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Der American Dream im Bayerwald

Tanja und Jürgen Wittmann sind fasziniert von den USA. In ihrem Chamer Lokal L.A. haben sie den Traum verwirklicht.
Von Gregor Raab

  • Tanja Wittmann hat mit ihrem Mann Jürgen im Lokal L.A. in der Chamer Badstraße den „American Dream“ verwirklicht. Fotos: Tschannerl
  • Die Deko im L.A. verdeutlicht die Liebe der Wittmanns zu den USA. Fotos: Tschannerl

Cham.The American Dream – Der amerikanische Traum. Wer ihn erleben will, muss nicht zwangsläufig in die USA reisen – es reicht auch ein Abstecher in die Chamer Badstraße. Dort offenbart sich den Gästen des Life-Style-Cafes L.A. eine irrsinnige Welt, die wie keine zweite den typischen „American way of life“ zum Ausdruck bringt.

Ein außergewöhnliches Sammelsurium amerikanischer Dinge gibt diesem Ort seinen amerikanischen Charakter und unnachahmlichen Charme. An den Wänden hängen Plakate von vergangenen Konzerten, Trikots von US-Sportlegenden, alte Nummernschilder oder bunte Werbetafeln. Ein ausgedientes Surfbrett und signierte Gitarren zieren die Einrichtung.

Tanja Wittmann in diesem Video präsentiert das L.A. Video: Tschannerl

Das L.A. in der Chamer Badstraße ist nicht mehr aus dem Nachtleben der Region wegzudenken.
Das L.A. in der Chamer Badstraße ist nicht mehr aus dem Nachtleben der Region wegzudenken. Fotos: Tschannerl

Das Betreiberehepaar Wittmann ist viel im Land der unbegrenzten Möglichkeiten rum gekommen, wie die unzähligen Erinnerungsstücke bezeugen. Zwei Amerika-Fans, die ihre Leidenschaft mit der Eröffnung der „Coast II Coast-Roadbar“ zum Beruf gemacht haben. „Wir waren schon immer von den USA begeistert“, sagt Tanja. Sie fasziniere an den Vereinigten Staaten vor allem die einmaligen Kontraste zwischen Megastädten und unberührter Natur mit atemberaubenden Landschaften. Auf ihren Mann Jürgen üben dagegen die amerikanische Lebensweise und die Mentalität der Leute eine besondere Anziehungskraft aus. Rockmusik, Pickup-Trucks, Fast-Food, BBQ, Hollywood-Blockbuster – in vielen Bereichen gelten die USA als Land der Superlative.

Hochzeit in Vegas im Helikopter

Der Enthusiasmus der beiden ging sogar so weit, dass sie im Jahr 2007 beschlossen, in der Glitzermetropole Las Vegas zu heiraten. Aber nicht - wie für die Hochzeitshochburg Vegas typisch - in einer kleinen Wedding-Chapel mit einem Standesbeamten im Elvis-Look schworen sie sich die ewige Treue, sondern im Hubschrauber mit einem spektakulären Blick auf das Lichtermeer des Strips.

Born in the U.S.A. – das sind die Wittmanns zwar nicht, dafür hat ihnen der Boss Bruce Springsteen eine Platte signiert, die im Lokal hängt.
Born in the U.S.A. – das sind die Wittmanns zwar nicht, dafür hat ihnen der Boss Bruce Springsteen eine Platte signiert, die im Lokal hängt. Fotos: Tschannerl

„Das war echt fett“, erinnert sich Jürgen. Braut und Bräutigam saßen neben dem Piloten, dahinter der Pfarrer und die beiden Trauzeugen. Kommuniziert wurde ausschließlich über das Headset, andernfalls wäre das Ja-Wort im Helikopterlärm untergegangen. Die Hochzeitsfeier fand dann nach der Landung bei McDonalds am Boulevard statt. „Wir waren schon ziemlich spät dran und fanden auf die Schnelle keine passende Location mehr“, erklärt Tanja. Jürgen ergänzt noch mit einem Schmunzeln: „Das war eine spontane Aktion. Zum Hochzeitstag gibt es bei uns nun immer Big Macs.“

Die Sammler

  • Die Liebe zu Amerika:

    Tanja und Jürgen Wittmann leben in Cham. Beide teilen die Begeisterung für die Vereinigten Staaten. Das Paar nutzt jede sich bietenden Möglichkeit für einen USA-Trip. Ans Auswandern wie Jürgens Schwester Lisa Beck, die seit 1997 mit den Kindern Jenny und Jimmy in Amerika lebt, dachten die beiden aber noch nie.

