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Feuer und Flamme für Feuerwehr

Fritz Seidl ist leidenschaftlicher Feuerwehrler – auch im Ruhestand. Der Chamer sammelt seltene Werkfeuerwehr-Abzeichen.
Von Christoph Klöckner

Das Abzeichen der Werkfeuerwehr der Gebrüder Kusser, einem Holzverarbeiter im Bayerischen Wald, jagte Fritz Seidl zehn Jahre lang. Die Ausdauer hat sich am Ende gelohnt.
Das Abzeichen der Werkfeuerwehr der Gebrüder Kusser, einem Holzverarbeiter im Bayerischen Wald, jagte Fritz Seidl zehn Jahre lang. Die Ausdauer hat sich am Ende gelohnt. Foto: Simon Tschannerl

Cham.Man muss seine Grenzen kennen – im Einsatz als Helfer wie beim Sammeln – sonst kann es gefährlich werden. Ob beim Kampf gegen das Feuer oder auf der Jagd nach dem, wofür er heute brennt: Abzeichen bayerischer Werkfeuerwehren. Das hat Fritz Seidl über die Jahre verinnerlicht.

Der 68-Jährige hat sich deshalb zum Selbstschutz Grenzen aufgebaut. Etwa, dass er sich beschränken muss. Alles, was ihn zu überfluten droht, hat er über Bord geworfen. Wie etwa das Sammeln bundesweiter Werkfeuerwehrabzeichen. Er hat sich ganz auf Bayern konzentriert, und dort eigentlich nochmals auf den Bereich Niederbayern und Oberpfalz fixiert. Da wird mancher sagen: die 30 oder 50 Abzeichen, die hat man schnell beieinander. Das ist natürlich Unsinn – derzeit hegt und pflegt er rund 450 Abzeichen von Werkfeuerwehren und einigen Betriebsfeuerwehren.

Der Feuerwehrabzeichen-Sammler Fritz Seidl aus Cha

Viele in Rot mit dem bayerischen Rautenwappen darauf und dem Namen der Wehr, wie es die Feuerwehrverordnung vorschreibt. Bekannte Namen sind darunter, wie BMW, Hutschenreuther, Wacker Burghausen, Salamander, Eicher oder auch Fendt. Anderes kommt bunt daher, etwa die Abzeichen des amerikanischen Bombenabwurfplatzes in Siegenburg oder das der Kraftwerksfeuerwehr passend im Umriss eines Kraftwerks.

Nicht nur in Rot mit weiß-blauem Rautenwappen (re.), sondern auch bunt ist möglich, etwa bei amerikanische Feuerwehren, die auf Oberpfälzer Niederlassungen der Armee stationiert sind.
Nicht nur in Rot mit weiß-blauem Rautenwappen (re.), sondern auch bunt ist möglich, etwa bei amerikanische Feuerwehren, die auf Oberpfälzer Niederlassungen der Armee stationiert sind. Foto: Simon Tschannerl

Selbst Klöster haben in Bayern Feuerwehren, wie etwa das Kloster Schweiklberg, Münsterschwarzach oder auch Ursberg, wo Nonnen zu Hause sind und früher gelöscht haben, wenn‘s brannte. Oder auch Krankenhäuser wie das Bezirksklinikum Mainkofen. Andere Namen erinnern an aktuelle Schlagzeilen, wie die Werkfeuerwehr Loher in Ruhstorf. Das Werk wurde von Siemens gekauft und macht nun zu. In Seidls Alben ist auch Ortsbekanntes, wie Siemens Cham. Die haben eine Betriebsfeuerwehr, „und sogar ein Auto!“, weiß Seidl.

Nur Tauschgeld fürs Sammeln

Grenzen hat sich Seidl auch finanziell gesetzt. Er will nicht süchtig sein nach dem, was er doch so gerne haben will. Der Wunsch ist da, doch eine Verwirklichung werde es nicht um jeden Preis geben. Deshalb hat er eine eigene Sammelkasse – alles, was er gegen Geld abgibt, wird als Investitionsgrundlage für die Wunschverwirklichung genommen. Die Rücklagen fürs tägliche Leben will der 68-Jährige nicht antasten, um sein Hobby ein Stück zu vervollständigen.

Zur Person und zur Sammlung

  • Fritz Seidl

    Fritz Seidl (68) war von 1969 an bis zum Erreichen der gesetzlich erlaubten Höchstgrenze aktiv im Dienst der Chamer Feuerwehr. Heute arbeitet er die Feuerwehrbücher der Chamer Helfer auf, führt das Einsatzbuch und betreut das Archiv.

  • Thema Feuerwehr

    Auch danach begeisterte er sich weiter für das Thema Feuerwehr im weitesten Sinne. Er jagt hinter Briefmarken mit Feuerwehrmotiven her, hat einmal Feuerwehrmodellautos oder auch bundesweit Abzeichen von Werksfeuerwehren gesammelt. Doch jedes Gebiet, das auszuufern droht, hat er beiseitegelegt.

  • Sammler

    Sammler der Abzeichen gehen wie die Werksfeuerwehren selbst zurück. Habe er vor 15 Jahren noch etwa 15 Mitsammler gekannt, seien es heute noch zwei. Der Nachwuchs fehlt.

