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„Ich fühle mich wie ein neuer Mensch“

Im neuen Teil ihrer Kolumne schreibt die an Krebs erkrankte Stefanie Deml aus Kolmberg über ihre ersten Sportversuche.
Von Stefanie Deml

Stefanie Deml
Stefanie Deml Foto: ck

Cham.Ich habe beschlossen, dass ich wieder Sport mache. Ich bekomme zwar noch meine Antikörper, aber ich will jetzt anfangen. Nach langem Überlegen, was für mich das Beste ist, habe ich mich für das entschieden, was mir Spaß macht. Mein Spaßfaktor heißt Zumba. Ende Februar beginnt meine erste Stunde. Ich habe etwas Angst davor. Ich weiß nicht, ob ich mit den anderen Frauen mithalten kann.

Bevor ich krank wurde, machte ich dreimal pro Woche Sport. Zumba, Laufen und Schwimmen. Nach Ronjas Geburt im August 2012 habe ich mit Sport und gesunder Ernährung zehn Kilogramm abgenommen. Die Krebsbehandlungen haben meinen Körper aufgeschwemmt. Ich habe viel Wasser – und das muss wieder raus. Mir ist auch wichtig, dass ich mich gesünder ernähre. Ich esse viel Gemüse und trinke viel Tee und Wasser. Es geht mir nicht um das Abnehmen, ich möchte wieder fit werden. Ich will meine Kraft zurück.

Und ich lasse mir Zeit. Ich freue mich total auf meine erste Zumba-Stunde. Körperlich bin ich noch lange nicht so weit, wie ich mir es wünsche. Aber ich kann mit den anderen Frauen mithalten und das macht mich total stolz. Während der Zumba-Stunde merke ich, wie mein Arm schmerzt und ich wieder dieses Kribbeln in den Fingern bekomme. Meine Finger schwellen an. Zum Abschluss bekomme ich auch noch Nasenbluten. Aber das ist mir in dem Moment alles so egal. Ich bin einfach nur stolz auf mich. Die Musik, der Spaß dabei, ich bin überglücklich. Mein Muskelkater am nächsten Tag ist der Hammer. Doch ich habe es geschafft.

Jetzt packt mich erst recht der Ehrgeiz. Meine zweite Sportart wird Laufen. Nach meinen ersten Laufversuchen bin ich total erschöpft. Laufen, gehen, laufen. Ich merke, wie ich wütend werde, wütend auf den Krebs. Was hat der Krebs nur aus mir gemacht? Meine Beine schmerzen und mir wird schlecht. Ich muss wieder von ganz vorne anfangen. Aber laufen tut mir gut, die frische Luft. Und ich kann abschalten. Das soll auch so bleiben. Ich weiß, dass ich es nicht übertreiben darf, aber wenn ich jetzt nichts mache, werde ich nicht gesund bleiben.

Der Sport hilft mir mehr als der Psychologe. Meine Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern, es ist schon geschehen. Da kann mir auch kein Psychologe mehr helfen. Beim Laufen kann ich mich abreagieren. Es ist hart, aber ich fühle mich danach gut. Meine Gesundheit ist mir wichtig!

Die Kolumne und der Dank

  • Gefühle und Erfahrungen

    In ihrer ganz persönlichen Kolumne schildert Stefanie Deml (37) ihr Jahr mit der Diagnose Brustkrebs. Immer wieder hat sie ihre Gefühle und Erfahrungen rund um die Krankheit aufgeschrieben.

  • Mut machen

    Mit der Veröffentlichung will sie Frauen Mut machen, die ähnliches haben und erleben müssen, ebenso für Menschen, die unter Krankheiten leiden.

  • Unterstützung

    Es komme auch auf Unterstützung an, sagt sie. Deshalb dankt die Mutter von zwei Kindern besonders ihrem Lebensgefährten und ihrer Familie für die Hilfe. Geholfen hat ihr auch Roland Saurer, der jetzige Bürgermeister Waffenbrunns, dazu der Kindergarten St. Martin und Pfarrer Reißer.

  • Dank an Evi

    Schließlich gibt es einen weiteren „Engel“, dem sie danken will: der Haushaltshilfe Evi vom Maschinenring, ohne die es nicht gehe. (ck)

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