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Die „große Mutter“ hat 46 Messer

Im neuen Teil unserer Serie „Giganten der Landwirtschaft“ schaun wir uns den ultimativen Rasenmäher an: den BigM.
Von Christoph Klöckner

Der BigM ist ein gigantischer Rasenmäher mit 420 PS unter der Haube.
Der BigM ist ein gigantischer Rasenmäher mit 420 PS unter der Haube. Foto: Klöckner

Cham.Es gibt sie noch, die männliche Hochburg der Hausarbeit: das samstägliche Rasenmähen. Hier zeigt Normal-Mann auf heimischem Grund mit seinem Mäher Flagge, wo andere ihre Jacht, ihre Villa oder ihren Porsche aus dem Jackett zaubern. Deshalb gibt es alle möglichen Arten von Mähern – Elektromäher, Motormäher mit einigen PS, Aufsitzmäher mit noch mehr Pferden unter der Haube bis hin zum selbstfahrenden Robotermäher, dessen Computer vorgibt, wo es lang geht. Doch die große Mutter aller Mäher, kurz BigM, brummt ganz woanders. Nur ab und an sieht man so eine auf der Straße, wenn sie mit 40 vor einem her zockelt. Denn die Mäher-Mutter gibt sich natürlich nicht mit 500, 600 oder 1500 Quadratmetern Rasen zufrieden. Sie hat Hunger nach mehr.

Vielleicht leitet sich davon ihr Name ab, von ihrer Unersättlichkeit. „BigM“ steht für Größe und Kraft – und wird deshalb eher männlich dekliniert – ist somit allgemein als „der BigM“ unterwegs. Es ist ein grüner Selbstfahrer der Firma Krone, der heute für die Mähgemeinschaft Cham unterwegs ist.

30 Grad draußen – 22 im Cockpit

Komfort im Cockpit: Josef Höpfl fährt im klimatisierten Glaskasten, mit Joystick und viel Übersicht.
Komfort im Cockpit: Josef Höpfl fährt im klimatisierten Glaskasten, mit Joystick und viel Übersicht. Fotos: Klöckner

Josef Höpfl aus Nanzing sitzt im Glascockpit des Giganten. Draußen ist es um die 30 Grad – auch ohne Regung tropft der Schweiß und die Bremsen hier oberhalb von Thierling wollen einen auffressen. Hoch oben auf dem Fahrersitz merkt Josef Höpfl davon nichts. Klimatisiert auf 22 Grad und gut gefedert für die Unebenheiten der Buckelwelten des Bayerwaldes, geht er lässig an die Arbeit. Mit einem Griff senken sich galant rechts und links die Flügel – als wolle der grün-weiße Riese gleich abheben. Die 46 Messer der Mutter beginnen zu surren, fressen sich durchs Gras und zeigen Schärfe. Die Messer sausen im Rundlauf des Scheibenmähwerks und schneiden um, was ihnen begegnet. Die 420-PS-Maschine zieht ihre Bahnen über die Wiese, gefühlvoll von dem 28-Jährigen über die großen Hinterräder per Lenkrad und Joystick gelenkt. Es gibt nur wenig, was den BigM aufhalten kann.

46 Messer an Bord ...
46 Messer an Bord ... Foto: Klöckner

Während die normale Rasenbreite in Zentimetern gemessen wird, geht es beim BigM nach Metern. 9,70 Meter mit einem Schnitt ist sein Leistungsnachweis. Doch er mäht nicht nur, er bereitet das Gras auch gleich noch vor – und spart dem Bauern einen Zwischenschritt der Arbeit. Das heißt, die Halme werden für die Weiterverarbeitung im Bauch des BigM aufgebrochen – also einmal kurz verdaut, bevor sie wieder ausgespuckt werden. Fürs Trocknen als Heu wie auch fürs Silieren ist das eine gute Voraussetzung. Dafür muss das Gras etwas angewelkt sein, mit 30 bis 35 Prozent „Trockensubstanzgehalt“, so der Fachbegriff.

