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Politik

Grüne wollen „Flächenfraß stoppen“

Im Landkreis Cham werden jeden Tag 609 Quadratmeter Boden versiegelt. Grüne haben Ideen, wie man das drastisch ändern kann.

Michael Doblinger (re.) und Petra Mölders überreichten an den Landtagsabgeordneten Christian Magerl einen kleinen Stoff-Luchs als Dankeschön. Foto: fsh
Michael Doblinger (re.) und Petra Mölders überreichten an den Landtagsabgeordneten Christian Magerl einen kleinen Stoff-Luchs als Dankeschön. Foto: fsh

CHAM.„Wir müssen den Flächenfraß stoppen.“ Darum ging’s nach den Worten von Michael Doblinger bei einer Versammlung der Grünen am Donnerstagabend im Hotel am Regenbogen. Der Grünen-Kreisvorsitzende freute sich über Teilnehmer an der Diskussion vom Bund Naturschutz, dem Bayerischen Bauernverband, vom LBV und vom BDM und stellte den Landtagsabgeordneten Christian Magerl vor, der die Diskussion leiten sollte.

„Wenn ihr mir die Heimat wegnehmt, nehme ich euch die Stimmen weg“, so begründete er seinen Einstieg in die Politik. Magerl stellte anhand einer Präsentation zunächst Zahlen, Bilder und Dokumente als Diskussionsgrundlage vor. In Bayern beträgt der Anteil der versiegelten Fläche an der Siedlungs- und Verkehrsfläche im Durchschnitt 47,2 Prozent.

Betrug die Zunahme dieser Flächen in den Jahren 1993 bis ‚96 noch 185 Quadratkilometer pro Jahr, so waren es 2011 nur noch 99,5 Quadratkilometer. Die höchste Flächenentnahme lag um das Jahr 2000 bei 29,4 Hektar am Tag und betrug 2015 nur noch 13,1 Hektar täglich. Im Landkreis Cham beträgt die Versiegelung zurzeit 609 Quadratmeter am Tag. „Insgesamt können wir uns diese Entwicklung künftig nicht mehr leisten“, ist sich Magerl sicher.

Negative Folgen des Flächenverbrauchs: Verlust von Lebensraum, Zersiedelung der Landschaft. Verkehrserzeugung (Lärm- und Schadstoffemissionen), Bodenversiegelung, Bodenverdichtung, Schadstoffeinträge in Boden und Grundwasser, Beeinträchtigung von Klima, Grundwasserhaushalt und Hochwasserrückhaltung und Verlust von Landwirtschaftsflächen.

Der Abgeordnete präsentierte auch eine ganze Latte von Maßnahmen und forderte als Ziel „kurzfristig nicht mehr als 4,7 Hektar täglich“. Mittelfristig dürfe es keine weitere Nettozunahme des Flächenverbrauchs geben. Das müsse auch im Landesplanungsgesetz aufgenommen werden. Magerl präsentierte dazu auch noch einen Vorschlag: „Flächenverbrauch durch Zertifikate gerecht verteilen“. Er will 20 Prozent der landesweit zur Verfügung stehenden Fläche für überörtliche Vorhaben des Bundes und des Landes reservieren. Die weitere Verteilung der Flächenverbrauchsrechte soll sich nach den aktuellen Bevölkerungszahlen der Kommunen richten.

Der Flächenhandel soll für Kommunen primär Anreize schaffen, bevorzugt auf Innenentwicklung zu setzen und bei Neuausweisungen im Außenbereich zurückhaltend vorzugehen. Finanzschwache Kommunen können sich etwa entscheiden, auf Siedlungsentwicklung im Außenbereich zu verzichten und so neue Einnahmen generieren. Michael Doblinger sprach kurz die Innenstadtbelebung der Stadt Cham an und bat Stadt- und Kreisrätin Petra Mölders um ein Statement. Mölders bedauerte, dass Mittel in Millionenhöhe für die Sanierung der Innenstadt nicht abgerufen würden. Sie erinnerte auch daran, dass die Stadt die Baugebiete Katzbach, Loifling-Silberberg wieder aus dem Bebauungsplan herausgenommen habe, wegen mangelnder Nachfrage. Mölders vermutet, dass dies auf Druck der Regierung erfolgte.

Der Chamer-BBV-Geschäftsführer bedauerte, dass der Landwirtschaft kontinuierlich Flächen entzogen werden. Christian Magerl pflichtete bei und gab zur Kenntnis, dass heute 60 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche verpachtet seien – eine Folge des Rückgangs der Betriebe. (fsh)

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