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„Cham bleibt die Goldsteig-Basis“

Der Markt rund um Milch und Käse scheint sich zu stabilisieren. Um flexibler zu sein, investiert Goldsteig in Niederbayern.
Von Christoph Klöckner

In Cham ist ein weiterer Ausbau schwierig, da der Platz rar ist und mehr Produktion auch mehr Verkehr bedeuten würde, was von der Emissionsbelastung zu viel werde für das Gebiet. Zudem liege Cham am Rande des Goldsteig-Einzugsgebiets, sagt Kraus – und betont, dass der Standort aber weiterhin die Zentrale bleiben werde.
In Cham ist ein weiterer Ausbau schwierig, da der Platz rar ist und mehr Produktion auch mehr Verkehr bedeuten würde, was von der Emissionsbelastung zu viel werde für das Gebiet. Zudem liege Cham am Rande des Goldsteig-Einzugsgebiets, sagt Kraus – und betont, dass der Standort aber weiterhin die Zentrale bleiben werde. Foto. ck

Cham.Ein neues Standbein wollen sich die Goldsteig Käsereien in diesem Jahr bauen. Doch nicht in Cham – auch wenn das mancher annimmt, der vorbeifährt und Baugerüste sieht – sondern in Niederbayern. „Wir werden künftig etwas ganz anderes, etwas Neues, machen“, sagt Geschäftsführer Andreas Kraus.

Heraus kommt dabei ein nach seiner Beschreibung völlig unaufregendes Produkt, ein Milchmolkekonzentrat, das einige Molkereien in Deutschland zu bieten hätten. Der Clou, warum die Goldsteig dafür einen höheren, zweistelligen Millionenbetrag für ein ganz neues Werk auf der grünen Wiese in Stephansposching ausgibt, ist ein anderer: Die Abnahme des Produkts ist über einen langfristig Vertrag mit einem Industrieunternehmen gesichert.

Dadurch wolle sich Goldsteig ein neues Standbein aufbauen. Und auch, wenn die Millionen dieses Mal nicht hier verbaut werden, versichert Kraus, dass die Kreisstadt Cham Zentrale und Hauptstandort bleiben werde. Sei das Werk in Stephansposching fertig, werde es am Ende der Ausbaustufe von der Verarbeitungsmenge her gesehen maximal die Hälfte des Chamer Standorts erreichen. Bereits vor drei Jahren habe das Unternehmen diese strategische Option ins Auge gefasst.

Seit zwei Jahren ein Vertrag

Und dann vor zwei Jahren den Vertrag mit einem Industriekunden abgeschlossen, der das Konzentrat abnehme; somit sei die Vertriebsseite für die Goldsteig Käsereien gelöst. Auch eine solche Kooperation mit der Industrie sei für Goldsteig neu. „Wir wollten keinen neuen Käse machen, sondern etwas anderes. Wir sind bereits sehr käselastig“, erklärt Kraus die Gründe. Was entstehe, sei keine Käserei, sondern ein industrieller Betrieb – auch das etwas Neues für die Genossenschafter. Der Kunde verarbeite das Konzentrat weiter, etwa zu Pulver für Babynahrung. Ziel der Neuausrichtung war es zudem, eine Lösung für die in die Jahre gekommenen Werke in Plattling und Tittling zu finden. „Die sind am Ende ihres Lebenszyklus angekommen!“, so Kraus.

In drei Jahren soll Tittling schließen, zunächst wird das Plattlinger Werk geschlossen – etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten fährt künftig nach Cham, die Übrigen werden über einen Sozialplan abgefunden. Am Ende ist mit der Schließung der Weichkäse bei Goldsteig Geschichte, der in Plattling hergestellt wurde.

