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Ein Osternest als Christbaum

Von wegen „alle Jahre wieder“ – bei unserer Reporterin gibt es keine Nordmann-Tanne mehr, sondern ein Weihnachts-Nest.
Von Felicitas Graßl

Das Weihnachts-Nest von Autorin Felicitas Graßl
Das Weihnachts-Nest von Autorin Felicitas Graßl Foto: Graßl

Cham.Ich mache mich gerne verrückt in der Adventszeit. Sechs bis acht Wochen vor Heiligabend verfalle ich in einen Zustand, der es mir nicht erlaubt, ruhigzubleiben. Zumindest wenn ich weiß, dass ich keine Geschenkideen habe. Ich nerve Freunde und Familie gleichermaßen mit demselben Satz: „Ich weiß nicht, was ich wem schenken soll.“ Ich versuche in dieser Zeitspanne besonders aufmerksam zu sein. Vielleicht ergibt sich dabei das ein oder andere Präsent. In meinem Internet-Verlauf sind nur noch die beiden Wörter Weihnachten und Geschenke zu lesen. Nachts um zwei Uhr wache ich manchmal auf und mir kommt ein Geistesblitz: „Ja, das ist es!“ Doch je länger ich über dieses Geschenk nachdenke, desto langweiliger und unpassender finde ich es am Ende immer.

Ungefähr zwei bis drei Wochen vor Heiligabend macht sich bei mir eine große Enttäuschung breit. Ich schlage vor, einfach nichts zu schenken. Im selben Moment weiß ich aber, dass ich das sowieso nicht hinkriege. Ich kann ja auch nicht einfach mit nichts ankommen. Außerdem liebe ich es, Menschen eine Freude zu bereiten. In Form von Geschenken ist das natürlich die einfachste aber gleichzeitig auch die schwierigste Variante, die man wählen kann. Gott weiß wie, aber am Ende klappt das mit der richtigen Geschenkeauswahl dann doch – mal mehr, mal weniger.

Die Sache mit dem Auspacken

An Weihnachten hatten wir früher den klassischen Otto Normal-Christbaum stehen, so wie ihn fast jeder zuhause hat: Um die zwei Meter groß und ein paar schöne rote Kugeln hingen dran. Als ich noch klein war, hat natürlich das Christkind den Baum geschmückt, heute bin ich es. Seit vergangenem Jahr pulsiert in meiner Mutter eine besonders kreativ Ader: In einer hüfthohen Glasvase, gefüllt mit Sand, steckt eine Handvoll großer Tannenzweige. Das Ganze sieht aus wie eine plattgedrückte Palme oder wie meine Mutter es nennt: Osternest. Obendrauf verstreue ich dann noch willkürlich ein paar unserer roten Christbaumkugeln – ja, wir haben seit gefühlt 100 Jahren dieselben Kugeln.

Dieses Jahr habe ich mir zu Weihnachten den absolut zeitlosen Klassiker gewünscht: Geld. Mein Bruder bekommt eine Kaffeemaschine. Meiner Mutter passt das, obwohl wir alle schon erwachsen sind, gar nicht ins Konzept: „Dann hast du aber nichts zum Auspacken und dein Bruder schon.“ Dezent weisen wir sie darauf hin, dass wir schon groß sind und uns trotzdem freuen. Ich wette aber, dass ich heute trotz alledem noch etwas auspacken „muss“.

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