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Tiere

Der Gifttod lauert am Straßenrand

Bereits drei Hunde sind am Chamer Katzberg mit Rattengift vergiftet worden. Ob mit Absicht, das ist die große Frage.
Von Christoph Klöckner

  • Angelika Hofmaier mit einem Erinnerungsfoto ihres Hundes Duke, das sonst an der Wand in der Küche hängt. 14 Jahre begleitete er die Familie – der plötzliche Abschied schmerzte. Foto: Klöckner
  • Rattengift ist auch für Menschen gefährlich. Foto: dpa

Cham.14 Jahre hat Duke die Familie Hofmaier begleitet. Vor fünf Wochen ist er gestorben – an Rattengift. Er litt zuletzt Qualen. Um ihm die vielen Schmerzen abzunehmen, entschlossen sich Lisa und Angelika Hofmaier schweren Herzens, den geliebten Vierbeiner einschläfern zu lassen. „Er war wie ein Familienmitglied“, sagen die beiden am Küchentisch ihrer Mietwohnung am Katzberg. Sie sind noch immer traurig, dass es soweit gekommen ist. Doch habe es am Ende keinen anderen Weg mehr gegeben, sagt Angelika Hofmaier. Duke habe sich nur noch gequält, sei innerlich verblutet. Um anderen solch ein schreckliches Erlebnis zu ersparen, warnen sie Hunde- und auch Katzenbesitzer auf diesem Weg vor dem unbedachten Gang durch Katzberg. Denn ihr Duke ist wohl nicht das einzige Opfer, wie sie vor kurzem erfuhren.

Spaziergang am Höhenweg

Duke war vor etwa einem Vierteljahr plötzlich krank geworden, nach einem Spaziergang rund um den Höhenweg in Katzberg. Der Hund habe nicht mehr gehen können und nichts mehr gefressen, so Familie Hofmaier. Er habe Durchfall bekommen und ganz schwer geatmet. Nach einer kurzen Erholung sei es noch heftiger gewesen. Schließlich seien sie zur Tierklinik nach Miltach gefahren. Aufgrund der Symptome seien sie gefragt worden, ob man das Tier einschläfern solle. Doch sei man da noch unschlüssig gewesen, habe noch gehofft. „Wir haben wissen wollen, was genau los ist“, sagt Angelika Hofmaier. Deshalb habe man eine Blutuntersuchung veranlasst. Das Ergebnis: Duke hatte Kontakt mit Rattengift.

Über Nacht sei der Zustand des Hundes nochmals schlechter geworden, beschreibt Angelika Hofmaier. Die inneren Organe seien betroffen gewesen – am Morgen habe man keinen Ausweg mehr gesehen. Um dem Weggefährten das Leiden zu ersparen, habe man den einst quirligen Jack-Russel-Terrier einschläfern lassen.

Und sich auch immer wieder gefragt, wie er mit dem Gift in Berührung gekommen sei. Rattengift, so habe die Tierärztin erklärt, sei süßlich und werde deshalb gern gefressen. Es genüge aber auch ein Beschnüffeln des Köders, um gesundheitliche Probleme zu bekommen. Man habe nach Spuren des Giftes gesucht, habe nichts gefunden.

Ein toter Golden Retriever

Irgendwann sei sie dann einer Bekannten begegnet, die auch rund um den Höhenweg in Katzberg wohnt und einen Golden Retriever hatte. Als sie danach gefragt habe, sei herausgekommen, dass der Hund vor kurzem plötzlich gestorben sei. Mit den gleichen Symptomen wie ihr Duke. Dabei wurde auch klar, dass die Besitzer an der gleichen Stelle mit dem Hund spazieren waren, wie die Hofmaiers mit ihrem Vierbeiner – rund um den Höhenweg. Am nächsten Tag sei der Retriever tot gewesen.

Vorsicht Rattengift!

  • Köder

    Fraßköder, die neben den tote Ratten liegen, werden von Artgenossen in der Regel nicht mehr angenommen – dafür sind Ratten zu klug. Als Rodentizid – also chemisches Gift gegen Nager – bieten sich so genannte Antikoagulantien an, weil sie in den Fraßködern nur eine relativ niedrige akute Toxizität für Menschen haben.