  • Das erste Lokal:

    Die ersten Schritte in die Gastronomie wagten die gelernte Bürokauffrau und der Elektrotechniker mit dem „Alternativ“ am Rindermarkt in Cham, das sie zunächst nebenberuflich betrieben. „Wir sind unseren damaligen Arbeitgebern noch immer sehr dankbar, dass sie uns diese Möglichkeit eingeräumt haben“, sagt Tanja.

  • Seit 2009 sind sie im L.A.:

    Im Jahr 2009 beschlossen die beiden, ihre Idee auszubauen und eröffneten in der Badstraße das Life-Style-Cafe L.A. Mit der richtigen Mischung aus harten Gitarrenriffs, saftigen Steaks und Burgern sowie entspannter Atmosphäre ist das Lokal inzwischen aus Cham nicht mehr wegzudenken.

  • Die Sammlung:

    Im Lokal finden die Gäste viele Erinnerungsstücke, die Tanja und Jürgen von ihren Reisen nach Amerika mitgebracht haben.

Die Heiratsurkunde von diesem unvergesslichen Tag ist nun in ihrem Life-Style-Cafe neben vielen anderen Errungenschaften aus den Vereinigten Staaten zu bestaunen. Voller Stolz präsentieren die Wittmanns bei einem Rundgang ihre Schätze. Ihre Passion für Amerika spiegelt sich bereits im Fuhrpark.

Ein Chevrolet-Pickup, Baujahr 1951, empfängt die Gäste im L.A.
Ein Chevrolet-Pickup, Baujahr 1951, empfängt die Gäste im L.A. Fotos: Tschannerl

Auf dem Parkplatz des Lokals steht ein ehemaliger Schulbus des Herstellers GCM, der von ihnen inzwischen zu einer mobilen Küche für Burger, Burritos und Steaks umfunktioniert wurde. Daneben parkt ein schwarzer Dodge-Van mit der weißen Aufschrift der amerikanischen Spezialeinheit „S.W.A.T“. Selbst den Eingangsbereich des Restaurants schmückt ein stillgelegter Pickup von Chevrolet, Baujahr 1951, der viele Jahre auf den Straßen von Kalifornien unterwegs war. Die Besucher werden an der Tür von einem großen Nachbau der Freiheitsstatue begrüßt. Über ihr prangt der Sternenbanner. Ihn erwarb das Paar in New York am „National 9/11 Memorial“, wo früher die Twin-Tower des World-Trade-Centers standen.

In New York spürten die Wittmanns die amerikanischen Themen wie Freiheit und Patriotismus ganz stark.
In New York spürten die Wittmanns die amerikanischen Themen wie Freiheit und Patriotismus ganz stark. Fotos: Tschannerl

„Dieser Ort hat uns persönlich sehr bewegt. Die Ausstellung geht einem unter die Haut“, erinnert sich Tanja. Aus ihrer Sicht spüre man an dieser Stelle die amerikanischen Themen wie Freiheit und Patriotismus ganz stark. Generell stellen die Amerikaner ihr Nationalbewusstsein gerne zur Schau, wie die beiden bei einem Besuch eines Baseball-Spiels der „Los Angeles Dodgers“ erlebten.

