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Kriminalität

Er ist der Neue in Chams Drogenszene

Ein 35-jähriger Polizeihauptmeister mischt die Drogenszene der Kreisstadt gewaltig auf. Die ist zunehmend entnervt.
Von Johannes Schiedermeier

In der Chamer Szene ist das Rauchen von Drogen am meisten verbreitet. Die Gefahren von Crystal Speed haben sich offensichtlich auch durch massive Aufklärungskampagnen der Polizei herumgesprochen.
In der Chamer Szene ist das Rauchen von Drogen am meisten verbreitet. Die Gefahren von Crystal Speed haben sich offensichtlich auch durch massive Aufklärungskampagnen der Polizei herumgesprochen. Foto: dpa

Cham.Das neue Gesicht in der Chamer Drogenszene darf nicht gezeigt werden. Logisch. Der Mann ist 35 und Polizeihauptmeister in der Inspektion der Kreisstadt. Inzwischen gibt es einige Orte, an denen er besonders ungern gesehen ist: das Biertor, der Meranweg, der Funpark an der Quadfeldmühle, das Parkdeck am Floßhafen. Überall dort, wo man in der Szene gerne mal in Ruhe genießen würde.

Der Mann bringt neben einer gediegenen Ausbildung auch den nötigen Humor mit: „Ich hab in der Kürze der Zeit schon einen ziemlich guten Bekanntheitsgrad. An meiner Beliebtheit muss ich noch arbeiten“, sagt er bei seiner Vorstellung durch Polizei-Chef Alfons Windmaißer.

Die Sache mit der Statistik

Beim Blick in die Statistik könnte man zunächst meinen, der Mann sei ein völliger Fehlschlag! Von 2014 auf 2015 hat sich die Zahl der ursprünglich 40 Drogendelikte in Cham mehr als verdoppelt. Dazu muss man aber wissen: Drogenmissbrauch ist ein Kontrolldelikt. Je mehr Kontrollen, desto mehr Aufgriffe. Das erklärt auch die Aufklärungsquote von 98,8 Prozent. Schließlich hat man den Täter ja schon, wenn man ihn kontrolliert. Und wenn dann einer von 100 mal die Kurve kriegt, denn fällt das statistisch eben kaum ins Gewicht.

Vor ein paar Jahren gab es kaum Drogen in Cham. Statistisch gesehen. Das lag aber nur daran, dass die damalige Drogenbeamtin wegversetzt worden war. Nun ist die ruhige Zeit in der Szene wieder vorbei. „Wir kennen mittlerweile einige Gruppen“, sagt der Drogenbeamte. Er ist seit September 2014 in Cham und hat bereits etliche Aufgriffe auf dem Konto.

Die Chamer Drogenszene

  • Die Szene

    Die Chamer Drogenszene ist die meiste Zeit unauffällig. Statistisch gesehen verschwindet sie sogar ganz, wenn die notwendigen Beamten für die Strafverfolgung nicht vorhanden sind. Keine Kontrolle – kein Delikt. Ein weiterer Punkt, der die Unauffälligkeit begünstigt: Meist bezieht sich der Drogenmissbrauch auf Marihuana. Das ist preiswert und bedingt keine Beschaffungskriminalität.

  • Entwicklungen

    Einem Teil der Chamer Szene ist der Boden in der Kreisstadt zu heiß geworden. Sie kehrt zwar ab und zu zurück, hat aber Wohnsitz in Furth im Wald.