  • Rodentizide

    Herkömmliche Rodentizide dürfen seit dem 1. Januar 2013 nicht mehr im Einzelhandel verkauft werden. Der Vertrieb erfolgt seitdem nur noch über den Fachhandel, die Anwendung ist nur noch sachkundigen Personen erlaubt. Beim Rodentizid werden die Gerinnungsfaktoren des Blutes beeinflusst. Durch die veränderte Struktur der Gerinnungsfaktoren kann das Blut nicht mehr gerinnen, wird dünner.

  • Wirkung

    Die Wirkung wie Leberschädigung und Verbluten tritt daher erst ein, nachdem die zum Zeitpunkt der Gabe des Wirkstoffs im Blut zirkulierenden Gerinnungsfaktoren verbraucht sind. Dies ist erst nach ca. 6 Stunden der Fall. Durch den verzögerten Eintritt der Wirkung zählen Rodentizide zu den wirksamsten Bekämpfungsmitteln. Die Aufnahme erfolgt oral, über die Haut oder über die Atmung. Langzeituntersuchungen zum Gift liegen nicht vor. Raubtiere sind durch Sekundärvergiftungen gefährdet, wenn sie sich überwiegend von vergifteten Tieren ernähren. Quelle: wikipedia

Das dritte Opfer des Rattengiftes kam schließlich wieder aus der eigenen Familie. Die Schwester war zu Besuch mit ihrem acht Monate alten Rhodesian Ridgeback. Seit September sei er nun krank und in Dauerbehandlung. Auch hier habe sich Rattengift als Ursache herausgestellt. Der junge Hund werde wohl überleben können, doch ein Leben lang auch Medikamente nehmen müssen, da die inneren Organe geschädigt seien, so Angelika Hofmaier. Vom Hörensagen sei dazu ein weiterer Fall in Katzberg gekommen – bei der Kirche im Dorf sei wohl ein Tier vergiftet worden. Mittlerweile fragen sich Hofmaiers, wer so etwas macht und, ob weitere Hunde- oder auch Katzenbesitzer betroffen sind. Und auch, ob hier fahrlässig oder absichtlich gehandelt werde – also hier absichtlich Tiere vergiftet würden.

Die Köder müssten entlang der Straße oder Feldwege liegen. Die Hunde seien nicht auffällig gewesen, hätten nicht dauernd gebellt oder so etwas. Auch wenn sie mit Duke unterwegs war, habe es nichts zu beklagen gegeben, so Angelika Hofmaier: „Wir hatten immer ein Tütchen dabei!“ Auch gebe es vor Ort keine Rattenplage, die man bekämpfen müsse.

Kampf entlang des Wassers

Zumeist entlang des Regens und im Kanalsystem würden Ratten in der Stadt bekämpft, sagt Ordnungsamtschef Josef Altmann. Vor allem dort, wo Enten gefüttert würden. In diesem Sommer sei es dazu wegen Erdarbeiten am Floßhafen zu Hinweisen auf Ratten gekommen.

Bekämpft werde nur punktuell und sicher – die Köder lägen so, dass kein Haustier gefährdet werde, so der Ordnungsamtsleiter. Die Polizei in Cham hat bislang aus den vergangenen Monaten keinerlei Meldung zu vergifteten Haustieren.

Sie habe eigentlich im Sommer ihre zwei Katzen raus lassen wollen, sich das aber nach den Ereignissen anders überlegt, sagt Lisa Hofmaier. Man müsse ja auch daran denken, dass hier viele Kinder spielen würden. Nicht auszudenken, wenn die das Gift finden würden und etwas passiere, meint Angelika Hofmaier.

Immer wieder wurden Hunde im Landkreis Cham mit giftigen oder präparierten Ködern getötet. Besondere Aufmerksamkeit erregte der Tod des Collie-Mischlings „Deejay“ aus Weiding im April.

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