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Er hat 6000 Kartenspiele – unbespielt

Gabi und Erwin Schmidhuber aus Michelsdorf sammeln Spielkarten. Am liebsten sind ihnen die der hiesigen Brauereien.
Von Claudia Peinelt

Erwin Schmidhuber ist leidenschaftlicher Sammler. Spielkarten sind das einzige, was ihn interessiert.
Erwin Schmidhuber ist leidenschaftlicher Sammler. Spielkarten sind das einzige, was ihn interessiert. Foto: Simon Tschannerl

Cham.Mit Freude empfangen uns Gabi und Erwin Schmidhuber an der Haustür im Karlweg 4 in Michelsdorf. Gleich geht es hinauf in den ersten Stock. Ein dunkles Holzkreuz mit einem vergoldeten Jesus darauf hängt an der Wand und ein Rosenkranz ist darüber ausgebreitet. Gegenüber an der Wand hängt eine große Uhr mit einem Pendel. Auf einem Beistelltisch steht ein alter Röhrenradio. „Sechane hob i no einige am Dachboden“, erzählt Erwin Schmidhuber.

In der Mitte des Zimmers hat er seinen ganzen Stolz aufgebaut. Fein säuberlich liegen sie nebeneinander. Insgesamt 6000 Kartenspiele hat der Sammler mit den Jahren zusammen bekommen. „Ich habe bis zu meiner Krebserkrankung als Mauerer auswärts gearbeitet. Und da hat es sich fast angeboten, dass man in den Wirtshäusern die verschiedenen Kartenspiele mitgenommen hat“, erzählt er und macht auch noch die Schübe an den aufgestellten Regalen auf. Jedes einzelne Kartenspiel ist in Folie gewickelt und beschriftet.

Karten haben hohen Sammlerwert

Das macht immer seine Frau Gabi. Sie war am Anfang von seiner Sammelleidenschaft weniger begeistert. Und sie ist es auch, die manchmal ein Nein ausspricht, wenn Erwin in die Versuchung kommt, ein Kartenspiel für zu viel Geld zu erwerben. „Da hat sie aber auch recht. Ab und zu stößt man in Ebay oder auf Flohmärkten auf ein ganz seltenes Spielblatt und es reizt einen ungemein, es zu kaufen. Doch bei 300 Euro hört für mich wirklich die Sammelleidenschaft auf“.

Erwin Schmidhuber, der Spielkartensammler aus Cham

Er zeigt uns ein Kartenspiel vom Hofer Bräu. Das ist eines seiner Ersten. Es stammt aus den 70iger Jahren. Hiervon würde es noch mehr verschiedene geben, doch die seien sehr schwer aufzutreiben. Zum Kartenset der Hofmark Brauerei erzählt er eine lustige Geschichte. Er war in Loifling im Hofmarkstüberl zum Essen. Dort war auch die Chefin der Brauerei anwesend. Und wie es halt so ist, hat er sie nach einem Kartenspiel gefragt. Die Antwort verblüffte den Sammler dann schon etwas: „Wir haben und hatten noch nie ein eigenes Kartenspiel“, erzählte die Chefin mit bestimmten Ton. Schmidhuber erklärte ihr, dass er doch von Hofmark Bier eines daheim hätte. Sie glaubte ihm nicht, und dass er damit extra noch mal hingefahren wäre, war ihm dann doch zu mühselig.

Sammlung und Sammler

  • Anfänge

    Als Schulbub hat Erwin Schmidhuber bereits Bierfilzl gesammelt. Über 3000 Stück hat er am Stadltor auf dem landwirtschafltichen Hof genagelt. Als er als Mauerer dann auswärts seiner Tätigkeit nachkam, fing er damit an Spielkarten zu sammeln. Bei Brauereien, Bierfahrern in Wirtshäusern hat er sich die ersten Karten geholt. Die wohl ältesten Karten sind vom Hösl Bräu aus Mitterteich und Späth Bräu Lohberg.

  • Die Karten

    Von der Spielkarte mit Goldkante und der Schrift aus dem Deutschen Reich, über die König Ludwig II ist alles im Sammelzimmer aufgebaut. Ebenfalls sind Andreas Hofer Karten und unter anderem ein Spielkartenset mit der chinesischen Terrakotta Armee zu sehen. Alle 6000 Kartensets sind am Computer gespeichert und sind feinsäuberlich verpackt und beschriftet in Schubladen verstaut.

  • Erwin Schmidhuber

    Erwin Schmidhuber wurde 1955 in Cham geboren. Zusammen mit seiner Schwester Anna wuchs er in Oberhaid auf. Die Eltern Katharina und Alois Schmidhuber betrieben eine Landwirtschaft. Er besuchte die Volksschule und lernte den Beruf des Mauerers. Bis 1990 übte er diesen Beruf aus. Nach seiner Krebserkrankung fing er vor 26 Jahren bei der Firma Ensinger an, wo er auch bis heute beschäftigt ist. Vor 37 Jahren heiratete er seine Frau Gabriele und im Jahre 1986 kauften beide das Haus im Karlweg 4. Beide haben keine Kinder, aber mehrere Sammelleidenschaften.

