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Energie

Ein E-Bürger-Auto für jede Gemeinde

Elektro-Fahrzeuge zum Mieten in den Rathäusern sollen das Projekt „E-Wald“ endlich flott machen — auch im Landkreis Cham.
Von Ernst Fischer

  • Das wird das Chamer Elektro-Bürger-Auto, ein Mitsubishi i-MiEV. Sigrid Stebe-Hoffmann, die geschäftsleitende Beamtin der Stadt, nahm das Fahrzeug in ersten Augenschein. Foto: Fischer
  • Schlange stehen für ein Bürger-Auto: Bürgermeister holten ihre Leih-Elektro-Fahrzeuge ab. Foto: Fischer
  • Groß-Andrang aufs Bürger-Auto: Hier gibt’s Schlüssel und Papiere für die Bürgermeister. Foto: Fischer

Cham.„E-Wald“ – so nennt sich ein Pilot-Projekt, das 2010 mit großer Euphorie gestartet wurde: Eine „Modellregion Elektromobilität Bayerischer Wald“ sollte hier entstehen – mit sechs Landkreisen als Partner: Cham, Deggendorf, Freyung-Grafenau, Passau, Regen und Straubing-Bogen, dazu Gemeinden, Unternehmen und gastronomische Betriebe. Das Ganze steht unter Regie der Hochschule Deggendorf – mit dem Freistaat als Impuls- und Geldgeber. 20 Millionen Euro hatte der Freistaat am Anfang als Zuschuss für das 46-Millionen-Projekt versprochen. Eine Summe, die zwei Jahre später auf acht Millionen schrumpfte.

Ähnlich ging es der Begeisterung für den E-Wald bei den beteiligten Gemeinden. Arrach zum Beispiel hier im Landkreis Cham sprang wieder ab aus der E-Wald-Gemeinschaft. „Missmanagement“ in der Geschäftsführung der Anfangsjahre nennt Bürgermeister Sepp Schmid als Grund. Damals sollte der E-Wald noch eine AG werden. Rechtlich gar nicht möglich unter Beteiligung von Kommunen, sagt der Arracher Bürgermeister.

Pilotphase noch einmal verlängert

Das Projekt für Elektro-Auto drohte schon mit Caracho gegen die Wand zu fahren im Bayerwald. Darauf spitzte auch Landrat Franz Löffler am Dienstag ganz offen an, als er mit 38 Bürgermeistern oder Stellvertretern auf dem Chamer Volksfestplatz stand. Löffler formulierte es in aller Zurückhaltung so: „Die Euphorie am Anfang war schon groß, aber dann die Umsetzung in die Praxis nicht ganz einfach – systembedingt.“ Mehr Worte gab’s nicht zur nun schon fünf Jahre dauernden bewegten Vorgeschichte des E-Wald-Projektes, das eigentlich in diesem Jahr seine Pilotphase beenden sollte.

Aber jetzt wurde erstmal die Pilotphase noch einmal verlängert bis Ende 2016. Und gerade startet ein neuer Versuch, der nun wirklich in der Praxis funktionieren soll. Deshalb stand der Landrat am Dienstag mit den Bürgermeistern am Volksfestplatz: Franz-Josef Gotzler und Anton Achatz, beide Geschäfts- und Vertriebsleiter bei der E-Wald GmbH, hatten 25 E-Autos mitgebracht, als Leihgeschenk für die Gemeinden im Landkreis. Sie dürfen die Fahrzeuge als Dienstwagen nutzen, aber auch als „Bürger-Auto“ weiterverleihen.

Das Bürger-Auto von E-Wald

  • Projekt

    Das Projekt E-Wald wurde 2010 gestartet mit dem Ziel, bis Ende 2015 eine „Modellregion Elektromobilität Bayerischer Wald“ zu schaffen. Das Projekt wurde jetzt um zwei Jahre verlängert und ergänzt mit einer Initiative namens „M.O.V.E.“ (Mobilität Ostbayern Vernetzt – E-Wald).

  • M.O.V.E.

    25 Elektro-Autos werden im Rahmen des Projekts M.O.V.E. kostenlos an die Gemeinden im Landkreis Cham verliehen: Nissan Leaf, Peugeot iOn oder Mitsubishi i-MiEV. Finanziert wird die Leihgabe über das bayerische Innenministerium.

