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Technik

Der Tourismus in der SoLoMo-Zukunft

Urlauber buchen in Zukunft (fast) nur noch online. Urlaubsregionen müssen sich sozial, lokal, mobil und nützlich darstellen.
Von Roman Hiendlmaier

Multimedia à la Hubermedia: Ist- und Soll-Zustand eines zukunftssicheren Online-Auftritts erklärte Stefan Huber am Beispiel der Stadt Kötzting.
Multimedia à la Hubermedia: Ist- und Soll-Zustand eines zukunftssicheren Online-Auftritts erklärte Stefan Huber am Beispiel der Stadt Kötzting. Foto: rh

Cham.Fragt man Stefan Huber, wo die Urlaubsregion der Zukunft liegt, erhält man eine vielsagende Antwort: „Im Internet“. Als Chef einer Multimedia-Agentur muss er das wohl sagen, aber schließlich ist sich seine Branche einig: „Der digitale Wandel hat gerade erst begonnen“. Diesen Spruch hat Huber am Mittwoch im Chamer Technologie-Campus an die Wand beamen lassen, um selbst hinzuzufügen, dass das vor allem für die Tourismusbranche gelte.

Huber, 33 und diplomierter Informatiker, sollte es wissen. Er gehört zu den führenden Spezialisten für digitale Angebote im Bereich Touristik bundesweit. Seit 2008 – damals noch als Student – tummelt sich der Computerfachmann aus dem Urlaubsregion Lam in der Urlaubsbranche, seit Anfang des Jahres ist er Säule des neuen IT-Forums der IHK Cham. Mit IHK-Repräsentant Brunner, Netzwerkmanager Zankl, IT-Sicherheitsexperte Hruby und Unternehmensberater Reitmeier hat Huber das Programm für die beiden IT-Tage erarbeitet. In den Sälen drängen sich Mittwoch und Donnerstag Touristiker und Unternehmer, um Licht ins Dunkel aus Clouds, Content und weiteren Fachbegriffen geleuchtet zu bekommen.

Allen Kritikern zum Trotz, die bemängeln, dass sich der Erholungssuchende schon heute im digitalen Gestrüpp aus Vergleichsportalen und Suchmaschinenergebnissen verheddert, bevor er überhaupt weiß: Berge oder Ballermann? Bad Kötzting oder Barcelona? Beachclub in Mallorca oder Bio-Resort in Rimbach? – Stefan Huber sieht die Tourismuszukunft alternativlos digital.

Wandern am Arber – vom Sofa aus

„Vor drei Jahren habe ich von Samsung erstmals den Begriff SoLoMo gehört – seitdem weist alles darauf hin, dass darin tatsächlich die Zukunft der digitalen Geschäftswelt liegt“, berichtete Huber. SoLoMo steht für Social, Local, Mobile, also Soziale Medien, lokale Angebote und mobile Endgeräte. SoLoMo steht für Denken und Handeln im Internet, wo dank schier unendlich wachsender Rechen- und Speicher-Leistung Online- und Offlinewelt verschmelzen.

Ältere wie Soziologen mögen darüber die Stirn runzeln, das ist Stefan Huber bewusst, aber es ändere nichts daran: „Telefonieren und E-Mail sind für Oma und Opa.“ Nur durch eine gute Außenkommunikation habe eine „Destination“, wie Urlaubsregion im Fachjargon heißt, Zukunft. Und, wie gesagt, die (digitale) Zukunft habe gerade erst begonnen.

Wie diese schöne neue Ferienwelt beispielsweise 2020 aussieht, weiß Huber schon heute: „Das Urlaubsfeeling beginnt auf der Couch.“ Nicht wie heute, durch stundenlanges Graben durch ein Urlaubs-Portal, welches der 343 gerade verfügbaren Angebote das richtige für einen ist – 2020 setzt man wahrscheinlich ein skibrillen-artiges Gebilde auf, und wandert via Google Earth am Arber. Oder man schwimmt im AQACUR. Oder man spaziert durchs Wallfahrtsmuseum. „VR – Virtual Reality“ heißt das und ist ein Paradebeispiel für besagtes „Denken und Handeln im Internet“. Für den Bayerwald mag das Zukunftsmusik sein. Die touristischen Vorreiter, wie Oberbayern oder Österreich, füllten gerade die Auftragsbücher der entsprechenden VR-Agenturen.

„Und wer braucht das?“ wurde Huber während seines Vortrags zwar nicht explizit gefragt. Aber es stand als imaginäre Frage über vielen Zuhörerköpfen. Der erfahrene Präsentator Huber hat dafür einen Sensor: „Es ist nicht die Frage, wer das braucht, und ob Sie oder ich das haben wollen – wenn das ihr Mitbewerber bietet und es ankommt, wird es zum Standard, ohne den auszukommen, es Anbieter schwer haben werden.“

Und wer braucht das?

Ob und welche dieser Techniken zum Standard werden und welche zur Randnotiz der Technikgeschichte, wollte Huber nicht orakeln. „Es entwickelt sich so vieles, dass auch wir nicht alles überblicken.“ Manches sei jedoch auch für Technik-Laien klar ersichtlich: Wem heute noch nicht klar sei, dass Breitbandausbau in jedem Winkel und freies WLAN Standard sein müssen, der sorge dafür, dass aus einer dahingehend rückständigen Urlaubsregion eine chancenlose werde.

Die ihr Netz gespannt haben, können beginnen, die Chancen zu nutzen, die da lauten: Echtzeitansprache für jeden Besucher einer Online-Seite: „Hallo, wie kann ich ihnen helfen?“ Oder eine Wander- und Radlfahrer-App, die im Notfall den Rettungsdienst verständigt – nur durch Schütteln des Handys.

Dass so eine SoLoMo-Zukunft wirklich jeder brauchen kann, wurde allen Zuhörern klar.

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