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Militär

Cham ist der Pate seiner Soldaten

Die Garnisonsstadt Cham ist Pate der Panzerbrigade 12 Oberpfalz und feierte das mit Festakt, Serenade und Tag der Bundeswehr.
Von Johannes Schiedermeier

Die Soldaten der Panzerbrigade 12 Oberpfalz bildeten mit ihren Fackeln den festlichen Rahmen der abendlichen Serenade mit dem Heeresmusikkorps Veitshöchheim im Außenbereich der Stadthalle. Foto: Schiedermeier
Die Soldaten der Panzerbrigade 12 Oberpfalz bildeten mit ihren Fackeln den festlichen Rahmen der abendlichen Serenade mit dem Heeresmusikkorps Veitshöchheim im Außenbereich der Stadthalle. Foto: Schiedermeier

Cham.Der Kampf der Stadt Cham um ihre Soldaten hat vom ersten Tag an Tradition. Eine Interessengemeinschaft von Chamer Bürgern hat einst den Differenzbetrag von 31 534 DM zwischen dem geforderten und dem vom Bund zugebilligten Grundstückspreis draufgelegt und ermöglichte so den Baubeginn. So ebnete man im Juni 1959 dem Panzergrenadierbataillon 113 den Weg für den Einzug in die neue Kaserne.

Diese Hinwendung zu ihren Soldaten und der beherzte Kampf um den Erhalt der Kaserne zieht sich durch 60 Jahre der Geschichte. So überstand man – manchmal auch knapp und mit viel Glück – die Unwägbarkeiten der Umstrukturierungen in den Streitkräften und hatte am Freitagabend die Gelegenheit, in der Stadthalle zwei Geburtstage gleichzeitig zu feiern: 60 Jahre Garnisonsstadt Cham und 60 Jahre Panzerbrigade 12 Oberpfalz. Höhepunkt des Festaktes waren die Unterschriften von Bürgermeisterin Karin Bucher und Oberst Björn Schulz unter die Patenschaftsurkunde.

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Der schönste Punkt an diesem Abend war die abendliche Serenade des Heeresmusikorps Veitshöchheim unter Leitung von Oberstleutnant Kahle. Hunderte von Bürgern lauschten ab 22 Uhr im Außenbereich der Stadthalle den Klängen traditioneller Märsche, aber auch der heimlichen schottischen Nationalhymne „High-land Cathedral“. Die Szenerie beleuchteten Soldaten der Panzerbrigade mit Fackeln.

Bürgermeisterin Karin Bucher und Oberst Björn Schulz besiegelten mit ihren Unterschriften die Patenschaft zwischen der Garnisonsstadt Cham und der Panzerbrigade 12 Oberpfalz bei einem Festakt am Freitagabend in der Stadthalle.
Bürgermeisterin Karin Bucher und Oberst Björn Schulz besiegelten mit ihren Unterschriften die Patenschaft zwischen der Garnisonsstadt Cham und der Panzerbrigade 12 Oberpfalz bei einem Festakt am Freitagabend in der Stadthalle.

Bürgermeisterin Karin Bucher erklärte beim Festakt: „Unsere Soldaten waren für uns immer mehr als nur eine Institution.“ Ihre Generation sei noch geprägt von Kaltem Krieg und Wehrpflicht, von Aufrüstung und Kriegen. „Manche von uns haben Ihre Großväter nie kennengelernt“, so Bucher. Mit der Wehrpflicht sei viel verloren gegangen, auch die Information über die Bundeswehr, oft verbunden mit dem Verlust für das Verständnis der notwendigen Milliardenausgaben für eine starke Armee. Es sei einfach unlogisch in Zeiten der Globalisierung, den Wirkungskreis der Armee einzugrenzen. „Friedenssicherung ist zu einer globalen Aufgabe geworden“, stellte die Bürgermeisterin fest, die gerne wieder ein soziales Pflichtjahr für die Jugend hätte. „Die Bundeswehr geht alle an“, schloss sie.

Impressionen vom Tag der Bundeswehr in Cham

Erfolgreich für den Frieden

Brigadegeneral Björn Schulz dankte den Chamern für ihre Gastfreundschaft. Dieses Gefühl der Heimat für die Soldaten werde immer wichtiger angesichts des Wandels von Bundes- und Landesverteidigung in eine weltweit eingesetzte Armee. Die Panzerbrigade 12 Oberpfalz erfülle ihre Aufgaben derzeit in Bosnien, im Kosovo, in Afghanistan und Mali. „Die europäische Friedensidee ist alt, war aber nie so erfolgreich wie heute“, so der Oberst. Dank multinationaler Strukturen und der strategischen Verbundenheit in der Nato gebe es eine lange Friedensphase.