  • Kriminalität

    Zu dieser Szene gehören auch Mitglieder, die in den letzten Jahren schon mal durch völlig sinnlose Aktionen für Schlagzeilen sorgten. So prellten mehrere Jugendliche in einer Innenstadt-Pizzeria zunächst die Zeche, um dann anschließend spontan durch ein Kellerfenster in Stadtarchiv und die Stadtbücherei einzubrechen . Dort scheiterten sie entweder an den Türen, oder fanden nichts Verwertbares. Daraufhin ließen sie ihren Ärger aus, indem sie einen Feuerlöscher im Treppenhaus entleerten und großen Sachschaden anrichteten. Kurz darauf nahm die Polizei die Jugendlichen mit deutlichen Pulverspuren in der Kleidung in der Wohnung fest, weil sie ihre Pappenheimer schon kannte. Auch die Serie von eingeschlagenen Autoscheiben in Cham stand im Ruch , Beschaffungskriminalität zu sein. Sie endete blitzartig, als ein Mann mit Stein auf frischer Tat verhaftet wurde. Allerdings konnte ihm ein Großteil der Steinsammlung in der Chamer Asservatenkammer letztlich nicht zugeordnet werden.

Natürlich ist er bevorzugt ohne Uniform und in zivilen Polizeifahrzeugen unterwegs. Aber auch auf Streife sieht er gerne mal an den neu-ralgischen Punkten vorbei. Man kennt sich inzwischen. „Natürlich freut sich keiner, der bereits zum fünften Mal auf der Straße kontrolliert wird. Aber insgesamt läuft das alles sehr gesittet.“ Körperliche Auseinandersetzungen mit der Szene hat er bisher nicht erlebt. „Die Raucher sind da eher gemütlich“, sagt der Beamte und grinst.

Um den Kniffen der Szene gewachsen zu sein, hat er zwei Lehrgänge besucht. Stoffkunde und Sachbearbeitung gehörten zu den Lehrinhalten. Die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft und die Abklärung der verschiedenen Zuständigkeiten hat der Neue im Chamer Revier ebenfalls im Griff. Es ist wichtig zu wissen, worauf man bei den Vernehmungen achten muss und welche Sicherstellungen hilfreich sein können.

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Oft ist die Rechtslage ziemlich kniffelig. Zum Beispiel, wenn man ein Handy einkassiert, um es auszuwerten. „Dort finden sich oft wertvolle Hinweise auf das Umfeld und die Herkunft von Drogen“, erzählt der Polizeihauptmeister. Das wird vor allem dann interessant, wenn man mehrere Handys abgleichen kann und dort dieselben Adressen und Telefonnummern findet.

Überwiegend Marihuana

Oft sind es die Fahnder aus Furth im Wald, die in Cham mit zugreifen. Diese Utensilien wurden in der Drogenszene am Biertor sichergestellt, die auch der Chamer Drogenbeamte im Auge hat.
Oft sind es die Fahnder aus Furth im Wald, die in Cham mit zugreifen. Diese Utensilien wurden in der Drogenszene am Biertor sichergestellt, die auch der Chamer Drogenbeamte im Auge hat.Foto: Polizei Furth im Wald

Überwiegend trifft der Drogenbeamte in der Chamer Szene auf Marihuana. Crystal und Heroin sind auch unterwegs, aber eher in geringem Umfang, berichtet er. Einen Erfolg hat die Polizei offensichtlich mit hartnäckiger Aufklärungsarbeit bereits zu verbuchen: Crystal ist mit seiner Gefährlichkeit in den Hirnen angekommen und bei den Aufgriffen rückläufig. Das hat noch einen Vorteil: Die harten Drogen sind fast nur durch Beschaffungskriminalität zu finanzieren. „Um Gras zu rauchen, braucht es das nicht. Das kann sich auch einer mit geringem Einkommen leisten“, sagt der Drogenbeamte.

Und so liegen in der Asservatenkammer der Polizeiinspektion Cham in Metalldöschen eher die Utensilien für etliche Joints. Die größeren Mengen werden ohnehin sofort an die Kripo abgegeben. Polizei-Chef Alfons Windmaißer übt sich in Optimismus. „Wir sind zuversichtlich, dass es die notwendigen Planstellen geben wird, um hier auszubauen. Der Erfolg im Drogenbereich gibt uns Recht. Die Drogenszene ist da. Die wird es immer geben.“

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