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Projekt

Bunte Literaten-Truppe sucht Inspiration

Ein Musikalienhändler, eine mongolische Akademikerin, eine Autorin von „Landidee“ – kreative Vielfalt schnürte Wanderschuhe.
Von Barbara Paschek-Wagner

Die Teilnehmer der grenzüberschreitenden Wanderung legten einen Stopp an der Reichsburg in Cham ein.
Die Teilnehmer der grenzüberschreitenden Wanderung legten einen Stopp an der Reichsburg in Cham ein.

Cham.Am fünften Tag des Projekts „Literatur in Wanderstiefeln über Grenzen hinweg“ machten sich die Teilnehmer auf die 5. Etappe von Cham nach Furth im Wald. Es war der letzte Wandertag in deutschen Gefilden auf dem Weg nach Pilsen.

Treffpunkt aller, die die Strecke ganz oder teilweise mitgehen wollten, war in Cham an der Brücke zum Biertor. Es herrschte Bilderbuchwanderwetter mit Sonnenschein und nach und nach trudelten die Teilnehmer ein. 25 waren es, die von Dr. Marita A. Panzer, der Vorsitzenden des Verbandes deutscher Schriftsteller Ostbayern, herzlich begrüßt wurden, hauptsächlich Autorinnen und Autoren und Literaturbegeisterte.

Die Organisation und Leitung der Etappe und der Abendlesung hatte Sabine Eva Rädisch übernommen. Sie ist Bauingineurin, Autorin und Schreibpädagogin. Mit dem Radl hat sie die ca.24 km lange Strecke erkundet und übernahm die Führung der Wanderer. Auf dem Programm standen der Aufstieg zur ehemaligen Reichsburg in Cham-Altenstadt mit kleiner Pause, um von dort die herrliche Aussicht auf Cham und das Regental auf sich wirken zu lassen. Dann ging es weiter über Kothmaißling nach Weiding zur Mittagsrast. Über Faustendorf ging es nach Arnschwang zur Ortsbesichtigung und Kaffeepause, um Kräfte zu sammeln für den Endspurt nach Furth.

Sabine Eva Rädsch wurde unterstützt von Martin Stauder, einem Mitglied ihrer Schreibgruppe, der schon die ersten beiden Etappen bis Nittenau dabei war und jetzt wieder zu der Gruppe gestoßen ist. Denn wenn Literaten wandern, ist es sinnvoll, nachzuschauen, ob noch alle da sind. So kann es vorkommen, dass man in ein Gespräch oder in den Anblick einer Landschaft vertieft ist oder schnell in ein verführerisches Schuhgeschäft reinspringen muss und somit etwas zurückfällt, was der Rest der Gruppe jedoch mit Humor trägt. Fragt man Martin Stauder, einen Krankenpfleger in Frührente, der Geschichten schreibt und einen Musikalienhandel betreibt, nach seinen Beweggründen für diese Wanderung, so erzählt er von seiner Begeisterung für die Landschaft in dieser Gegend, das Zusammensein mit Kollegen und den Vortrag seiner Geschichten am kommenden Freitag.

Eine sofort ins Auge springende Erscheinung ist Dr. Gangaamaa Purevdori. Ihre mongolische Abstammung unterstreicht sie durch das Tragen der entsprechenden Tracht. Sie lebt seit 20 Jahren in Deutschland, hat Politikwissenschaften, Deutsch und Vergleichende Kulturwissenschaft studiert, ist freiberufliche Autorin und betreibt ein Reisebüro für Mongoleireisen. Auch sie ist begeistert von den Kleinlandschaften, die sie an die Mongolei erinnern, nur dass alles viel grüner ist. Auch sieht sie die Bayern als „Freies Volk“, das sich nicht allen Zwängen beugt.

Elisabeth Aslan, Autorin bei der Zeitschrift „Landidee“, will einfach mal ausprobieren, wieweit sie ihre Füße tragen, freut sich auf das Zusammensein mit Gleichgesinnten und hofft, dass bei der Wanderung auch die aktuelle Flüchtlingswanderung Thema sein wird.

Auch aus Irland ist eine Vierergruppe dabei. Dazu gehört Finola Finlay, Archäologin, später Lehrkraft, jetzt Pensionistin und nur englischsprachig. Sie schreibt Blogs über Geschichte, Volklore, Festivals und Landschaften. Zeitweise fühlte sie sich von der Landschaft der letzten Etappen am Regen entlang ins Mittelalter versetzt, absolute Ruhe, kein Gefährt weit und breit, „aber dann biegst du um die Ecke und plötzlich steht eine riesige Maschine (Maishäcksler) vor dir und holt dich in die Gegenwart“. Sie sieht die Wanderung als Gelegenheit und Abenteuer und die Sprache und Lesungen, die sie nicht versteht, scheinen ihr wie Musik und Gedichte. Lustig findet sie, dass es in Tschechien fast allen deutschen Teilnehmern ebenso ergehen wird.

Viele der Mitwandernden freuen sich einfach darauf, eine andere Kultur kennen und damit verstehen zu lernen, sich inspirieren zu lassen, die Natur und die Gesellschaft Gleichgesinnter zu genießen. Der einzige, der bei dieser Gelegenheit fast arbeiten muss, ist der Regisseur Eric Grun, der von seinem Freund Rolf Stemmle dazu überredet wurde, einen 80-minütigen Dokumentarfilm über die Wanderung zu drehen und dem dabei 80 Kilometer Wegstrecke unterschlagen wurden.

Wenn Sie Lust bekommen haben, mitzuwandern, können Sie sich einfach anschließen. Ein Begleitfahrzeug befördert Gepäck und gegebenenfalls Personen jeweils zum Tagesetappenziel.

Informationen und Kontakt: Dr. M. A.Panzer, Vorsitzende des VS Ostbayern, Mobil 49 175 3 256 964

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