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Fortbildung

Das Fahren mit Blaulicht will geübt sein

Mit der Sirene über die rote Ampel – oder besser doch nicht? Feuerwehrleute aus dem Landkreis Cham trainieren am Simulator.

Kreisbrandrat Hans Weber informiert sich über die Ausbildung am Fahrsimulator.
Kreisbrandrat Hans Weber informiert sich über die Ausbildung am Fahrsimulator. Foto: Pfeilschifter

Cham.48 Fahrer von Freiwilligen Feuerwehren aus dem Landkreis Cham können derzeit an einer ganz besonderen Fortbildung teilnehmen: Mit einem Blaulicht-Simulator dürfen sie den Ernstfall trainieren. Er steht seit Montag bis zum Donnerstag im Gerätehaus der Chamer Feuerwehr zum Training zur Verfügung.

Einmal mit Blaulicht und Sirene über die rote Ampel fahren, auf der Straße am Stau vorbeiziehen oder mitten durch die Fußgängerzone rauschen: Welcher Autofahrer hat davon nicht schon geträumt? Für diejenigen, die das tatsächlich dürfen, ist eine Blaulichtfahrt aber eher eine stressige Angelegenheit. Einerseits muss es schnell gehen, um Menschenleben zu retten oder Sachwerte zu erhalten. Andererseits darf durch eine Blaulichtfahrt niemand gefährdet werden. Und gerade bei Feuerwehrautos sind auch hohe Summen im Spiel, eine Drehleiter kostet rund 800 000 Euro, ein Löschfahrzeug bis zu 400 000 Euro. Sie zu Schrott zu fahren, wäre fatal.

Blaulichtfahrten dürfen in der Praxis aber nicht geübt werden, für die Fahrer bleibt neben einer theoretischen Einweisung also nur „learning by doing“. Um bei der Ausbildung von Feuerwehrfahrern praktische Hilfe zu leisten, haben die Versicherungskammer Bayern und das Innenministerium einen Fahrsimulator für Blaulichtfahrten im Jahr 2012 zur Verfügung gestellt. Das Gerät wurde vom Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften in Zusammenarbeit mit der Polizei entwickelt und kam jetzt zum zweiten Mal in der Chamer Feuerwache zum Einsatz.

Realistische Situationen

Im „Sondersignal-Fahrt-Trainer“, wie das Gerät offiziell heißt, können sich die Fahrer der Landkreisfeuerwehren fortbilden. In acht Trainingseinheiten wurden jeweils sechs Feuerwehrleute an dem Simulator geschult. Vor großen Bildschirmen werden dabei sehr realistisch verschiedene Situationen bei Blaulichtfahrten eingespielt, vom Überqueren einer Kreuzung bei roter Ampel über die Passage einer engen Rettungsgasse auf der Autobahn bis hin zur Fahrt bei dichtem Nebel. Ein Trainer, der von der Versicherungskammer kostenlos gestellt wurde, bespricht dabei mit den Fahrern die jeweilige Situation und gibt wertvolle Tipps für die Praxis.

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„Hintergrund ist die Unfallprävention“, sagt Trainer Reiner Greif, der mit dem Fahrsimulator durch Bayern tourt: „Wir trainieren Situationen, die während einer Einsatzfahrt zu einem Unfall führen können.“ Rund 65 verschiedene Einsatzszenarien können mit dem Sondersignalfahrt-Trainer simuliert werden. Jeder Schulungsteilnehmer darf damit drei Fahrten unternehmen – eine zum „Eingewöhnen“, eine mit einem Einsatzszenario in der Stadt, eine weitere mit dem Einsatzszenario auf dem Land. Aber vorher gibt’s ein bisschen Theorie.

Hohes Risiko bei Einsatzfahrten

„Unsere Leute haben einhellig berichtet, dass diese Fortbildung sehr gut ist und für die kommenden Einsatzfahrten anschauliche Informationen geliefert hat“, sagt Kreisbrandrat Hans Weber, der eine solche praxisnahe Fortbildung begrüßt und sich erfreut zeigt, dass der Simulator bereits zum zweiten Mal für den Landkreis gewonnen werden konnte. Denn Statistiken zeigen, dass im Vergleich zu einer Fahrt ohne Sonderrechte bei einer Einsatzfahrt mit Blaulicht und Sirene ein vierfaches Risiko für einen tödlichen Unfall besteht, ein achtfaches Risiko für einen Unfall mit Schwerverletzten und ein 17-faches Risiko für einen Unfall mit hohem Sachschaden.

Das Training im „Blaulicht-Simulator“ dient dazu, Unfälle zu verhindern. Die Ampel ist rot. Der Gegenverkehr fährt schon in die Kreuzung ein. Links vorbeiziehen und als Geisterfahrer einen Unfall riskieren? Oder hinter den Autos in Ruhe warten bis die Ampel wieder grün wird? Feuerwehrleute, die ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn fahren, müssen diese Entscheidungen innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde selbst treffen. (cft)

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