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Die Chamer Jägerin der Steiff-Bären

Karin Ellmann ist begeisterte Flohmarktgängerin. Ihre Beute: knuffige Bären und herzige Hasen mit dem Knopf im Ohr.
Von Martin Hladik

Dieser Stoff-Hase von Steiff ist für Karin Ellmann mit einer besonderen Erinnerung an einen Gewitterguss verbunden.
Dieser Stoff-Hase von Steiff ist für Karin Ellmann mit einer besonderen Erinnerung an einen Gewitterguss verbunden. Foto: Simon Tschannerl

Cham.Sammeln – was für eine Leidenschaft. In unserer neuen Serie stellen wir Ihnen Menschen aus dem Landkreis Cham vor, die eine Leidenschaft verbindet: das Sammeln. Den Anfang macht Karin Ellmann aus Cham, die seit 30 Jahren Steifftiere sammelt.

In dem hellen Fichtenschrank stehen Dutzende von Stofftieren. Alle haben einen Knopf im Ohr und meist ein gelbes Fähnchen mit der aufgedruckten Firmenbezeichnung Steiff. Der schlaksige Stoffhase mit dem Artikelnamen „Lulac“, was wohl Lulatsch ausgesprochen wird, hat von Karin Ellmann einen Ehrenplatz in ihrer Sammlung bekommen. Lässig hat er seine langen Beine über den oberen Zierrand des Fichtenschranks geschwungen und blickt mit seinen unglaublich hellblauen Augen von oben in den Raum.

Karin Ellmann nimmt den Hasen in den Arm. „Zu dem gibt es eine besondere Geschichte“ sagt sie. Wie zu beinahe jedem der Stofftiere. Sie sei an einem frühen Samstagmorgen zum Flohmarkt nach Weiden gefahren. „Auf einmal ist ein Unwetter losgegangen und ich hab wirklich nix dabei gehabt – keinen Schirm, keine Kapuze!“ Die meisten Händler hätten wegen des Gewitters bereits wieder ihre Ware weggepackt. „Dann habe ich den Hasen auf einen Flohmarktkarton kopfüber liegen sehen – total durchnässt. Ich hab dann den Standler gefragt: ›Was soll der alte Steiffhase noch kosten?‹ Der hat mich angeschaut und ich war klitschnass und hab wahrscheinlich erbärmlich ausgeschaut. Da hat er zu mir gesagt: ›Den schenk ich Dir!‹ Und seitdem hat er einen Ehrenplatz.“

Jedes Tier hat seine Geschichte

Geschichten hat Karin Ellmann zu fast jedem Tier. Zum Beispiel zu einem Vorzeigeobjekt in ihrer Sammlung, einem wunderbar knuffig aussehenden, zirka 50 Zentimeter hohen Stoffbären mit der Farbe eines Caffé-Latte. Das Tier steht auf vier roten Rädern mit weißen Gummi-Reifen. Reit-Bär heißt er in Steiff-Kenner-Kreisen schlicht. „Den hab ich in Cham gekauft“, sagt Karin Ellmann. Sie sei auf dem Flohmarkt mit einer Frau ins Gespräch gekommen, die noch mehr Steifftiere zu Hause hatte. „Ich glaub, ich hab da was. Das steht auch bloß rum“, habe die Frau gesagt.

Sehen Sie hier ein Video über Karin Ellmann und ihre Sammlung:

Teil eins unserer neuen Serie „Sammler im Landkreis Cham“: Karin Ellmann ist die Chamer Jägerin der Steiff-Bären. Video: Simon Tschannerl

Der Bär war für den Laien relativ teuer, für einen Sammler aber ein Schnäppchen. Karin Ellmanns Augen strahlen jedenfalls noch heute, wenn sie das Stofftier tätschelt und an dem Ring zieht, der die tiefe Brummstimme des einstigen Kinderzimmerstars auslöst. Der jüngste und einer der kleineren Flohmarkt-Funde sitzt in den Armen einer Bruder-Konrad-Statue. Der Heilige hält ein kleines Mäuschen im Arm, das Karin Ellmann im Herbst entdeckt hat.

