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Menschen

Der „heimliche Außenminister“ ist tot

Der ehemalige Chamer Landrat Max Fischer war eine bundesweit bekannte Persönlichkeit. Am Samstag starb er im Alter von 88 Jahren.

  • CSU-Spitzen der 1960er und 70er Jahre im Landkreis Cham: Franz Gruber (v. li.), Dr. Max Fischer, Dionys Jobst, Heinrich Eiber und Ernst Girmindl
  • Als Bauernbub wurde Max Fischer (re.) in Altenmarkt geboren. Foto: Archiv

Cham.„Zähmt diesen wildgewordenen Landrat!“ – so telegrafierte das Auswärtige Amt 1964 ins Bayerische Innenministerium nach München zu einer Zeit, als es deutschen Politikern noch verboten war, Kontakte durch den „Eisernen Vorhang“ zum Ostblock aufzunehmen. Doch aufhalten ließ sich der Chamer Landrat Dr. Max Fischer dadurch nicht – und wurde so zu einer bundesweit bekannten Persönlichkeit – vom damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel als „heimlicher Bayerischer Außenminister” tituliert. Am Samstag ist er im Alter von 88 Jahren gestorben.

Dadurch wurde er bekannt – für seine guten Kontakte zu den Nachbarn.
Dadurch wurde er bekannt – für seine guten Kontakte zu den Nachbarn. Foto: Archiv

Fischer führte seine Gespräche mit der tschechoslowakischen Seite weiter. Begonnen hatte alles im Jahr 1960 mit einer Kuh, die sich bei Furth im Wald auf CSSR-Territorium verirrt hatte und schließlich wieder zurückgeholt werden konnte. Der Chamer schleuste deutsche Bischöfe durch den Eisernen Vorhang und flog Not gelandete deutsche Flugzeuge eigenhändig aus der CSSR zurück. Konrad Adenauer meinte zu seinen Ostkontakten: „Schreiben Sie mir eine Ansichtskarte aus Sibirien!”

„Er konnte mit Menschen“

Das Geheimnis, warum der Kontakt hier funktionierte, verriet Eberhard Heger, Zeitzeuge und Echo-Redakteur an seinem 90. Geburtstag im Februar dieses Jahres: „Er konnte mit Menschen.“ So einfach war das. Legendär ist die Geschichte, als Heger als Echo-Reporter mit Dr. Fischer über die Grenze zu einem Treffen mit tschechischen Grenzern fahren durfte. Da gab es damals ein Foto, dass Dr. Fischer Eberhard Heger lange übelgenommen hat: der Chamer CSU-Landrat mit einer Kommunisten-Uniformmütze auf dem Kopf.

Dr. Max Fischer

  • Schule

    Dr. Max Fischer wurde am 6. Mai 1927 in Cham-Altenmarkt als Sohn eines Landwirtes geboren. Der Chamer Reichtstags- und spätere Landtagsabgeordnete Hans Eder nahm ihn auf, damit er hier auf die Oberrealschule gehen und später Jura studieren konnte.

  • Familie

    1945 trat Fischer der CSU bei. 1956 heiratete er seine Frau Hildegard. Die beiden haben zwei Kinder, Max Peter und Michaela.

  • Studium

    Er studierte nach dem Abitur zuerst Volkswirtschaftslehre an der Philosophisch-theologischen Hochschule Regensburg und danach Rechts- und Staatswissenschaften in Heidelberg und München, wo er auch beide juristische Staatsexamen ablegte. Zusätzlich absolvierte er die Verwaltungsakademie in Speyer.

  • Politik

    Zum Chamer Landrat wurde er 1959 gewählt und blieb es bis 1972. Landtagsabgeordneter wurde er 1962. Zum Staatssekretär im Umweltministerium wurde er 1977 durch Ministerpräsident Alfons Goppel berufen. 1986 schied Fischer aus Kabinett und Landtag aus.

  • Ehrungen

    Sein Wirken wurde unter anderem mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1986), dem Bayerischen Verdienstorden (1971) und dem Kreisehrenzeichen in Gold (1978) gewürdigt.

  • Beerdigung

    Der Rosenkranz wird für ihn am Freitag ab 14 Uhr gebetet, um 14.30 Uhr beginnt der Trauergottesdienst in St. Jakob.

Dr. Max Fischer wurde 1928 in Altenmarkt bei Cham als Sohn eines Bauern geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er in Regensburg und München Jura. Anschließend war er für die Regensburger Filiale einer Versicherung tätig, bevor er 1959 für die CSU zum Landrat von Cham gewählt wurde. Später war er Abgeordneter des Bayerischen Landtags, dann Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen.

Dr. Max Fischer prägte die Politik des Landkreises.
Dr. Max Fischer prägte die Politik des Landkreises. Foto: Archiv

Politisch wurde er zum Staatssekretär im Mai 1977 ins Kabinett von Ministerpräsident Alfons Goppel berufen, wo er bis 1986 blieb. Trotz des Weges nach München verlor Fischer nie den Kontakt zur Heimat. Im Kreistag war er fast 50 Jahre engagiert – bis zum 30. April 2008. „In dieser langen Zeit hat er sich nicht nur als Kreisrat, sondern auch in vielen anderen führenden Positionen in der Kommunal- und Landespolitik mit vollem Einsatz und spürbarer Freude an der Politik um die Verbesserung der Lebensverhältnisse in unserer Heimat verdient gemacht“, würdigte Landrat Franz Löffler den Verstorbenen am Montag.

Tödlichen Unfall verursacht

Vor allem seine Zeit als Chamer Landrat blieb den Menschen im Kopf, als er tschechoslowakischen Politikern praktische Fragen wie die Regelung des Grenzverlaufs, die Öffnung eines Grenzüberganges bei Furth und anderes klärte. Schließlich setzte er sich in Prag für die Bewilligung von Ausreiseanträgen, die Zusammenführung von getrennten sudetendeutschen Familien und die Freilassung von politischen Gefangenen ein.

Ein schwarzer Sonntag war der 5. August 2009 in seinem Leben, als er mitten in Cham am Steinmarkt mit seinem blauen Mercedes einen tödlichen Verkehrsunfall verursachte. Eine Frau starb bei dem Unfall, fünf Passanten wurden verletzt. Fischer konnte nie erklären, was passiert war – ob Fahrfehler oder technischer Defekt. Er akzeptierte einen Strafbefehl und gab seinen Führerschein ab. „Es lastet was auf der Seele“, sagt er im Gespräch zu dem Thema. (ck)

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