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Der Schuh-Tick der Bürgermeisterin

Bunt, extravagant, hoch – so mag Karin Bucher Schuhe am liebsten. Uns hat sie ihre Sammlung zu Hause in Cham gezeigt.
Von Jana Wolf

Die Sandale ist der neuste Zugang in Karin Buchers riesiger Schuhsammlung. Foto: Wolf
Die Sandale ist der neuste Zugang in Karin Buchers riesiger Schuhsammlung. Foto: Wolf

Cham.Karin Buchers neueste Errungenschaft hat dreizehn Zentimeter Absatz und viereinhalb Zentimeter Plateau. Die Sandale ist mit einem gemusterten Stoff bezogen, der an italienische Fresken erinnert. Nur sind die Farben knalliger und die abgebildeten Figuren kitschiger als auf historischen Kirchenbemalungen. Dieses Exemplar stammt von Buchers Lieblingsdesignerin Charlotte Olympia. Die Bürgermeisterin hält den Schuh zwischen ihren Fingerspitzen, dreht und wendet ihn, ihre Augen strahlen: „Sieht der nicht wahnsinnig toll aus?“

Vor etwa fünf Jahren hat Bucher begonnen, ihre Leidenschaft für Schuhe auszuleben. Wie viele sie mittlerweile besitzt, weiß sie selbst nicht genau – 100 bis 200 Paare vielleicht. Ein rasanter Zuwachs. „Ja, das ist völlig irre“, sagt Bucher. Und wie viel kosten die Designerstücke im Schnitt? „Das sage ich lieber nicht, sonst steht es in der Zeitung und meine Mutter schimpft mich.“ Bucher, die selbst keine Kinder hat, legt offensichtlich Wert auf das mütterliche Urteil. Doch dann verrät sie: In Ausnahmen könne es vierstellig werden.

Eine Sammlerin seit der Kindheit

Auf jeder Treppenstufe in Buchers Haus stehen zwei bis drei Paar Schuhe. Foto: Wolf
Auf jeder Treppenstufe in Buchers Haus stehen zwei bis drei Paar Schuhe. Foto: Wolf

Schon als Kind hat Bucher Seifen gesammelt, Hunderte habe sie gehabt. Heute sammelt sie außer Schuhen auch Bierdeckel und Hülsen von Lippenstiften. Woher kommt die Sammlerei? Bucher führt sie auf ihre sehr sparsame Kindheit zurück. Der Vater war Maurer, die Mutter Hausfrau. Da blieb kein Geld für die Sonderwünsche der Kinder. Zur Schulzeit musste sie die Kleidung des älteren Bruders tragen. „Das will man irgendwann kompensieren“, gibt sie zu.

Die Schuhe hat sie auf der geschwungenen Treppe in ihrem Haus aufgereiht, zwei bis drei Paare pro Stufe. „Ich schaue meine Schuhe gerne an. Das ist eine Freude.“ Während andere sich sündhaft teure Autos kaufen, leiste sie sich eben diesen Luxus.

Den eigenen Tick nicht vertuschen

Bei diesem Schuh dient eine Flaschenpost als Absatz. Foto: Wolf
Bei diesem Schuh dient eine Flaschenpost als Absatz. Foto: Wolf

Jeder Mensch habe eine irrationale Seite, sagt die Bürgermeisterin. Manche würden ihre Ticks unterdrücken, gerade in der Öffentlichkeit. Bucher fährt eine andere Strategie: Sie gibt die unvernünftigen Facetten preis. Nur so könne sie authentisch bleiben. Die Schuhe dienen ihr also nicht dazu, fest auf dem Boden zu stehen. Sie sind eine Ablenkung vom Boden der harten Tatsachen. „Ich glaube ein Schlüssel für die innere Zufriedenheit ist, sich so darzustellen, wie man ist.“ Dafür nimmt Bucher in Kauf, von manchen belächelt zu werden.

Ein Satz, Frau Bürgermeisterin, mit dem Sie nach Ihrer Amtszeit in Erinnerung bleiben wollen. Pause. Buchers Blick schweift durch den Raum. „Ich würde mir wünschen, dass die Leute über mich sagen: Sie war ein ganz normaler Mensch.“

Die Chamer Bürgermeisterin hat uns die Sammlung in Ihrem Haus persönlich gezeigt. Die ausgefallensten Exemplare haben wir in unserer Bildergalerie für Sie zusammengestellt:

Raritäten aus Karin Buchers Schu-Sammlung

Was an Schuhen politisch ist

Die Bürgermeisterin greift zu einem Schuh mit hohem Keilabsatz, rosa Stoff mit Raffung, Schleife an der Spitze. Sie hält ihn hoch und sagt: „Dieser Schuh ist politisch.“ Bei der Debatte um die Chamer Stadthalle sei es auch um die Frage gegangen, ob der Neubau nur funktional oder auch schön sein soll. Bucher plädiert für eine optisch ansprechende Halle. In der heutigen Zeit käme die Schönheit viel zu kurz. Genau das symbolisiert der Schuh, sagt Bucher – und kann sich das Grinsen nicht verkneifen.

Im Video spricht Karin Bucher über Ihren Schuh-Tick – und erklärt, was an Schuhen politisch ist:

Karin Bucher erklärt, was an Schuhen politisch ist. Video: Wolf

Die Schönheit der Schuhe soll auf die Trägerin abstrahlen. Mit hohen Absätzen stehe man aufrechter als mit flachen, weiß die Expertin. Sie strecken Bein und Oberkörper.

Karin Buchers Lieblingsschuh im Alltag. Foto: Wolf
Karin Buchers Lieblingsschuh im Alltag. Foto: Wolf

Auch wenn dieses Hobby zur inneren Ausgeglichenheit beiträgt, schmeichelt es Bucher doch, wenn sie anderen mit den Schuhen gefällt. „Ein gewisses Maß an Eitelkeit ist natürlich dabei.“ Wieder schießt ihr ein Gedanke an die Mutter durch den Kopf. „Oje, was wird meine Mutter sagen, wenn sie das in der Zeitung liest?“ Die hätte sich eine brave Tochter gewünscht.

Die Sammler aus dem Landkreis Cham: Hier lesen Sie weitere Berichte.

Zur Person und der Sammlung

  • Die Sammlerin

    Karin Bucher ist seit Mai 2008 Bürgermeisterin von Cham. Sie ist alleinstehend, hat keine Kinder und lebt in einem Haus nahe Chammünster, gegenüber ihres Elternhauses. Ihre Treppe dient als Schuhablage.

  • Die Sammlung

    Bucher hat seit der Kindheit eine ausgeprägte Sammlerleidenschaft. Seit etwa fünf Jahren baut sie ihre Schuhsammlung auf. Das erste Paar waren Stiefel von Dolce & Gabbana, die sie auf Ebay ersteigert hat.

  • Die Quelle

    Die Bürgermeisterin bestellt ihre Schuhe vor allem online. Zum Shoppen fehle ihr die Zeit, sagt sie. Ihre Lieblingsdesignerin ist Charlotte Olympia, aber auch Louboutin oder Armani gehörten zur Sammlung.

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