Drei Tiere gibt es in Karin Ellmanns Steifftiersammlung, die nicht vom Flohmarkt kommen. Das sind zwei Bären und ein kleines Murmeltier. Als Kind sei sie mit den Eltern auf der Spielwarenmesse in Nürnberg gewesen und habe unbedingt so einen Bären gewollt. „Geplärrt hab ich!“, berichtet Karin Ellmann. Die Erklärung, dass die Tiere zu teuer sind und man gerade ein Haus gebaut habe, hatten offenbar bei dem kleinen Mädchen keine große Wirkung gezeigt. Ihr Vater habe sich schließlich erbarmt, sei zurück auf die Messe und habe einen Bären gekauft.

Sehen Sie hier eine Bildergalerie über Karin Ellmann und ihre Sammlung:

Karin Ellmann und ihre Steifftier-Sammlung

Für 60 Mark, wie sich Karin Ellmann erinnert. Viel spielen mit den Tieren durfte Klein-Karin allerdings nicht. „Meine Mutter hat immer gesagt: ›Die haben viel Geld gekostet‹ Das waren also eher Vitrinen Stücke.“ Das kann man den Stofftieren heute noch ansehen. So hat zum Beispiel ein Steiff-Murmeltier, das die Familie von der Urlaubsreise über den Großglockner mitgebracht hat, über 40 Jahre danach noch ein angenähtes Pappzettelchen auf dem sein Steiff-Name steht: „Piff“

Ihr erster Flohmarkt war in Furth

Karin Ellmanns Flohmarkt-Leidenschaft hat vor rund 30 Jahren begonnen. Sie weiß noch, dass zu dieser Zeit ein Flohmarkt beim Churpfalzpark gewesen sei und sie sich immer gedacht hat: „Was wollen die Leute bloß mit dem alten Zeug!“ Ihr erster Flohmarktbesuch mit Bekanten sei dann in der Drachenstich-Halle in Furth im Wald gewesen. Augenzwinkernd sagt sie: „Damals hätte ich besser nicht mitfahren sollen!“

Sammlerin und Steiff-Tiere

  • Karin Ellmann

    Die Chamerin wohnt am Schulberg und ist leidenschaftliche Flohmarktgängerin und Sammlerin. Vor rund 30 Jahren war sie zum ersten Mal auf einen Flohmarkt. Seitdem ist sie in der Saison fast jeden Samstag auf einem und manchmal sogar auf mehreren Flohmärkten.

  • Redaktionssekretärin

    „Wenn ich am Samstag aus irgendeinem Grund nicht auf den Flohmarkt kann, dann ist der Tag für mich gelaufen.“ Zur Schule gegangen ist Karin Ellmann in Cham. Zuerst auf die Volksschule und dann aufs Robert-Schuman-Gymnasium. Seit ihrer Ausbildung arbeitet sie beim Bayerwald-Echo in Cham. Sie ist die Redaktionssekretärin der Stadtredaktion.

  • 1880

    Im Jahre 1877 eröffnet Margarete Steiff in ihrem Heimatort ein Filzkonfektionswarengeschäft, berichtet Wikipedia. 1880 erfolgt die offizielle Gründung der Margarete Steiff GmbH, in dem auch das erste textile weich gestopfte Spieltier entwickelt wird: ein kleiner Elefant aus Filz. Dieses „Elefäntle“ erfreut sich binnen kürzester Zeit großer Beliebtheit als Kinderspielzeug.