... und Flügel an den Seiten
... und Flügel an den Seiten Foto: Klöckner

Also nicht zu nass. Heute werde kaum noch Heu gemacht, so Christian Nachreiner vom Maschinenring – das meiste lande in der Silage. „Heu ist für die Tiere etwa wie beim Essen der Nachtisch“, vergleicht der Fachmann. Arbeitswirtschaftlich sei Silage günstiger für die Landwirtschaft und besser zu handhaben. Zwei BigM von Krone gehören der Mähgemeinschaft Cham, die 1998 gegründet wurde. Heute sind 23 Landwirte dabei, sagt Nachreiner, der die Fahrzeuge für die Landwirte koordiniert und die sechs Fahrer einteilt. Etwa 2000 Hektar mäht der BigM pro Jahr. Und spart den Landwirten damit eine Menge Zeit. Das sei der Hauptgrund für die Investition in den BigM, der immerhin etwa 230000 Euro kostet. Ein stolzer Preis für einen Rasenmäher – dennoch fährt in Cham immer das neueste Modell. Jedes Jahr wird der BigM ausgetauscht. Das spare Reparaturen, so Nachreiner. Damals, als der erste BigM gekauft wurde, sei gesagt worden, der sei nur was für große Flächen und nicht für Kleinstrukturen wie bei uns, erzählt Nachreiner. Doch habe sich die Schnelligkeit und die Wendigkeit des Geräts längst auch hier bewährt. Sieben bis acht Hektar schneidet der Gigant pro Stunde um.

Zahlen und Fakten

  • Technischen Daten

    Der BigM ist drei Meter breit und nutzt somit fast das volle Straßenmaß. Er kostet 230 000 Euro und fährt mit 240 PS etwa 40 Stundenkilometer auf der Straße. Zwei Gänge hat der Fahrer zur Wahl: Wiese oder Straße. Über 13 Meter Gras kann er in einem Schwad dank Schwadzusammenführung zusammenlegen. Dazu hat er einen Hochleistungsaufbereiter an Bord, der einen Arbeitsgang erspart.

  • Mähflügel

    Mit ausgebreiteten Mähflügeln hat er eine Arbeitsbreite von bis zu 9,70 Metern. Alle Maschinendaten sind auf dem farbigen EasyTouch Display auf einen Blick erfassbar. Über die Drucktaster neben dem Bildschirm lassen sich schnell und einfach entsprechende Untermenüs aufrufen. (ck)

Früher habe Josef Höpfl drei Tage gebraucht, um seine Flächen – 45 Hektar – zu mähen, zu schwadern und per Lader reinzubringen. Heute sei das innerhalb von 24 Stunden erledigt, sagt er. Die Maschine kann die Grashaufen, die hinten rausfallen, je nach Bedarf ordnen. So ist kombiniert mit einem großen Kreiselschwader eine Schwadzusammenführung im besten Falle auf einer Breite von 20 Meter möglich.

Josef Höpfl fährt im klimatisierten Fahrerhaust.
Josef Höpfl fährt im klimatisierten Fahrerhaust. Fotos: KlöcknerFoto: Klöckner

Heute wird auf sieben Zentimeter Tiefe gemäht – alles per Computer längst programmiert von Josef Höpfl im Cockpit. Aussteigen braucht er nicht mehr, um etwas zu ändern. Alles geht per Knopfdruck. Das Mähwerk lässt sich beliebig verschieben, um auch Hanglagen zu meistern. „Immer Vollgas“ laufe der BigM, sagt Höpfl. Er kann den Auflagendruck auf die Wiese festlegen, wie hoch oder tief geschnitten werden, er kann nur mittig mähen oder auch nur eine Seite.

Big M hat ordentlich Durst

Einziger Nachteil: Der Beifahrersitz ist wenig gefedert. Wer leicht seekrank wird, sollte hier nicht Platz nehmen. So schunkelt man sich durchs Gras, zurück bleibt eine klare und kahle Spur des BigM. dafür frisst er ordentlich Diesel – Josef Höpfl, der gerade den elterlichen Hof übernommen hat, errechnet 50 Liter pro Stunde. Durstig ist die Mutter aller Rasenmäher.

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