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Flüchtlinge

Fluglehrer bricht Urlaub ab und packt an

Michael Goldhahn aus Fischbach hilft mit seinem Verein „flying help e.V.“ Flüchtlingen auf der griechischen Insel Kos.
Von Tabea Eppelein

Michael Goldhahn will helfen. Hier richtet er belegte Baguettes für die Flüchtlinge her.
Michael Goldhahn will helfen. Hier richtet er belegte Baguettes für die Flüchtlinge her. Foto: Goldhahn

Fischbach.Als Michael Goldhahn mit seiner Frau im Juli in den Urlaub auf die Insel Kos flog, war ihm die Flüchtlings-Problematik vor Ort bereits bekannt. Bereits zuvor hatte er mit der Hilfsorganisation „Kos Solidarity“ Kontakt aufgenommen. Wie schlimm die Verhältnisse aber wirklich waren und auch aktuell noch sind, war ihm nicht klar. Aufgrund der schrecklichen Verhältnisse, in denen die Flüchtlinge leben müssen, brach das Ehepaar seinen Urlaub ab und blieb die restliche Woche, um zu helfen.

„Ein syrischer Mann hat zu mir gesagt: ‚We feel here like animals.‘ Ich habe ihn in den Arm genommen und gesagt: Er ist kein Tier, er ist ein Mensch.“ Tatsächlich seien die Verhältnisse im Flüchtlingscamp „Captain Elias“ mehr als menschenunwürdig. Goldhahn, der eigentlich Fluglehrer in Cham ist, schildert seine Eindrücke bei der Ankunft: Das Camp sei früher ein Hotel gewesen. In der Bauruine gebe es keine Fenster, keinen Strom und kein Wasser. Etwa 1400 Menschen leben dort, darunter viele Kinder.

Aktuelle Bilder von der Insel Kos: Kinder schlafen auf offener Straße. Foto: Goldhahn
Aktuelle Bilder von der Insel Kos: Kinder schlafen auf offener Straße. Foto: Goldhahn

Für die Flüchtlinge gebe es nur zwei Toiletten. Die Menschen bauen sich aus Palmblättern und Pappkartons provisorische Hütten vor dem Gebäude. „Die Menschen vegetieren. Da kann man nicht mehr in den Urlaub fahren, da muss man helfen.“

„Kos Solidarity“ hilft vor Ort

„Ich habe mich für Europa geschämt“, sagt Goldhahn rückblickend. Außer „Kos Solidarity“ gebe es niemanden aus Europa, der hilft. „Kos Solidarity“ sei ein Zusammenschluss von etwa 75 bis 100 ehrenamtlich arbeitenden Griechen, die selbst auf Kos leben und die Flüchtlinge unterstützen wollen. „Es helfen die Leute, die selber nichts haben“, sagt Goldhahn. Wer kein Geld spenden möchte, weil sowieso schon Milliarden nach Griechenland gehen, liegt falsch: „Das Geld kommt bei den Armen doch gar nicht an.“

Goldhahn verteilt Brot an ein syrisches Flüchtlingskind mit Brandwunden.
Goldhahn verteilt Brot an ein syrisches Flüchtlingskind mit Brandwunden. Foto: Goldhahn

Die Hilfsbereitschaft vor Ort sei enorm. „Es ist toll. Touristen sprechen einen an, ob sie helfen können.“ Aber da gehe noch mehr: Es brauche mehr ehrenamtliche Helfer vor Ort, vor allem, wenn bald der Winter komme. Bis die Menschen aus dem Camp abreisen dürfen, vergehen zwei bis drei Wochen. Medienberichten zufolge habe die Regierung Griechenlands eine Fähre für Kos eingesetzt, die 2000 Menschen aufnehmen könne und den Behörden helfen soll, die Flüchtlinge zu versorgen. Eigentlich hätte sie mehrere Tage bleiben sollen. „Das stimmt nicht“, weiß Goldhahn, der erst letzte Woche von Kos zurückkam. „Die Fähre bedient auch alle anderen Inseln im Umkreis. Sie nimmt 200 bis 300 Menschen auf, bleibt eine Stunde da und fährt dann wieder.“

Menschen kommen in Booten

Hunderttausende Menschen warten derzeit an der türkischen Küste, um von Schleusern die Überfahrt für etwa 1100 Dollar ermöglicht zu bekommen. „Das sind einfache Schlauchboote“, sagt Goldhahn. Man wisse gar nicht, wie viele Menschen auf dem Mittelmeer sterben, denn wenn sie einmal abgefahren sind, erwartet sie keiner in Griechenland. „Niemand weiß, wer von den Flüchtlingen wirklich ankommt.“

Die Menschen sind dankbar für jede Hilfe.
Die Menschen sind dankbar für jede Hilfe. Foto: Goldhahn

Die Überlebenschancen auf einem einfachen Schlauchboot seien nicht besonders hoch. Vor allem syrische Flüchtlinge kommen auf Kos an. „Ich habe einen Jungen gesehen, dessen Gesicht halb verbrannt war. Jeder Familienvater würde da fliehen.“ Die Hilfe für den Verein „flying help e.V.“ hat sich bereits enorm vergrößert: „Wir kriegen im Minutentakt E-Mails von Menschen, die helfen oder spenden wollen.“ Derzeit laufe außerdem eine Protestnote. Ab 10 000 Unterschriften werde „flying help e.V.“ eine offizielle Beschwerde an Bundeskanzlerin Angela Merkel senden, in der zusammengefasst gefordert wird, dass die EU sich mehr um ankommende Flüchtlinge kümmern muss. Gleich nächste Woche wird Goldhahn wieder auf die Insel Kos fliegen, um weiter Hilfe zu leisten.

Die Abendschau des Bayerischen Fernsehens berichtet am Montag, 7. September, um 17.30 Uhr über den Flüchtlingshelfer aus Fischbach.

Der Verein „Flying Help e.V.“

  • Gründung und Ziel:

    Bereits vor sechs Jahren gründete Michael Goldhahn den Verein „flying help e.V.“. Damals war es nur ein sehr kleiner Verein, bestehend aus Familie und Freunden, die Menschen in Not helfen wollten, zum Beispiel privat Flüchtlinge aufzunehmen oder dafür zu sorgen, dass eine alte Frau aufgrund von fehlendem Strom im Winter nicht frieren muss. Nach seinem ersten Besuch auf Kos aber hat Goldhahn sich dazu entschlossen, noch mehr zu leisten.

  • Spendenkonto:

    Seitdem gibt es ein als gemeinnützig anerkanntes Spendenkonto, auf das man Geld für die Hilfe vor Ort überweisen kann: IBAN: DE57 75061168 000 1093371, BIC: GENODEF1SWN. Auf der Homepage des Vereins gibt es weitere Informationen und Möglichkeiten, dem Verein neben Geld- auch Sachspenden zukommen zu lassen.

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