Wir werden dadurch ein Spieler im Markt werden.“

Andreas Kraus, Geschäftsführer der Goldsteig Käsereien

Es habe nur die Möglichkeit gegeben: entweder schließen ohne Ersatz, sanieren oder gleich neu bauen. Das beginne man nun in Stephansposching. In zwei Baustufen soll bis 2020 eine ganz neue Produktion mit allen dazugehörenden Bereichen wie etwa Kläranlage, Energieversorgung oder Waschstraße für die Milchlaster entstehen. „Wir haben viele Optionen durchgearbeitet“, so Kraus. Am Ende kam das neue Werk heraus. Die erste Baustufe verwirkliche die Produktion des Milchmolkekonzentrats, die zweite Stufe sei für die Fettverarbeitung gedacht. Ein großes Fettverarbeitungszentrum entstehe dort und werde den Standort Tittling ersetzen, beschreibt er die Planungen.

Zahlen und Fakten

  • Beschäftigte

    Die Goldsteig Käsereien beschäftigen derzeit noch an drei Standorten in Cham, Plattling und Tittling knapp 800 Mitarbeiter. Die meisten Goldsteig-Beschäftigten arbeiten in Cham. Dort sind aktuell laut Gewerkschaft 688 Mitarbeiter im Betrieb, davon 116 als Leiharbeiter.

  • Wechsel

    Von den Plattlinger Mitarbeitern würden 33 nach Cham wechseln, wobei die Strecke von 75 Kilometern einfach über die B 20 schon eine Belastung sei, sagte Betriebsratsvorsitzender Peter Aschenbrenner. 25 Beschäftigte würden über den Sozialplan Abfindungen bis maximal 80 000 Euro bekommen.

  • Milchlieferungen

    Die gelieferte Milchmenge hat im Jahr 2016 laut Geschäftsführer Kraus etwas abgenommen. Bis Mai habe es zu viel Milch gegeben, dann sei die Menge gebremst worden, so dass am Ende zu wenig Milch zur Verarbeitung da war. Mittlerweile sei die Liefermenge wieder auf dem Niveau von 2014. Auch die Zahl der Milchbauern habe sich nicht wesentlich verringert – außer dem jährlich üblichen Minus.

  • Milchpreis

    Der Milchauszahlungspreis ist auf etwas über 32 Cent gestiegen und soll sich der Tendenz nach weiter nach oben entwickeln. Aus der Milch, die täglich angeliefert wird und insgesamt etwa 880 Millionen Tonnen pro Jahr ergibt, macht Goldsteig vor allem Mozzarella, dazu Mozzarella, Hartkäse, Butter und anderes. Der Umsatz des Unternehmens liegt etwa bei 470 Mio. Euro. Und liefernde Milchbauern hat die Genossenschaft etwa 3300. (ck)

Am Standort gebe es auch nach dem Neubau Optionen für die Zukunft: „Dort ist noch Wachstum möglich!“ Am Standort Cham sei das nicht so. Dort werde Goldsteig zwar auch in den kommenden Jahren viel investieren, doch eher in bestehende Anlagen und Gebäude. Es mache auch keinen Sinn, da Cham am Rande des Goldsteig-Einzugsgebiets für die Zulieferer, also die Milchbauern, liege.

Markt und Preise stabilisiert

Das Fett falle bei der Entstehung von Magermilch an. Bislang werde daraus in Tittling Butter gemacht – jedoch nur in kleinem Rahmen.

Durch die Magermilchkonzentrat-Produktion werde die Menge massiv wachsen. Goldsteig sei damit noch immer nicht übermäßig groß: „Doch wir werden dadurch zu einem Spieler im Markt werden“, so der Geschäftsführer. Goldsteig werde dann Butter in allen Variationen herstellen, es gebe schon viele Ideen, auch wenn das im Augenblick noch Zukunftsmusik sei. Sicher sei der Weg zu Magermilchkonzentrat kein innovativer, doch gewinne das Unternehmen damit ein neues Standbein.

Zur aktuellen Situation am Milchmarkt sagte Kraus, dass sich der Milchpreis stabilisiert habe über einen gestiegenen Verkaufspreis von Milchprodukten. Das Jahr 2016 habe überall Umsatzrückgänge gebracht. Bei Goldsteig habe sich die Erholung erst verspätet eingestellt, da man noch eine Zeit in längerfristigen Kontrakten gebunden gewesen sei. Soweit absehbar, werde sich der Markt bis Mitte 2017 weiter erholen.

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