An die 3000 Schafkopf-, 2000 Brauerei- und 1000 Werbespielkarten befinden sich in diesem Sammlerzimmer. Da mischt sich die Hammerbräu aus Walderbach zu der Schönthaler Brauerei und Papst Ratzinger zum Kartenspiel der Mittelbayerischen Zeitung und zu den Ensinger Karten. Aber auch die FC Bayern Karten vertragen sich hier mit den Karten der 60iger.

Ein kleiner Blick in die Sammlung.
Ein kleiner Blick in die Sammlung. Foto: Simon Tschannerl

Die Karten von den regionalen Brauereien liegen Erwin sehr am Herzen. „Da steuere ich am ehesten auf den Flohmärkten darauf los“. Unbespielt und nagelneu sollten die Kartenspiele für den Sammler sein, das versteht sich von selbst. Und zu 99 Prozent sind das auch die Karten von Erwin. Die Augen leuchten, als er das Kartenspiel der Deininger Brauerei mit den ovalen Rauten in die Hände nimmt. „Von der Schröttinger Brauerei, die wären super, aber da kann man locker mal so 400 Euro dafür hinblättern. So ganz nebenbei erzählt der 61-jährige, dass er auch noch 5000 Bierfilzn und 200 Bierkrüge im Haus hat. Geschweige denn von der großen Briefmarkensammlung.

Die Leidenschaft des Sammlers

Und ganz besonders stolz ist er auf seine Musikbox, die im Wohnzimmer der Schmidhubers steht und noch voll funktionsfähig ist. Sie haben sie bis aus Dortmund geholt. Seine Gabi sammelt Engel. Nun denn, eine Sammlerehe also. „Sammeln tu ich schon viel, nur keine Frauen“, erzählt Erwin und muss über seinen eigenen Witz lachen.

Tagelang hat er schon im Obergeschoss des Hauses zugebracht. Verpacken, beschriften, am Computer speichern, im Ebay surfen, und dann vielleicht auch noch ein Schnäppchen ergattern, das noch nicht in den Schüben verstaut ist. Früher spielte er Fußball und das Ehepaar waren begeisterte Wanderer. Doch die Erkrankung und auch seine Halswirbelsäule erlauben das alles nicht mehr. Der Keller und der Garten sind Erwins Aufgabengebiet und da spielt er den Chef. Alles andere ist Frauensache, meint er. „Obwohl, ich staubsauge auch mal, wenn es sein muss“.

Die Spielkarten-Sammlung von Erwin Schmidhuber

Und noch eins möchte Erwin gerne erzählen. Als kleiner Schulbub hat er an die 3000 Bierfilzl an das Stadltor seines Papas mit dem Nagel geschlagen. Als dieses erneuert werden musste, schnitt der Vater das Tor in viele kleine Teile. Erwins kleine Welt brach zusammen. Tagelang habe er seinen Bierfilzln hinterher geweint. Heute ist er sehr stolz auf seinen Kartensammlungen und trifft sich gerne auch mal an einer Sammlerbörse, doch diese sind meistens zu weit weg. „Einmal habe ich für ein Kartenpackerl 300 Euro bezahlt. Ein jeder, der kein Sammler ist, sagt einem ins Gesicht, dass man wohl spinnt. Ein anderer, ein richtiger Sammler sagt dazu, dass dies ein richtiges Schnäppchen war“, tja, so geht es einem, der der Sammlersucht verfallen ist.

Jedes Stück hat seine Geschichte

Als Kind hat er Bierfizln an die Scheunentür genagelt. Doch die erste Sammlung Erwin Schmidhubers verschwand mit dem Scheunentor. Heute sammelt er Spielkarten. Fein säuberlich sortiert und aufbewahrt.
Als Kind hat er Bierfizln an die Scheunentür genagelt. Doch die erste Sammlung Erwin Schmidhubers verschwand mit dem Scheunentor. Heute sammelt er Spielkarten. Fein säuberlich sortiert und aufbewahrt. Foto: Simon Tschannerl

Kurz vor Schluss, zeigt er noch ein schwarzes Kästchen, das mit 24 Karat unterlegt ist und sogar einen Garantieschein dabei hat. Königin Elisabeth ist auf den Karten abgebildet. Diese ganz besonderen Karten hat Erwin vom Sohn des Chinarestaurants, der Urlaub in England machte, geschickt bekommen.

Und so gäbe es noch Stunden zu füllen damit, woher die vielen Kartenspiele kommen, wie Erwin sie bekommen hat und welche Bedeutung sie für ihn haben. Ein Sammler aus Leidenschaft, ja das ist Erwin Schmidhuber aus Michelsdorf und hat damit auch seine Ehefrau Gabi angesteckt.

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