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Aktion

Das war der Tag der Bundeswehr in Cham

Die Veranstaltung lockte rund 15.000 Bürger trotz brütender Hitze auf die Veranstaltungsmeile in der Further Straße.
Von Johannes Schiedermeier

Für ein Probesitzen im Cockpit des Kampfflugzeuges Tornado nahmen viele Besucher trotz brütender Hitze lange Wartezeiten in Kauf. Währenddessen erhielten sie aber viele Informationen. Foto: si
Für ein Probesitzen im Cockpit des Kampfflugzeuges Tornado nahmen viele Besucher trotz brütender Hitze lange Wartezeiten in Kauf. Währenddessen erhielten sie aber viele Informationen. Foto: si

Cham.Er sollte eine riesen Viecherei werden, der Tag der Bundeswehr. Als er vorbei war, da wussten die Bürger vieles über ihre Soldaten und hatten Bison, Marder, Puma, Igel, Büffel, Mammut, Leo und Co. kennengelernt. Alle mit viel PS und manches Getier auch extrem gefährlich.

Es war aber nicht nur die Gegenwart extremer Feuerkraft, die an diesem Tag die Musik machte. Wer sich die Mühe machte, der konnte auch die Menschen in den Uniformen kennenlernen. Den Panzerpionier zum Beispiel, der den ganzen Tag (!) in seinem 42 Kilo schweren Schutzanzug unterwegs war. Der jedem unermüdlich die Kühl- und Lüftungsfunktionen seiner 13 Kilogramm schweren Helms erläuterte, bei 30 Grad um 16 Uhr noch genauso freundlich war, wie um 9 Uhr bei Ausstellungsbeginn. Und der auf entsprechendes Staunen das alles in bayerischer Ruhe mit den Worten abtat: „Wem’s net g’fallt, der macht’s net!“

Impressionen vom Tag der Bundeswehr in Cham

Geduld und Wünsche

Der Überflug der neuen Transportmaschine A400M in 150 Metern Höhe über dem Ausstellungsgelände gehörte zu den Erlebnissen des Tages der Bundeswehr. Foto: Fred Wutz
Der Überflug der neuen Transportmaschine A400M in 150 Metern Höhe über dem Ausstellungsgelände gehörte zu den Erlebnissen des Tages der Bundeswehr. Foto: Fred Wutz

Da war aber auch der nette Hauptfeldwebel Blöchl, der den Echo-Reporter sieben Stunden durch den Tag der Bundeswehr begleitete und sich am Ende sogar den Sonnenbrand mit ihm teilte. Oder der Stabsfeldwebel auf der Tragfläche des Tornados, der gefühlt zum 200. Mal das Cockpit des Co-Piloten erklärte und den vom Durchschmoren auf dem heißen Kampfjet nur eine zwei Zentimeter dicke Gummimatte trennte. Oder der freundliche Feldjäger mit dem Vollbart, der eine Stunde lang jedes Kind auf den Sitz seiner schweren Maschine hob und ihm erklärte, wie man das Blaulicht einschaltet.

Militär

Cham ist der Pate seiner Soldaten

Die Garnisonsstadt Cham ist Pate der Panzerbrigade 12 Oberpfalz und feierte das mit Festakt, Serenade und Tag der Bundeswehr.

Der neue Schützenpanzer Puma wiegt mehr als 40 Tonnen und ist die jüngste Verstärkung der Panzerbrigade 12 Oberpfalz. Auch er war in der Ausstellung ständig umlagert. Foto: si
Der neue Schützenpanzer Puma wiegt mehr als 40 Tonnen und ist die jüngste Verstärkung der Panzerbrigade 12 Oberpfalz. Auch er war in der Ausstellung ständig umlagert. Foto: si

Da war der Pionier, der auch dann noch freundlich blieb, als er zum vierten Mal geduldig einem Buben erklärt hatte, dass er nicht am Joystick des Baggers reißen soll, weil es sonst auch den standfestesten Pionier von der Kette fegt. Es war auch der Tag, an dem sich manche einen Wunsch erfüllen konnten. Einmal im Innenraum eines Panzers sitzen oder im Cockpit eines Kampfjets. Einmal richtig im Sand baggern ... Nur eines gab es an diesem Tag nicht: Waffen in Kinderhand. „Kinder sind nicht unsere Zielgruppe. Und der 17-Jährige weiß schon, was er einmal will“, erklärte ein Hauptfeldwebel.

Das war der Tag der Bundeswehr in Cham

Der Sturm auf Duck-Town

Die Truppenbekleidung gestern und heute war das Thema einer besonderen Modenschau. Auch die Entwicklung hin zum neuen Kampfanzug hatte – dank humorvoller Präsentation der Pannen – viele Lacher. Foto: si
Die Truppenbekleidung gestern und heute war das Thema einer besonderen Modenschau. Auch die Entwicklung hin zum neuen Kampfanzug hatte – dank humorvoller Präsentation der Pannen – viele Lacher. Foto: si

So mancher Besucher mag sich gewundert haben, als er auf der „Dynamischen Meile“ von der Besuchertribüne aus auf einem Holzhaus die Beschreibung „Duck-Town“ (Entenhausen) las. Die Panzergrenadiere lüfteten das Geheimnis um 9.30 Uhr bei der ersten Vorführung. Duck-Town musste gestürmt werden, weil dort eine Straßenbarrikade errichtet worden war. Die Truppe zeigte an diesem Tag, wozu sie in der Lage ist. Unterstützt von Kampfpanzer Leo und Schützenpanzer Marder besetzten sie Häuser und das Publikum erlebte mit gelbem Gehörschutz in den Ohren, wie bei der Bundeswehr der Nachschub rollt, oder die Pioniere eine Brücke schlagen.

Ohne Nachschub läuft in der Truppe gar nichts. Bei den Vorführungen präsentierten die Soldaten technische und logistische Fähigkeiten und zeigten, welches Gerät dafür zur Verfügung steht. Foto: si
Ohne Nachschub läuft in der Truppe gar nichts. Bei den Vorführungen präsentierten die Soldaten technische und logistische Fähigkeiten und zeigten, welches Gerät dafür zur Verfügung steht. Foto: si

Seit diesem Tag weiß der Besucher auch, dass der Bison 510 PS hat und ein Bergefahrzeug ist. Oder dass das Mammut 70 Tonnen wiegt und einen Leo 2 abschleppen kann. Spätestens bei der Modenschau bekam er auch einen Einblick in die besondere Form des Sarkasmus’, der in der Truppe zu finden ist. Er weiß jetzt, dass es sich bei der Filzlaus um einen äußerst kratzigen Mantel handelt und dass es sogar ein Haarnetz in der Kleiderkammer der Bundeswehr gab, nachdem Kanzler Helmut Schmidt 1970 mit der Aufhebung des Haarerlasses die „German Hairforce“ ermöglicht hatte, in der damals auch langes Haar möglich war. Und so nahm jeder für sich an diesem Tag einen ganz eigenen Einblick mit nach Hause. Das war es wohl, was sich die Veranstalter gewünscht hatten.

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