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Medizin

Die Chamer Geburtshelfer kündigen

Nach dem Weggang dreier Ärzte droht der Gynäkologie in Cham das Aus. Die Sana Klinik versichert dagegen: „Es geht weiter!“
Von Johannes Schiedermeier

Dr. Jakub Nosek (links) hat für Ende Juli die Mitarbeit im Chamer Krankenhaus gekündigt. Dr. Bornhaupt will nur noch bis 31.3.2016 den Belegarztvertrag erfüllen.
Dr. Jakub Nosek (links) hat für Ende Juli die Mitarbeit im Chamer Krankenhaus gekündigt. Dr. Bornhaupt will nur noch bis 31.3.2016 den Belegarztvertrag erfüllen. Foto: si

Cham.Die Nachricht platzte wie eine Bombe. Dr. Jürgen Bornhaupt, Dr. Annette Salterberg und Dr. Jakub Nosek haben den Sana Kliniken des Landkreises Cham die Zusammenarbeit aufgekündigt. Facharzt Dr. Nosek hat seine Mitarbeit im Krankenhaus zum 31. Juli gekündigt. „Damit sind wir auch raus“, sagt Dr. Jürgen Bornhaupt, der mit Dr. Annette Salterberg die Belegabteilung der Gynäkologie und Geburtshilfe betreibt.

Dr. Bornhaupt – auch sonst ein Freund klarer Aussprache – bringt es auf den Punkt: „Der Herr Bredel hat gepokert und mit einem schlechten Blatt geblufft. Wir werden uns künftig mit einem Geschäftspartner zusammentun, der nicht gegen uns taktiert, sondern mit uns paktiert!“

Vertrag läuft am 31. März 2016 aus

Auch Dr. Annette Salterberg (rechts) bleibt bis 31.3.2016 über den Belegarztvertrag in Cham. Entbunden werden aber nur noch die Patienten der Chamer Praxis.
Auch Dr. Annette Salterberg (rechts) bleibt bis 31.3.2016 über den Belegarztvertrag in Cham. Entbunden werden aber nur noch die Patienten der Chamer Praxis. Foto: si

Dr. Bornhaupt geht davon aus, dass er mit Dr. Salterberg ab 1. August 2015 nur noch Patienten aus der eigenen Chamer Belegarztpraxis behandeln muss. „So steht es in unserem Belegarzt-Vertrag, den wir selbstverständlich bis 31.3.2016 erfüllen werden.“ Damit werden rund 200 Frauen in Cham von Bornhaupt und Salterberg entbunden. Was ist mit den rund 700 anderen Schwangeren aus dem restlichen Landkreis? „Wir sind zu zweit einfach nicht mehr in der Lage, die zu betreuen. Wir können nicht 900 Geburten im Jahr verantworten. Das sind wir auch den Frauen schuldig“, sagt Dr. Bornhaupt.

Im Schreiben heißt es: „Solcherart getäuscht und enttäuscht, hat Herr Dr. Nosek unserer Praxis die Mitarbeit im Krankenhaus gekündigt. (...) Daher haben wir beschlossen, dauerhaft und endgültig den Auftrag einer geburtshilflichen Versorgung in Cham von unseren Schultern zu schütteln und sie an jene zurückzugeben, die das politische Mandat dazu haben.“

Dr. Bornhaupt formuliert, was er mit „Täuschung und Enttäuschung“ meint. Die Belegärzte seien trotz jahrelanger Mahnungen und Bitten um Hilfe von Sana-Geschäftsführung und Landrat im Stich gelassen worden. Alle Verantwortlichen hätten beispielsweise gewusst, dass die Versicherungssumme pro Arzt von 20 000 auf 50 000 Euro im Jahr geschnellt seien.

„Wir ziehen die Notbremse“

Die Arbeit in Cham sei aufgrund der guten Akzeptanz der Ärzte und der Schließung von Abteilungen in der Nachbarschaft immer mehr geworden, das Personal immer weniger. „Diese auf die Schultern von drei Fachärzten zu verteilen, übersteigt das Menschenmögliche“, sagt Dr. Bornhaupt.

