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Ehrung

Der Landkreis Cham ist „Landschaft 2017“

„Der Phönix aus der Asche unter den Landkreisen“: Die Deutsche Stiftung für Kulturlandschaft vergab den Preis in Berlin.
Von Reinhard Zweigler

Karl Holmeier, Marianne Schieder und Franz Löffler mit Dr. Helmut Born
Karl Holmeier, Marianne Schieder und Franz Löffler mit Dr. Helmut Born Foto: Markus Mempel

Cham.Es ist eine ganz besondere und deutschlandweit einmalige Ehrung, die der Landkreis Cham heuer von der renommierten Deutschen Stiftung für Kulturlandschaft (DSK) bekommt. „Der Landkreis wird mit Fug und Recht die Landschaft 2017“, erklärte der DSK-Vorsitzende Helmut Born am Freitag in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin bei der Vorstellung des Preisträgers. Für diesen, alle zwei Jahre vergebenen Titel kann man sich nicht bewerben, sondern die Stiftung wählt selbst gründlich unter den rund 400 Kreisen aus.

„Schönste Region Deutschlands“

„Die Entscheidung für den Landkreis Cham ist uns sehr leicht gefallen“, sagte Born. Dieser Kreis mit fantastischer Landschaft, breitgefächerter Kultur und enormer Wirtschafts- und Innovationskraft sei in Deutschland „so etwas wie der Phönix aus der Asche unter den Landkreisen“. Noch vor 30 Jahren wäre der Kreis an der Grenze zu Tschechien das „Aschenputtel“ unter den bayerischen Regionen gewesen. Mitte der 80er Jahre lag die Arbeitslosigkeit im damaligen Zonenrandkreis im Winter bei 47, im Sommer immer noch bei 17 Prozent. Viele junge Menschen zogen weg in die großen Städte, der Arbeit und der Ausbildung wegen.

Doch dieser Trend der Entleerung und Entvölkerung wurde nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erfolgreich umgekehrt, erläuterte Landrat Franz Löffler vor Berliner Journalisten. Der Preis mache die Menschen stolz und sei eine „ganz besondere Ehre und Auszeichnung“. Die Grenzöffnung 1989/90 sei für den Landkreis das „größte Förderinstrument“ gewesen. Man habe in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten nicht gejammert, sondern sich auf die eigene Kraft besonnen, sagte Löffler.

Die Stiftung

  • Funktionen

    Die Deutsche Stiftung Kulturlandschaft setzt sich seit ihrer Gründung 2006 für den Erhalt und die ressourcenverträgliche Weiterentwicklung der über Jahrhunderte gewachsenen, bäuerlich geprägten Kulturlandschaft ein. Gestaltet von Menschen, die in ihr leben, erfüllt sie ökonomische, ökologische, soziale und kulturelle Funktionen.

  • Ziel

    Ziel der Stiftungsarbeit ist eine ökonomisch tragfähige, nachhaltige Nutzung und Entwicklung der Kulturlandschaft, um die Existenzgrundlage ihrer Bewohner auch in Zukunft zu sichern.

Drei wesentliche Gründe führte er an, die zum Aufstieg geführt haben: Erstens hätten sich mutige Unternehmer getraut, mit Innovationen Wertschöpfung in die Region zu holen. „Sie haben in die schönste Region Deutschlands kräftig investiert“, lobte der CSU-Politiker. Er verwies zugleich auf inzwischen 70 000 Erwerbstätige, davon rund 2800 akademische Arbeitsplätze, bei einer auf 125 000 Menschen angestiegenen Bevölkerung. Löffler geriet ins Schwärmen über das neue Kompetenznetzwerk Mechatronik, mit 30 mittelständischen Industriebetrieben aus Maschinenbau, Industrieelektronik und Kunststofftechnik, über den Technologiecampus sowie den Aufbau einer digitalen Leitfabrik.

Silicon Valley im Bayerwald

Dort werden neuartige Herstellungsverfahren, etwa 3D-Druck, entwickelt. Also nichts von wegen „Hinterwäldler“, vielmehr eine Art Silicon Valley im Bayerischen Wald. Der Landkreis setze nicht nur auf die klassische Wirtschaftsförderung, sondern helfe kleineren Unternehmen beim Übergang in digitale Strukturen.

Dazu gehöre unbedingt das Engagement für Schulen, Fachschulen und Fachhochschulen, die mitunter sogar gegen den Widerstand der Staatsregierung in die Region geholt wurden. Inzwischen ist der Landkreis als „Bildungsregion in Bayern“ anerkennt. Damit verweist Löffler auf den zweiten Grund: Die Menschen hätten mit Fleiß, Qualifizierung und Innovationskraft selbst zum Erfolg beigetragen. Und schließlich habe auch die Politik früh die Rahmenbedingungen geschaffen. Motto: Jammern geht gar nicht, anpacken!

Der Chamer CSU-Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier nimmt die „Erfolgsgeschichte“ des Kreises zum Anlass für seine Prognose: „Die Zukunft Deutschlands liegt in den ländlichen Räumen.“ Und SPD-Kollegin Marianne Schieder lobt, im Landkreis wurde Großartiges geleistet. Ganz offiziell soll der Preis in einer Landtagssitzung im Juli überreicht werden. Mit dem Preisgeld von 10 000 Euro soll die digitale Vernetzung des öffentlichen Personenverkehrs gefördert werden, verrät Landrat Löffler.

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