„Nehmen Sie uns auf in die große Familie Ihrer Stadt. Wir wollen Ihre Soldaten sein.“

Oberstleutnant Herold, 1959 (Erster Kommandeur in Cham)

Der Brigadegeneral staunte darüber, dass es bereits nach so kurzer Dienstzeit in der Chamer Kaserne eine Patenschaft der Stadt mit ihren Soldaten gebe. „Ich bin noch nicht lange hier, aber ich sehe nur Bewundernswertes und einen vorbehaltlosen Rückhalt in der Bevölkerung“, so Schulz. Im Gegenzug versicherte er: „Virtuti pro Patria – Der Tapferkeit für das Vaterland – so lautet unser Leitspruch und er ist auch unser Versprechen an Sie.“

Rund 300 Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Bundeswehr waren zum Festakt mit Patenschaftsübernahme am Freitagabend in die Chamer Stadthalle eingeladen und lauschten dann im Freien der Serenade des Heeresmusikkorps.
Rund 300 Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Bundeswehr waren zum Festakt mit Patenschaftsübernahme am Freitagabend in die Chamer Stadthalle eingeladen und lauschten dann im Freien der Serenade des Heeresmusikkorps.

Als Stadtarchivar der Extraklasse angekündigt, wurde Timo Bullemer seinen Vorschusslorbeeren gerecht, und lieferte mit seinem Einblick 60 Jahre Geschichte einen lebendigen und kurzweiligen Glanzpunkt des Abends. Er schilderte die Auswirkungen des Eisernen Vorhangs mit 35 Prozent Arbeitslosigkeit. Die ersten Versuche und Rückschläge beim Bau einer Kaserne und schließlich den Einzug des Panzergrenadierbataillons 113 1959. 560 Mann kamen damals und ihr erster Kommandeur, Oberstleutnant Herold, bat die Chamer: „Nehmen Sie uns auf in die große Familie Ihrer Stadt. Wir wollen Ihre Garnison und Ihre Soldaten sein.

1964: Panzer in der Stadt

Es gab auch etwas kuriose Ereignisse. So sorgte im September 1964 der Oberstleutnant Kaiser mit einer Panzerübung mitten in der Stadt dafür, dass die „Roten Truppen“ Cham überrollten und eine weiße Fahne auf dem Rathaus gehisst werden musste. Zum Glück marschierten tags darauf bei Arnschwang die „Blauen Truppen“ auf und eroberten im Straßenkampf die Stadt zurück. Schon da zeigten die Chamer, dass sie ihrer Gastgeberrolle gewachsen waren: 450 Familien ließen die Soldaten bei sich privat übernachten.

Zu den Kuriositäten gehörte auch eine verlorene Wette bei „Wetten dass...“, die 1987 Iris Berben in den Standort führte, wo sie vielbeachtet die Betten der 2. Kompanie bauen musste. Seither wechselten immer wieder Waffengattungen und Bataillone. Eins blieb: das gute Verhältnis der Stadt zu all den Soldaten, die kamen.

Heimatminister Albert Füracker hielt die Festrede in der Stadthalle und stellte den Chamern und ihrer Garnison ein hervorragendes Zeugnis aus: „Ihr Chamer wart 60 Jahre perfekte Gastgeber für Euere Soldaten.“
Heimatminister Albert Füracker hielt die Festrede in der Stadthalle und stellte den Chamern und ihrer Garnison ein hervorragendes Zeugnis aus: „Ihr Chamer wart 60 Jahre perfekte Gastgeber für Euere Soldaten.“

Das betonte auch Festredner Heimatminister Albert Füracker: „Ihr Chamer wart 60 Jahre gute Gastgeber für Euere Soldaten und es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass das bleibt. Auch der Minister erinnerte sich an den beherzten Kampf der Chamer um ihren Standtort. Die Panzerbrigade sei zurecht in Cham beheimatet. Füracker würdigte die Verdienste der Panzerbrigade 12 Oberpfalz für den Erhalt des Friedens und ihre Auslandseinsätze: „Die Anwesenheit von Soldaten bedeutet Frieden.“

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