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Technik

Großsender wandert ins Rundfunkmuseum

Eine einmalige Errungenschaft: „Überdimensionale“ Hörfunkgeschichte gibt es in Cham bald zum Anfassen.

Geschafft, aber glücklich zeigten sich Michael Heller und sein Team über die einmalige Errungenschaft des Bayerischen Rundfunks.
Geschafft, aber glücklich zeigten sich Michael Heller und sein Team über die einmalige Errungenschaft des Bayerischen Rundfunks. Foto: fdp

Cham.Ein Großsender wandert ins Museum – und das nicht nur sprichwörtlich, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Einst ein Vermögen gekostet, seit einem halben Jahr abgeschaltet und nun mit samt manngroßer Technik, größtenteils aus Kupfer, dauerhaft gesichert -– und das im derzeit erwachsenwerdenden Rundfunkmuseum in Cham, das seinesgleichen jetzt schon sucht.

Michael Heller und seine Mannschaft sind zurecht stolz auf das große und für die Nachwelt so wichtige technische und geschichtliche Werk, das im alten Fernmeldeamt in der Sudetenstraße zu Hause ist. Die Macher des Rundfunkmuseums haben schon oft über so manche kleinere und größere Errungenschaft berichtet. Doch was die Männer am Dienstag mit einem großen Lkw der Firma Haimerl Hackschnitzel nach Cham chauffiert haben, das schlägt sicher alle Rekorde: Die Chamer dürfen sich nun als die neuen Eigentümer des letzten leistungsstarken BR-Mittelwellensenders samt seiner kompletten Hochfrequenz-Anpassungstechnik nennen.

Der Bayerische Rundfunk hat seine vier Mittelwellensender im September endgültig vom Netz genommen. Die Entwicklung in der Rundfunklandschaft, nicht nur in programminhaltlicher Hinsicht, sondern auch in Sachen Verbreitungstechnik hat sich in den letzten Jahren gravierend verändert. Der BR hat damit der guten alten Mittelwelle, dem ältesten Übertragungsweg noch aus Zeiten der Deutschen Reichspost, ein für alle Mal Ade gesagt.

An drei Baustellen im Einsatz

Durchblick durch riesige Kupferspulen
Durchblick durch riesige Kupferspulen Foto: fdp

Die leistungsstärkste BR-Mittelwellenanlage wurde im Großsender Ismaning am Rande des Erdinger Moos betrieben. Von dort wird seit den 1932 Jahren Hörfunk übertragen, einzig der Standort erinnert heute noch an die Zeit von einst, denn der feuchte Boden nordöstlich der Landeshauptstadt eignete sich hervorragend für die Ausbreitung der Mittelwelle. Die Crew des Chamer Rundfunkmuseums nahm Kontakt mit dem BR-Senderbetrieb in Ismaning auf – und die frohe Kunde lautete: Der Sender darf samt HF-Verteilung nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich ins Museum wandern.

Am Dienstag machte sich ein Abbautrupp mit Michael Heller an der Spitze auf nach Oberbayern, um diese für spätere Museumsbesucher eindrücklichen Objekte abzubauen, zu verladen und nach Cham zu transportieren. An drei Baustellen waren die fleißigen Helfer im Einsatz. Der Großteil hantierte am abgeschalteten 801-kHz-Nautel-Sender aus dem Jahr 1994, der einst mit 100 Kilowatt betrieben wurde. Einen Stock tiefer wurde in einem mit Kupfer ausgekleideten fensterlosen Raum, dem sogenannten „Hosenschalterraum“, ebenfalls gewerkelt.

Warum nicht ein Museum planen? Michael Heller spricht über seine Pläne in Cham.

Geschafft, aber glücklich

Der Abtransport der überdimensionalen Anpassungsspule war alles andere als leicht.
Der Abtransport der überdimensionalen Anpassungsspule war alles andere als leicht. Foto: fdp

Die Dimensionen der einst für 600 Kilowatt Sendeleistung ausgelegten Hochfrequenztechnik überraschte dann doch den ein oder anderen mit der Materie nicht so Vertrauten. Doch mit vereinten Kräften gelang es, alle Teile in deren Zusammenbau zu dokumentieren und schließlich schadlos abzubauen.

Weit draußen im kupfernen Antennenhaus am Fuße des Ende der 1960er Jahre gebauten selbststrahlenden rot-weißen 171,5 Meter hohen Mittelwellenmastes galt es, die beeindruckende Kupfertechnik mit manngroßen Spulen und Kondensatoren sorgfältig zu demontieren.

In Cham wurden die Teile aus dem LKW geladen.
In Cham wurden die Teile aus dem LKW geladen. Foto: fdp

Geschafft, aber glücklich kehrte die Mannschaft am frühen Abend nach Cham zurück. Die Anlage wird nun in einer Lagerhalle provisorisch zusammengestellt, um die Dimensionen für einen benötigten Ausstellungsraum zu erkunden.

Die Besucher dürfen jedenfalls schon gespannt sein auf eine über Jahrzehnte in Betrieb befindliche Rundfunktechnik, ausführlich erklärt und natürlich zum Anfassen: der letzte Mittelwellensender des BR-Großsenders Ismaning. (fdp)

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