  • Werkfeuerwehren

    Werkfeuerwehren sind im Gegensatz zu Betriebsfeuerwehren staatlich anerkannt. Sie sind nicht „öffentlich“, aber zumeist hauptberuflich als Feuerwehrmänner in den Unternehmen angestellt und speziell den Gegebenheiten der Firmen angepasst, um diese zu schützen. Das Aufstellen einer solchen Feuerwehr kann gesetzliche Auflage sein oder freiwillige Einrichtung. (ck)

Die Begeisterung für die Helfer hat er in jahrelangem, aktiven Dienst in Cham mitbekommen. Deshalb begann er früh mit dem Sammeln von Feuerwehr-Dingen. „Ich habe vorher bundesweite Feuerwehr-Ärmelabzeichen gesammelt. Das wurde schnell zu viel“, so Seidl. Eher durch Zufall sei er dann ans Themengebiet Werkfeuerwehren gekommen. Vor 15 Jahren habe er sich auf Bayern konzentriert. Die Abzeichen, die er bis jetzt in seinen Alben zusammen hat, sind unterschiedlicher Art, obwohl manchmal drei oder vier der gleichen Firma zusammenstecken. „Die Firmen wechseln die Namen, wie wir die Hemden!“, beschreibt der Sammler. Die Unternehmen werden verkauft oder kaufen andere dazu, bekommen neue Namen – und wechseln folglich das Werkabzeichen der eigenen Feuerwehr. So hat er von manchen Firmen drei oder vier Abzeichen.

Lesen Sie hier: Mit Fritz Seidl erhielt ein beispielhaft aktiver Feuerwehrler den Chamer Kampl. Der Preisträger bleibt dennoch bescheiden.

Das Gebiet sei eine Dauerbaustelle, wie er sagt. Zum einen gehe die Anzahl von Werkfeuerwehren zurück – das heißt, viele Feuerwehren verschwinden in der Historienkiste. Da braucht es Glück und gute Kontakte, um einen zu finden, der darin rumkramt, um ein Abzeichen herauszufischen. „Und viel Geduld“, sagt Seidl. Immer wieder müsse er bei denen, wo er ein Abzeichen vermute, auf der Matte stehen. Fragen, forschen, nachtelefonieren. Konstant, aber höflich. Andere Feuerwehr-Sammler seien da weniger vorsichtig – und würden oft verbrannte Erde hinterlassen.

Leise, geduldig und freundlich

Fritz Seidl, Feuerwehrabzeichen-Sammler aus Cham

Etwa, in dem sie Abzeichen erbetteln, als würden sie ohne nicht leben können – und wenig später das Bekommene im Internet feilbieten. Das ärgert einen Menschen wie Seidl, der eher leise und freundlich auftritt. Dann bekommt er auch schon einmal eine ganze Uniform geschickt mit Abzeichen am Ärmel. Hilft nichts, fährt er schon einmal dorthin, wo die Abzeichen liegen. Oder, er findet etwas zum Tauschen, wie bei Faber-Castell, denen er im Gegenzug für ein Abzeichen ein altes Bild der Feuerwehr anbot. Das Glück von Seidl sitzt auch im Werkfeuerwehrverband – dort hat er einen Bekannten, der ihn mit Neuigkeiten versorgt, so dass er auf dem Laufenden ist.

Seit Jahren sammelt Fritz Seidl (68) aus Cham alles, was mit Feuerwehr zu tun hat. Er, der selbst ein begeisterter Feuerwehrmann war, hat dazu Schränke voller Dinge – darunter 450 bayerische Werkfeuerwehr-Abzeichen.
Seit Jahren sammelt Fritz Seidl (68) aus Cham alles, was mit Feuerwehr zu tun hat. Er, der selbst ein begeisterter Feuerwehrmann war, hat dazu Schränke voller Dinge – darunter 450 bayerische Werkfeuerwehr-Abzeichen. Foto: Simon Tschannerl

Schließlich gibt es heute auch noch das Sicherheitsproblem. Manche Firma gibt nichts raus, um sicher zu gehen, dass sich in Terror- oder Spionageabsicht keiner als Feuerwehrler einschleicht. So seien die Amerikaner da mittlerweile rigoros geworden. Die Zukunft der Werksfeuerwehren allgemein scheint fraglich, hört man die Analyse des Fachmanns. Es würden immer weniger Betriebe auf solche Art von Firmenschutz setzen. Die Zahl der Werkfeuerwehren und auch der Betriebsfeuerwehren gehe zurück. Viele hätten zu dem nicht mehr nur Lösch- und Rettungsaufgaben, sondern müssten auch den Sicherheitsdienst stellen und am Tor kontrollieren. So stehe bei BMW nur noch Werkschutz auf den Abzeichen.

Gelingt es, die Sammlung zu vervollständigen? Nein, sagt Fritz Seidl mit einer Bestimmtheit, die überrascht. „Das schätze ich mit 1000-prozentiger Sicherheit so richtig ein!“, sagt er. Die, die er noch suche, werde er nicht bekommen. Die Werkfeuerwehren seien hier schon lange weg, oft lebe keiner mehr, der etwas wisse. Finde sich nichts, fehle der Ansatzpunkt für eine Recherche, so Seidl.

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