Er berichtet von ständigen Wochenenddiensten, verbunden mit der Tatsache, dass man am Ende die Geburtshilfe sogar aus eigenen Einnahmen aus Praxis und OP mitfinanziert habe. Zwei weitere Fachärzte hätten die Praxis weitere 300 000 Euro gekostet. „Mehr wirft die Geburtshilfe im Jahr aber nicht ab. Und weil uns keiner hilft, müssen wir jetzt die Notbremse ziehen“, so Dr. Bornhaupt.

2014 war Franziska das 800. Baby im Kreißsaal der Sana Klinik Cham. Mama Verena Rösch präsentierte den Nachwuchs vor dem Wandspruch „Sterne fallen nicht vom Himmel, sie werden geboren“. Sana verspricht aber, dass die Zukunft der Geburtshilfe nicht in den Sternen steht.
2014 war Franziska das 800. Baby im Kreißsaal der Sana Klinik Cham. Mama Verena Rösch präsentierte den Nachwuchs vor dem Wandspruch „Sterne fallen nicht vom Himmel, sie werden geboren“. Sana verspricht aber, dass die Zukunft der Geburtshilfe nicht in den Sternen steht. Foto: ck

Von Sana-Geschäftsführer Otto Bredel erwartet sich Dr. Bornhaupt gar nichts mehr. Er zweifelt auch die Behauptung Bredels an, dass der Aufsichtsrat eine Hauptabteilung beschlossen habe. „Ganz abgesehen davon, das sich die erst ab 1200 Geburten pro Jahr rentiert.“

Landrat besteht auf Versorgung

Landrat Franz Löffler lässt die Beschuldigung, er habe die Belegärzte im Stich gelassen, nicht auf sich sitzen: „Wir haben uns regelmäßig über diese Probleme unterhalten. Aber am Ende hat der Kreistag das operative Geschäft in die Hände von Sana gelegt. Und dabei bleibt es.“

Löffler sagt aber auch ganz klar: „Es ist eine unverrückbare Vorgabe der Landkreispolitik, dass eine Gynäkologie und Geburtshilfe stationär betrieben werden müssen. Darauf werden wir weiter bestehen. Ob das dann eine Hauptabteilung oder eine Belegabteilung ist, das muss Sana entscheiden.

Kommentar

Der Fluch der schwarzen Zahl

Rentabel musst Du sein. Vom ersten Tag an. Du kommst auf die Welt und irgendein Verwaltungsheini entscheidet, was das kosten darf. Nun ist es raus. Die...

Wichtig ist, dass Geburten und Behandlungen weiter im Landkreis möglich sind. Eine Hauptabteilung ist seit längerem nicht nur im Gespräch, sondern tatsächlich angedacht.“

Sana-Pressesprecherin Sandra Seidl stellte dazu auf Anfrage fest: „Die Gynäkologie und Geburtshilfe in den Sana Kliniken des Landkreises Cham wird es auch künftig geben. Das ist sicher. Denn zu unserer Rundum-Versorgung gehören auch die Gynäkologie und Geburtshilfe.“

Sana: Abteilung besteht weiter

„Die Gemeinschaftspraxis hat bis März 2016 einen Vertrag mit den Sana Kliniken des Landkreises Cham und wir gehen davon aus, dass dieser Vertrag erfüllt wird. Darüber hinaus ist es unser Ziel, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie mittel- bis langfristig die zunehmend steigende Geburten-Zahl mit dem hohen Qualitätsanspruch bewältigt werden kann. Nach dem März 2016 wird die Gynäkologie und Geburtshilfe in den Sana Kliniken des Landkreises Cham entweder als Haupt- oder Belegabteilung vorgehalten. Die Versorgung der Patientinnen ist in jedem Fall sichergestellt.“

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