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Gesundheit

Die schwere Geburt der Gynäkologen

Sana Kliniken und Belegärzte der Geburtshilfe vereinbaren eine neue Grundlage, die im September unterzeichnet werden soll.
Von Johannes Schiedermeier

Dr. Jakub Nosek, Dr. Jürgen Bornhaupt und Dr. Annette Salterberg setzen ihre Zusammenarbeit mit den Sana Kliniken des Landkreises Cham fort und betreiben bis zu einem neuen Vertrag im September die Gynäkologie und Geburtshilfe in Cham. Der neue Vertrag soll dann die Kooperation der Belegärzte mit der Klinik auf eine neue Grundlage stellen.
Dr. Jakub Nosek, Dr. Jürgen Bornhaupt und Dr. Annette Salterberg setzen ihre Zusammenarbeit mit den Sana Kliniken des Landkreises Cham fort und betreiben bis zu einem neuen Vertrag im September die Gynäkologie und Geburtshilfe in Cham. Der neue Vertrag soll dann die Kooperation der Belegärzte mit der Klinik auf eine neue Grundlage stellen.Foto: si

Cham.Eine Liebesheirat war es wohl nicht, aber immerhin ist eine Vernunftehe daraus geworden. Ist ja auch ratsam, wenn man alljährlich gemeinsam 900 Kinder kriegt. Das war so Mitte Juni noch nicht absehbar. Damals hatte Dr. Jürgen Bornhaupt verkündet, dass sein Praxiskollege die Arbeit im Krankenhaus für unzumutbar hält und sie zum 31. Juli aufgekündigt habe. „Damit sind wir auch raus“, hatte Dr. Bornhaupt kurz und knapp beschieden. Zu zweit könne man die ohnehin harte Arbeit nicht mehr schultern.

Das klang nach Bruch. Der ist nun zumindest geschient (siehe gemeinsame Stellungnahme unten). Dr. Annette Salterberg und Dr. Jürgen Bornhaupt sind bei der Geburtshilfe wieder im Boot. Und auch Dr. Jakub Nosek ist wieder mit am Ruder. Allerdings war es offensichtlich eine schwere Geburt. Und noch darf keiner sagen, ob es ein Bub oder ein Mädchen wird. Über die genauen Grundlagen der neuen Zusammenarbeit will man erst reden, wenn sie am 1. September unterzeichnet worden sind.

Die Stellungnahme

  • Die Sana-Kliniken Cham

    Die Sana-Kliniken Cham haben sich it den Belegärzten der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Landrat Franz Löffler auf den folgenden Wortlaut einer Stellungnahme geeinigt, was den Fortbestand der Zusammenarbeit betrifft: Die Geburten in Cham sind sicher. Die Sana-Kliniken des Landkreises stehen zu ihrem Wort. Die Gynäkologie und Geburtshilfe bleibt erhalten: Wie von den Sana Kliniken der Landkreises Cham und der Gemeinschaftspraxis Dr. med. Salterberg, Dr. med. Bornhaupt angekündigt, wurden die Gespräche zur Zukunft der geburtshilflich-gynäkologische Abteilung in den Sana Kliniken des Landkreises Cham kontinuierlich fortgeführt. Das Ziel war es stets, eine gemeinsame eine Lösung zu erarbeiten, die sicherstellt, dass auch langfristig die bestmögliche Versorgung in diesem Bereich gewährleistet ist. Am 30. Juli gab es eine weitere Gesprächsrunde unter Hinzuziehung von externen Beratern. Nach diesem Termin steht fest, dass eine zukunftssichere Lösung zur geburtshilflich-gynäkologische Versorgung gefunden wurde, die eine weitere Zusammenarbeit zwischen dem Krankenhaus und der Belegarztpraxis beinhaltet. Dr. Nosek ist fester Bestandteil der Zusammenarbeit. Im nächsten Schritt werden die Verträge vorbereitet. Sobald diese unterschrieben sind, werden sich die Beteiligten zu den konzeptionellen Inhalten äußern.

  • Die Belegärzte

    Die Belegärzte Dr. Bornhaupt, Dr. Salterberg und Dr. Nosek leisten seit vielen Jahren ausgezeichnete Arbeit. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit“, sagt Oliver Bredel, Geschäftsführer der Sana Kliniken des Landkreises Cham. Dr. Salterberg, Dr. Bornhaupt und Dr. Nosek ergänzen: „Unsere Arbeit macht uns große Freude. Deshalb sind wir erleichtert und froh, dass Herr Bredel mit uns zusammen eine zukunftsfähige Lösung gefunden hat. Es war nicht leicht. Das rechnen wir ihm hoch an.“

  • Landrat Franz Löffler

    Landrat Franz Löffler äußert ebenfalls seine Freude über die Einigung, die die Geburten in Cham langfristig sichern wird: „Denn ohne junge Familien hat eine Region keine Zukunft.“

Veilchen gleichmäßig verteilt

Den schönsten Originalton hatte auch diesmal wieder Dr. Jürgen Bornhaupt drauf. „Sagen wir mal so: Es gibt keinen Grund zur Zufriedenheit. Jeder der Beteiligten ist an seine Schmerzgrenze gegangen. Nur hatte ich bisher immer zwei blaue Augen und Sana konnte noch grinsen. Jetzt hat Sana eins und ich auch. Das klingt vielleicht gerecht, aber Zufriedenheit sieht anders aus. Man muss aber sagen, dass jeder getan hat, was er konnte. Wir haben an der Basis geregelt, was zu regeln war. Was bleibt, ist eine grundsätzliche bundesweite Schieflage: Geburten sind mit 300 Euro pro Köpfchen viel zu schlecht bezahlt. Alleine, wenn man davon ausgeht, dass die Versicherung pro Geburtshelfer 50 000 Euro pro Jahr kostet.“

Seine Kollegin Dr. Annette Salterberg ist zuversichtlich, dass man mit der neuen Regelung leben kann. „Es ist für alle Seiten etwas Positives dabei rausgekommen.“ Es sei jedoch vereinbart worden, dass Details erst beredet werden, wenn die Verträge unterzeichnet sind. „

Wir haben alle gehofft, dass dieses Droh-Szenario nicht Wirklichkeit wird. Und das ist jetzt auch eingetreten“, so Dr. Salterberg. Sie geht davon aus, dass sich „das wieder einigermaßen rechnen wird“. Was genau hinter den Kulissen ausgehandelt worden ist, darüber haben alle Beteiligten einstweilen Stillschweigen vereinbart. Es ist aber davon auszugehen, dass es sich am Ende um die Hauptabteilung handeln wird, die der Sana-Geschäftsführer Oliver Bredel schon im Vorfeld ins Gespräch gebracht hat.

Kommentar

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„Da sollte sich was bewegen“

Und funktionieren kann alles am Ende nur dadurch, dass Sana zusätzliche Ärzte beschäftigt, die nicht auf das Konto der weiter arbeitenden Beleger gehen. Denn unter dem Strich kann auch dann noch ein Plus herauskommen, weil sich die Gynäkologie an sich schon bisher rentiert hat. Das Minus erwuchs den Belegern aus der Geburtshilfe und den Aufwendungen an Zeit und Kosten. Die Krankenkasse ist nicht bereit, diese durch höhere Zahlungen pro Geburt zu decken.

Dr. Bornhaupt setzt auf die Politik: „Derzeit beschweren sich alle Landräte von Sylt bis Cham. Das sollte irgendwann etwas bewegen in Berlin und München. An der Basis selbst ist eine echte Lösung nicht möglich.“

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