aber zurück, beziehungsweise auf Zwänge hin. Das Ehepaar Winterstetter, das die Bedenken formulierte, hat laut Schmid dazu keine Rücksprache mit der Gemeinde oder dem Naturpark gehalten. Weil der Gemeinderat eine „angedachte Dammerhöhung im Bereich der Staatsstraße 2138, welcher den Wasserspiegel des Moores um 23 cm anheben sollte“ abgelehnt habe, sei Kritik gekommen.

Dass im Arracher Moor relativ wenig Wasser ist, sieht Schmid als Beleg dafür, dass die Einschätzung der Winterstetters nicht stimmt: Der fast völlig ausgetrocknete Überlauf des Moores belege doch, dass von fünf Quellen des Moores „bis auf zwei kleinere Rinnsale kein Wasser mehr geliefert wird“. Dieses sauge der Moorkörper gierig auf. Der Bürgermeister nennt als Grund für die nachlassenden Quellschüttungen „die lange Trockenperiode und die hohen Temperaturen dieses Sommers“ … „schon zwei Jahre hintereinander, dazu kommen in den letzten drei Jahren auch noch zwei nahezu schneelose Winter“.

Maßnahmen boykottiert

Zu der von den Winterstetters beklagten „Verbuschung“ mit moorfremden Bäumen und Stauden merkt Schmid an, dass jede beantragte Pflegemaßnahme der Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Naturpark „von den Winterstetters sofort mit einem Widerspruch boykottiert wird“.

Bürgermeister Sepp Schmid
Bürgermeister Sepp Schmid Foto: kpt

Seit der Ernennung des Arracher Moores zum Naturschutzgebiet sei der Bund Naturschutz keinerlei Unterstützung und Hilfe für die Gemeinde: Maßnahmen und Kosten habe die Gemeinde zusammen mit dem Naturpark getätigt und finanziert. Für das Projekt „Renaturierung Arracher Moor“ stehe mit Johann Braun (Naturpark) „ein wirklicher Kenner“ zur Seite. Die Gemeinde habe die Dammerhöhung abgelehnt, so Bürgermeister Schmid, weil befürchtet werde, dass die Standsicherheit der mitten im Moor stehenden Trafostation durch den steigenden Wasserspiegel gefährdet werde.

Zu einem weiteren Vorwurf der „Naturretter“ merkt Bürgermeister Schmid an, der Sonnentau sei deshalb im Moor fast nicht mehr zu finden, weil die bedingt frostharte Pflanze nach zwei schneelosen Wintern in Folge, mit sehr tiefen Temperaturen, „schlicht und einfach erfroren“ sei.

Der Arracher Rathaus-Chef kritisiert im Gegenzug einen anderen Umstand: Seit ungefähr zwei Jahren sei der Bund Naturschutz Eigentümer eines Grundstückes unmittelbar neben dem Moor. „Durch eben dieses Grundstück läuft die wohl ergiebigste Quelle des gesamten Moores. Querverbauten wie von Gemeinde und Naturpark im Moor angelegt, sucht man hier jedoch vergeblich. Vielmehr vernässt der durch das Grundstück verlaufende Wasserlauf die benachbarten Gewerbegrundstücke. Auch die Verbuschung nimmt hier ungehemmt ihren Lauf.“ Es gebe seitens der Naturschützern zweierlei Maß.

Beschluss akzeptieren

Bürgermeister Schmid merkt abschließend an: „Naturschutz funktioniert nur mit den Menschen – nicht gegen sie. Die Eheleute Winterstetter müssen lernen, einen Mehrheitsbeschluss eines demokratisch gewählten Gremiums zu akzeptieren.“ (sn/wu)

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