  • E-Fahrzeug

    13 Gemeinden, die Mitglied der E-Wald GmbH sind, erhalten ein eigenes Fahrzeug. Die restlichen Gemeinden teilen sich ein E-Fahrzeug, das voraussichtlich abwechselnd in den Orten stationiert wird. Die genauen Modalitäten sind noch nicht geklärt.

  • Arrach

    Die Gemeinde Arrach hat auf eine Teilnahme an dem Projekt verzichtet. Hintergrund: Arrach ist aus dem E-Wald-Projekt ausgestiegen. Bürgermeister Sepp Schmid erklärt das auf unsere Nachfrage so: „Das Projekt ist grundsätzlich gut. Aber da ist bei der Umsetzung sehr viel schief gelaufen in der Anfangsphase.“

  • Bürger-Auto

    Die Nutzung soll durch Mitarbeiter der Kommune und durch jeden interessierten Bürger unter dem Stichwort „Bürger-Auto“ möglich sein. Grundgedanke des Bürgerautos ist es, ein Car-Sharing-Fahrzeug an dem Standort einer Gemeinde fest zu platzieren.

  • Aufgaben der Kommune

    Kartenausgabe und Führerscheinprüfung bei Nutzer-Anmeldung, logistisches Bindeglied bei Kundendienst, Unterhalt oder Schäden am Fahrzeug, sowie Fahrzeugpflege. Die Kommune verpflichtet sich zu gemeinsamen Marketingaktionen für die Bewerbung der Fahrzeuge.

  • So geht’s

    Wie funktioniert die Auto-Miete? Anmeldung auf www.e-wald.eu; Kundenkarte bei der Gemeinde abholen; Buchung des Autos per PC oder Smartphone zum Wunschtermin. Los geht’s: mit Kundenkarte Auto öffnen und fahren (Schlüssel steckt)

  • Mietkosten

    (z. B. für einen NissanLeaf): pro Stunde 5,99 Euro, pro Tag 35 Euro, je Folgetag 32 Euro, pro Woche 199 Euro. Infos unter www.e-wald.eu

Und Landrat Löffler glaubt jetzt wieder an eine Zukunft im E-Wald: „Wichtig ist, dass die Elektro-Autos auch fahren und bei den Leuten ankommen. Dafür sind unsere Gemeinden die besten Garanten.“

Das sagen die Bürgermeister

Bürgermeister Sepp Marchl, Traitsching
Bürgermeister Sepp Marchl, Traitsching Foto: Fischer

Sepp Marchl, Traitsching: „Ich finde es grundsätzlich begrüßenswert, wenn man sowas macht. Aber es stellt sich auch die Frage der Effektivität. Wir sind Mitglied bei E-Wald und haben dafür 15 000 Euro bezahlt. Das E-Auto wird bei der Gemeinde stehen und von Bediensteten und Bürgern genutzt.“

Martin Bauer, stv. Bürgermeister in Schorndorf
Martin Bauer, stv. Bürgermeister in Schorndorf Foto: Fischer

Martin Bauer, stv. Bürgermeister in Schorndorf: „Wir teilen uns ein E-Auto mit Michelsneukirchen. In Schorndorf ist es hauptsächlich für die Bevölkerung gedacht. Ich glaube, das werden vor allem junge Leute nutzen. Ein Elektro-Dienstauto brauchen wir nicht, weil alle Gemeinde Mitarbeiter am Ort wohnen.“

Bürgermeister Sepp Kammermeier, Eschlkam
Bürgermeister Sepp Kammermeier, Eschlkam Foto: Fischer

Sepp Kammermeier, Eschlkam: „Das E-Auto steht bei uns am Marktplatz – als Dienstfahrzeug und für die Bevölkerung. Das Interesse wird sich sicher entwickeln, wenn die Leute das sehen. Das Bürger-Auto ist die beste Werbung für das E-Wald-Projekt. Man hat ja schon gefürchtet, dass es einschläft.“

Bürgermeister Stefan Baumgartner, Chamerau
Bürgermeister Stefan Baumgartner, Chamerau Foto: Fischer

Stefan Baumgartner, Chamerau: „Wir teilen ein E-Auto mit Runding. Mitglied bei E-Wald sind wir nicht. Mir passt das System nicht. Da sollen die Gemeinden zahlen für eine Sache, die eigentlich Aufgabe der Wirtschaft ist. Ich bin gespannt, was passiert, wenn das Pilotprojekt 2016 ausläuft.“

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