Das Trikot von Dirk Nowitzki

Die Trikots im L.A. zeugen von der Sportbegeisterung der Besitzer.
Die Trikots im L.A. zeugen von der Sportbegeisterung der Besitzer. Fotos: Tschannerl

Vor der Partie erhoben sich alle Zuschauer, um mit der Hand an der Brust voller Inbrunst die Nationalhymne zu singen. „Da bekommt man Gänsehaut“, sagt Jürgen. Hinter dem Tresen erinnert die Wittmanns nun täglich eine kleine Wackelfigur vom damaligen Dodgers-Coach an dieses Ereignis. Sport nimmt generell einen hohen Stellenwert innerhalb der amerikanischen Gesellschaft ein. Events wie der Super Bowl versetzen nicht nur die Amerikaner in einen kollektiven Wahnsinn, sondern ziehen auch Jürgen in ihren Bann. Sein Herz schlägt neben Basketball, Eishockey und Baseball vor allem für American Football, wie ein Blick auf die vielen NFL-Trikots im L.A. sofort verrät. So ist es nicht verwunderlich, dass er auch ein Gründungsmitglied der legendären „Chamer 89“ ist, die bis Mitte der 90er im ASV-Stadion dem ovalen Leder nachjagten. Wenn möglich verfolgt Jürgen bis tief in die Nacht die Spiele der NFL vor dem Fernseher, wobei er vorrangig den „San Francisco 49ers“ die Daumen drückt. Der Super Bowl - das „Highlight des Jahres“ - ist dann sogar auf den großen Bildschirmen im L.A. zu sehen.

So titelte eine Zeitschrift zum Tode des Nirvana-Sängers Kurt Cobain. Im L.A. hat das Cover einen Ehrenplatz,
So titelte eine Zeitschrift zum Tode des Nirvana-Sängers Kurt Cobain. Im L.A. hat das Cover einen Ehrenplatz, Fotos: Tschannerl

Ein signiertes Trikot von Dirk Nowitzki vom All-Star-Game im Madison Square Garden und etliche Jerseys von Eishockey- und Baseball-Profis ergänzen die außergewöhnliche Sportsammlung. Im Club finden sich aber auch besondere Raritäten wie eine ausgemusterte Trainingsbombe der US-Navy oder ein Buch von William G. Baker, dem letzten Insassen des berühmt-berüchtigten Hochsicherheitsgefängnisses „Alcatraz“. Dieses Werk ergatterten die Wittmanns vom Autor persönlich während eines Besuchs der Touristenattraktion in der Bucht von San Francisco. Ein weiteres Prunkstück ist ein gerahmtes Originalexemplar der Zeitschrift „New Musical Express“ vom 5. April 1994, dem Todestag von Kurt Cobain. „Das war ein schwerer Verlust für die Grunge-Musik“, bedauert Nirvana-Fan Jürgen den Suizid des Rockstars. Mit ihrer Leidenschaft für Hardrock haben die Wittmanns das L.A. inzwischen auch zu einem Szenetreff für ganz Ostbayern und darüber hinaus gemacht. Amerikanische Erfolgsbands wie „Tito und Tarantula“, „Sepultura“ und „Exodus“ geben sich in der Badstraße gegenseitig die Klinke in die Hand. Weitere Teile unserer Sammler-Serie finden Sie hier.

„L.A. sucks, but this club fucking kicks ass“

Sepultura

Annährend 1000 Gigs sind bislang in der Eventhalle über die Bühne gegangen. Im Backstage-Bereich bietet der Club deswegen eine weitere Attraktion: Ähnlich dem „Walk of fame“ in Hollywood haben sich dort die Künstler an der „Fucking wall of fame“ oder auf der Decke angebrachten Tafeln verewigt. „Jeder, der bei uns spielt, darf hier dauerhaft eine Spur hinterlassen“, sagt Jürgen, während er mit einer schwungvollen Handbewegung in den Raum deutet. „Jede Signatur erzählt eine eigene Geschichte“, lacht Tanja und deutet dabei auf einen Satz von Evil Jared, dem Bassisten der „Bloodhound Gang“: „Just gepisst me in die Lederhose (25.12.11)“. Dass sich die Rocker im L.A. pudelwohl fühlen steht aber bei den vielen lobenden Kommentaren außer Frage. „Best Burger Ever“, ist dort beispielsweise zu lesen. „L.A. sucks, but this club fucking kicks ass“, finden wiederum die Thrash-Metaller von „Sepultura“. Ein Statement, das Bände spricht.

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