  • Teddy

    Richard Steiff, der Neffe von Margarete, entwickelt 1902 einen Spielbären aus zotteligem Mohairfell mit dem Namen Bär 55PB (55 cm stehend, P = Plüsch, B = beweglich), heißt es bei Wikipedia. Besonderen Erfolg hat dieses Stofftier zunächst in den USA. Dank des amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt erhält der zunächst namenlose Bär seinen bis heute bekannten Namen Teddy. Weitere bekannte Steifftiere sind neben den Bären, Elefanten und die Meckifiguren der 1950er Jahre

  • Rekordergebnis

    Steiff-Sammler sind zahlenmäßig eine durchaus eine große Gruppe. Bereits 1995 wird in der Fachliteratur von über 30 000 Sammlern gesprochen Das Rekordergebnis für einen Steiff Teddybären liegt bei über 150 000 Euro. Es wurde mit dem Steiff Teddybär „Happy“ aus dem Jahr 1926/27 im Jahr 2002 beim Steiff Festival erzielt. Noch heute ist der Firmensitz in Giengen an der Brenz in Baden-Württemberg. Dort gibt es mittlerweile auch ein Museum.

  • Die Ohrmarke

    Franz Steiff entwickelt 1904 das bis Anfang 2014 geschützte Markenzeichen, den berühmten „Knopf im Ohr“, um die Steiff-Tiere vor Nachahmung zu schützen. Dieser Knopf ist zunächst mit einem Elefanten versehen, wird im Laufe der Jahre jedoch durch den Schriftzug „Steiff“ ersetzt. (ik)

Heute weiß sie, dass Flohmarktbesuche süchtig machen können: „Es hat schon Wochenenden gegeben, da habe ich auf Ausflüge mit Freunden verzichtet, weil ich auf einen Flohmarkt wollte!“ Es habe auch Zeiten gegeben, da sei sie am Samstag nacheinander auf drei Flohmärkten gewesen. „Wenn an einem Samstag in der Früh ein Gewitter ist, und ich nicht auf den Flohmarkt kann, dann bin den ganzen Tag nicht zu genießen“, sagt sie.

„Wenn an einem Samstag in der Früh ein Gewitter ist, und ich nicht auf den Flohmarkt kann, dann bin den ganzen Tag nicht zu genießen.“

Karin Ellmann

So eine eifrige Flohmarktgängerin, wie Karin Ellmann, hat selbstverständlich neben den Steifftieren noch die eine oder andere Sammelleidenschaft. Auffällig sind beispielsweise die Engel und Puten, die in der Wohnung immer wieder an der Wand hängen. Neben dem Bärenschrank steht eine weitere Vitrine. Hier ist Porzellan zu sehen. „Es muss mir gefallen“, sagt Karin Ellmann.

Was ihr gefällt, ist ganz unterschiedlich. Neben durchbrochenen Schalen und Tellern, stehen barockisierende Schlüsseln und Teller und im Gegensatz dazu eine Bonboniere mit grafisch klarem Art-Deco-Dekor. Im Hausgang und Wohnzimmer sind die verschiedensten Vasen zu finden, die die nordbayerische Porzellanindustrie im vergangenen Jahrhundert produziert hat.

Das meiste ist vom Flohmarkt

„Das meiste in meiner Wohnung ist vom Flohmarkt“, sagt Karin Ellmann. Tatsächlich meint sie nur die Dekoartikel an der Wand und in den Schränken. Von dem, was man sonst oft bei Sammlern spürt –einer drangvollen Enge – ist in ihrer Wohnung nichts zu merken. Darauf legt sie großen Wert. Selbst im Speicher und im Keller gebe es für sie keine Grusch-Ecke. Und sie hat einen Ellmann-typischen Kommentar dazu: „Ich bin Steinbock und die sind ordentlich und geizig!“ Dann lacht sie hell auf.

„Ich bin Steinbock und die sind ordentlich und geizig!“

Karin Ellmann

Sind Sie selbst Sammler und wollen die Leser unserer Zeitung daran teilhaben lassen, dann schreiben Sie uns an: echo@mittelbayerische.de, Telefon: 09971-852238.

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